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Wenger bringt nichts aus der Ruhe

Das riesige öffentliche Interesse, das sich wie ein Sturm über ihm entlädt, bringt Kilian Wenger nicht aus der Ruhe. Der «König der Herzen» aus dem «Tal der Könige» spricht über Rummel und Ruhe wie über Kampf – und «Kafi».

Der Jubel des Gekrönten: Schwingerkönig Wenger Kilian I. streckt in Frauenfeld die Arme in den Himmel und ballt die Fäuste zum Sieg.

Der Jubel des Gekrönten: Schwingerkönig Wenger Kilian I. streckt in Frauenfeld die Arme in den Himmel und ballt die Fäuste zum Sieg.
Bild: Keystone

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Kilian Wenger ist Schwingerkönig 2010

Kilian Wenger ist Schwingerkönig 2010
Der 20-Jährige aus dem Berner Oberland war auch am Sonntag am Eidgenössischen in Frauenfeld nicht zu stoppen.

Acht Gänge – acht Siege. Seit er im Schlussgang des «Eidgenössischen» in Frauenfeld Martin Grab wuchtig auf den «Buggu» legte, steht die Welt des Kilian Wenger kopf. Der Schwingerkönig wird von seinen Untertanen gefeiert, wie kaum ein Schweizer Sportler in den letzten Jahren. Trotz seiner Gardemasse (100kg/190cm) wird der 20 Jahre junge Monarch (frei nach Troubadour Mani Matter) «vor Liebi fasch erstickt».

Wer die Nummer der Wengers in Horboden/Riedern wählt, zu dem spricht Kilian I. höchstpersönlich – ab Band. Wer ihn erreichen wolle, wähle bitte die nachfolgende Handynummer, lässt der umworbene Schwingerkönig wissen. Es ist die Nummer seines Konditionstrainers Roland Fuchs. Der Sportchef am BZI in Interlaken amtet seit Wengers Grosstat als eine Art «Prellbock». Er koordiniert all die Anfragen, mit denen der seit 22.August begehrteste Schweizer regelrecht überhäuft wird. «Kilian spricht gerade mit dem Fernsehen, rufen Sie in einigen Minuten nochmals an», sagt Fuchs. Zehn Minuten später hat der König Zeit. Er spricht, wie er charakterisiert wird: unaufgeregt und überlegt.

Der Frutiger Skicross-Olympiasieger Mike Schmid – ein Senkrechtstarter wie Sie – sagt, Sie sollten das Erreichte in vollen Zügen geniessen. Ist das bei allem Trubel überhaupt möglich?
Kilian Wenger: Es ist schon etwas hektisch zu- und hergegangen. Ich habe mir aber auch die nötige Zeit für mich genommen.

Um was zu tun?
Ich habe mir zum Beispiel die Bilder meiner acht Gänge vom «Eidgenössischen» noch mal in Ruhe am Fernseher angeschaut. Das war schon ein tolles Gefühl.

Hätten Sie für möglich gehalten, dass der Rummel um Ihre Person derart riesig sein würde?
Nein, gerade so habe ich es mir schon nicht vorgestellt. Ich war aber auch nicht gross darauf vorbereitet – ich wollte in Frauenfeld primär den eidgenössischen Kranz holen.

Und nun werden Sie gefeiert wie kaum ein Spitzensportler in den letzten Jahren. Wie viele Medienanfragen haben Sie erhalten?
Diese Woche hatte ich einige Wie mir die Presseverantwortliche des «Eidgenössischen» sagte, waren es allein über 100 Anfragen in der letzten Woche.

Mit dem Königstitel steht nicht nur der triumphierende Schwinger, sondern auch dessen Umfeld urplötzlich im Rampenlicht. Keine einfache Sache.
Ja, meine Familie war am Sonntag nach dem Sieg und tags darauf fast überrannt worden. Nun haben wir mit Roland Fuchs eine gute Person an unserer Seite, die uns dabei hilft.

Sie wurden als begehrtester Single der Schweiz ausgemacht, erhalten korbweise Fanpost und Geschenke aller Art. Wie geht man damit um?
«E Bitz wyt isch das scho e Gnuss.» Ich werde mich deswegen aber sicher nicht verändern und trotzdem auch weiterhin in den Ausgang gehen.

Wo könnte man Sie antreffen?
In der Region Spiez–Thun oder etwa auch mal in Interlaken.

Sie sind Lehrling, stehen im zweiten Jahr Ihrer Zweitausbildung zum Zimmermann. Wann wird der königliche Stift wieder an der Arbeit erscheinen?
Diese Woche war das mit all den Verpflichtungen noch nicht möglich. Nächste Woche hingegen möchte ich schon wieder «gah wärche» – anfangs sicher noch nicht zu hundert Prozent. Aber irgendwann will ich dann schon wieder einen geregelten Tagesablauf haben.

Stehen bald Ferien an, in denen Sie richtig abschalten und Distanz zur momentan sehr turbulenten Zeit gewinnen können?
Im Winter über die Feiertage haben wir Betriebsferien, da werde ich sicherlich irgendwohin fahren. Wohin, das weiss ich heute allerdings noch nicht.

Zurück in die Gegenwart. Hat sich seit dem Königstitel etwas Spezielles – oder sogar Eigenartiges – zugetragen?
(überlegt) Speziell war sicher, dass mir eine Firma, mit der ich noch nie zu tun hatte, per Post eine Kaffeemaschine samt Kaffeevorrat heim nach Horboden geschickt hat.

Nun haben Sie in Sachen Kaffee bis 2015 ausgesorgt?
Nein, nein, so viel «Kafi» war es nun auch wieder nicht

Sie haben Ihre sportliche Saison nach dem Sieg in Frauenfeld beendet. Wann greift der Schwingerkönig wieder an?
Im nächsten Jahr steht der Unspunnen-Schwinget in Interlaken an. Das ist das Ziel, auf welches ich fokussiere und mich gut vorbereiten werde. Dieses Fest ist für uns Oberländer etwas Besonderes.

Mit der Art, wie Sie schwingen und auftreten, dürften Sie dem Schweizer Nationalsport bezüglich Nachwuchsförderung einen grossen Dienst erwiesen haben. Was glauben Sie, lösen Sie einen richtigen Boom aus?
Das ist schwierig zu sagen. Vielleicht wird es den einen oder anderen Jungen zum Schwingen animieren.

Wie ist es, wenn unzählige kleine Buben nun den Kilian Wenger zum grossen Vorbild haben?
Ich habe den Sport schon vor dem Sieg am «Eidgenössischen» gelebt und für jüngere Schwinger auch eine Art Vorbildfunktion wahrgenommen. Diesbezüglich ändert sich für mich nichts.

Brechen Sie eine Lanze für Ihren Schwingsport: Wovon profitiert ein Bub, der schwingt? Was gibt es ihm mit auf den Lebensweg?
Für mich war das Schwingen ein guter Ausgleich zur Schule. Man knüpft Kameradschaften, lernt Kollegen kennen. Durch den Schwingsport habe ich gelernt, dass man kämpfen muss, wenn man etwas erreichen will. (Berner Oberländer)

Erstellt: 03.09.2010, 16:54 Uhr

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1 Kommentar

Bernhard Bee

04.09.2010, 22:50 Uhr
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Einfach nur sympatisch! Toller Typ, tolle Erfolge in Zukunft erwünscht. Antworten



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