Wie erreicht man den Notfalldienst?

Der ärztliche Notfalldienst in der Gemeinde Spiez wird seit März über die kostenpflichtige 0900-Medphone-Nummer abgewickelt. Diese ist aber nicht im Telefonbuch verzeichnet. Und manche Leute haben sie gesperrt.

Rasch per Telefon alarmieren? Das gelbe Telefonbuch «local» sowie das gleichfarbene Merkblatt enthalten noch die alte Spiezer Notfalldienst-Nummer.

Rasch per Telefon alarmieren? Das gelbe Telefonbuch «local» sowie das gleichfarbene Merkblatt enthalten noch die alte Spiezer Notfalldienst-Nummer.
Bild: Pascal Kupper

Was bietet Medphone?

Die ärztliche Notrufzentrale Medphone (0900 576747; 48 Rappen pro Minute) wurde 2004 als Nachfolgeorganisation der Ärztenotrufzentrale Bern von der Ärztegesellschaft des Kantons Bern gegründet. Pflegefachpersonen bieten medizinische Beratung an und vermitteln gegebenenfalls den entsprechenden Notfallarzt. Unter anderem sind in diesem Jahr die Notfalldienstkreise Grindelwald (1.Februar), Spiez (1.März) und Thun (mit Allmendingen, Goldiwil und Gwatt; 26.Juni) beigetreten. 70 Prozent der Kosten werden von den angeschlossenen Arzt- und Zahnarztpraxen gedeckt, 20 Prozent übernimmt der Kanton, und 10 Prozent werden durch die kostenpflichtige Notrufnummer erwirtschaftet.

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«Als meine Nachbarin zusammenbrach, konnte ihr Mann den Notfallarzt nicht alarmieren», erzählt Judith Baumgartner aus Spiez. Seit dem 1. März diesen Jahres wird in Spiez der Notfalldienst über die Medphone-Nummer 0900 576747 abgewickelt. Problematisch ist dabei, dass mache Leute – wie das in Not geratene ältere Ehepaar – die 0900-Nummern sperren lassen. Dies geschieht, um vor Telefonsexanbietern oder dubiosen Geschäftemachern geschützt zu sein. «Die Nachbarn haben den Notfallarzt schliesslich über die Polizei erreicht. Zum Glück war es kein gravierender Vorfall», berichtet Baumgartner.

Auf Amtsanzeiger verlassen

Baumgartner forschte nach und stellte fest: Das gelbe Telefonbuch «local» (ehemals «blitz») führt noch die alte Notfalldienstnummer von Spiez, ebenso das gelbe Info-Merkblatt, welches diverse Notrufnummern und Telefonnummern «nützlicher Dienste» bereithält. «Diese Druckerzeugnisse wurden vor unserer Umstellung auf Medphone hergestellt», erklärt Jürg Schmidli, verantwortlicher Arzt des Notfalldienstkreises Spiez.

Wer auf die alte Notfalldienst-nummer anruft, wird in einer Ansage zwar auf die neue Medphone-Nummer verwiesen – «dies allerdings nur ein halbes Jahr lang», wie Rosmarie Schlüssel vom Swisscom-Kundendienst weiss: Also noch bis am 1.September. Schmidli empfiehlt darum, sich auf den Simmentaler Amtsanzeiger zu verlassen, «der die richtigen Nummern publiziert».

Telefonbuch: Kein Eintrag

Recherchen dieser Zeitung haben zudem ergeben: Das aktuelle Telefonbuch, das von der Swisscom Directories AG herausgegeben wird, führt unter Spiez keinen ärztlichen Notfalldienst-Eintrag. «Die Swisscom lässt in ihrem Verzeichnis keine 0900-Nummern zu», sucht Schmidli eine Begründung. Das ist allerdings falsch, wie sich auf Anfrage beim Swisscom-Directories-Kundendienst herausstellt.

Notfalldienst im Umbruch

«Zurzeit ist in der Notfalldienst-organisation vieles im Umbruch», sagt Markus Husi, der Präsident des ärztlichen Bezirksvereins Thun und Umgebung, zu dem auch Spiez gehört. Es seien weitere Änderungen vorgesehen, die zu gegebener Zeit kommuniziert würden. Zu den veralteten Telefonbucheinträgen meint er: «Es geht zurzeit alles sehr rasch. Man konnte nicht rechtzeitig voraussehen, dass sich ein Notfalldienstkreis wie Spiez oder Thun für Medphone entscheidet. Die einzelnen Notfalldienstkreise sind in dieser Entscheidung autonom.»

Warum die Gemeinde Spiez keinen ärztlichen Notfalldienst-eintrag im Telefonbuch der Swisscom Directories AG hat, weiss Markus Husi allerdings nicht. «Ältere Leute verlassen sich immer noch auf gedruckte Informationen. Die jüngeren greifen hingegen eher aufs Internet zurück», zeigt Baumgartner die Problematik um die Telefonbücher und das Info-Merkblatt auf. «Ich will aber, dass dieser Notfalldienst sauber geregelt wird.» Das Problem der gesperrten 0900-Nummern ist sowohl bei der Swisscom wie auch bei Medphone bekannt.

Nummer 144 wählen

Kathrin Wehrli, medizinische Beraterin bei Medphone, empfiehlt, bei gesperrten 0900-Nummern im Notfall den Sanitätsnotruf 144 zu wählen. «Wenn wir überlastet sind, werden unsere Anrufe ohnehin dorthin umgeleitet», sagt sie. Wer keine Kinder habe, die er vor Telefonsexangeboten schützen wolle, und keinen Internetanschluss über Swisscom beziehe, dem sei von einer Sperrung abzuraten, meint Rosmarie Schlüssel vom technischen Dienst der Swisscom. «Wir weisen die Leute darauf hin, dass sie nach der Sperrung unter Umständen den ärztlichen Notfalldienst nicht mehr erreichen können.» Laut Schlüssel kann eine Entsperrung nur über einen Anruf bei der Swisscom-Zentrale vorgenommen werden. Klaus Brenzikofer, Vize-Gemeindepräsident von Spiez, und Konrad Sigrist, Gemeindeschreiber von Spiez, können zum ärztlichen Notfalldienst nichts sagen. «Die Umstellung auf Medphone erfolgte ohne unsere Mitwirkung», erklärt Konrad Sigrist. (Berner Oberländer)

Erstellt: 23.07.2009, 10:56 Uhr

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