Wirkt sich der Südanflug auf die Immobilienpreise aus?

ThunOb der geplante Südanflug auf den Flughafen Bern-Belp Einfluss auf die Preise von Liegenschaften in der Region haben wird, dürfte sich erst langfristig zeigen.

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«Bislang haben wir eine Anfrage eines besorgten Hauseigentümers erhalten», sagt Beat Walther. Der Präsident des Hauseigentümerverbandes (HEV) Region Thun kennt sich in Sachen Liegenschaften bestens aus und spricht über den geplanten Südanflug auf den Flughafen Bern-Belp. Ob das neue Anflugregime, das die Flughafenbetreiberin Alpar ab 2015 einführen möchte, Auswirkungen auf die Liegenschaftspreise in der vorgesehenen Anflugschneise haben wird, will der Fachmann nicht kategorisch verneinen. «Das Vorhaben ist jedenfalls nicht förderlich für den Wert einer Liegenschaft», hält Beat Walther fest.

Massgebend sei in erster Linie aber die Intensität der Flugbewegungen. Würde damit die Lärmbelastung massiv zunehmen, könnte dies durchaus Einfluss auf die Preisentwicklung betroffener Liegenschaften haben. Gerade künftige Bauherren müssten sich überlegen, ob sich das neue Anflugregime auf den Wert von neuen Immobilien auswirken könnte, so Walther weiter. Betroffen sind nebst der Region Thun auch das Emmental sowie das Aaretal.

Andere Faktoren wichtiger

Differenziert beurteilt Lukas Manuel Herren vom HEV Bern und Umgebung die Thematik. «Es gibt viele andere Faktoren, die den Wert einer Liegenschaft beeinflussen», erklärt Herren. Er nennt etwa die Bausubstanz, die Nähe zu Schulen und öffentlichem Verkehr oder Einkaufsmöglichkeiten. Zum jetzigen Zeitpunkt seien Wertverminderungen im Zusammenhang mit den Flughafenaktivitäten nicht messbar. Zumal in der seit langem vom Anflug betroffenen Gemeinde Muri die Liegenschaftspreise in der Vergangenheit eher angestiegen seien. «Uns sind in Muri und Umgebung keine Beispiele von Wertverminderungen an Liegenschaften bekannt», sagt Lukas Manuel Herren.

Attraktive Wohngegend

Ähnlich beurteilt auch Hansueli Aebersold, Bankleiter der im Hypothekargeschäft tätigen Raiffeisenbank Steffisburg, die Situation. «Wenn der Flughafen Belp im bisherigen Rahmen weitergeführt wird, dürfte der neue Südanflug keine Auswirkungen auf den Wert der regionalen Liegenschaften haben», sagt er. Denn die Region Thun und deren Umgebung würden nach wie vor als attraktive Wohngegend gelten. «Sollte der Flugverkehr aber markant zunehmen, dürfte eine gewisse Gefahr bestehen, dass dies Einfluss auf die Immobilienpreise haben wird», hält der Bankleiter fest.

«Es wird sich erst langfristig zeigen, ob sich der geplante Anflug auf die Liegenschaftspreise auswirken wird», sagt derweil Manuela Sala, Leiterin Marketing bei der AEK Bank 1826 in Thun. Angesichts der Wohnungsknappheit glaubt die Marketingleiterin indes nicht, dass die Preise sinken werden, sollte der Flughafen Belp dereinst über die Region Thun und das Aaretal angeflogen werden.

Kaum Bedenken

Keine oder kaum Bedenken äussert Architekt Sven Christensen. Mit seinem Planerbüro Archart GmbH Architekten aus Steffisburg will er in naher Zukunft in Unterlangenegg 24 Einfamilienhäuser und zwei markante Gebäude für Wohnen und Gewerbe realisieren. Entstehen sollen dort insgesamt 44 Wohneinheiten. «Das neue Anflugregime wird keine Auswirkungen auf den Verkaufspreis der geplanten Häuser haben», ist der Architekt überzeugt, «weil die Wohnqualität in der Region stimmt.»

Mit dem neuen Anflugregime sollen ab 2015 laut Alpar künftig 28 Prozent der Flüge von Süden her über die Region Thun, das Emmental und das Aaretal in Belp landen. Dies entspricht rund 3300 Landungen pro Jahr. (Thuner Tagblatt)

(Erstellt: 31.01.2014, 10:02 Uhr)

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«Die Situation in Zürich ist mit Bern indes nicht zu vergleichen», sagt Lukas Manuel Herren vom Hauseigentümerverband Bern und Umgebung. Die Frequenzen in Bern sein viel tiefer und die Flugzeuge deutlich leiser. Gemäss dem im derzeit laufenden Auflageverfahren verfassten Umweltverträglichkeitsbericht werde das Vorhaben der Flughafenbetreiberin Alpar in Bern-Belp zu keiner Zunahme des Luftverkehrs führen. Wie im Bericht weiter steht, würden die Siedlungsgebiete durch die neuen Anflugrouten, welche über weniger dicht besiedeltem Gebiet liegen, vom Fluglärm entlastet.

Die Anzahl betroffener Personen mit einer Lärmbelastung reduziere sich damit von 28'100 auf neu 27'100 Personen. Gemäss Bericht werden die Immissionsgrenzwerte der Lärmschutzverordnung eingehalten.

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