Wasserlabor prüft Trinkwasser

Das Wasserlabor an der Thuner Allmendstrasse testet das Trinkwasser auf seine Sauberkeit. Seit dem 1. Januar 2008 arbeitet es mit dem Stadtlabor von Bern zusammen. Es werden rund 2000 Proben pro Jahr genommen.

2000 Proben gehen jährlich durch ihre Hände: Rolf Schweizer (l.) und Marcel Heger bei der Probenauswertung im Thuner Wasserlabor.

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Bild: Pascal Kupper

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«Verunreinigtes Trinkwasser durch Bakterien wird am häufigsten durch landwirtschaftliche Nutzung verursacht», sagt Marcel Heger, Leiter des Thuner Wasserlabors. Aber auch absickerndes Regenwasser aus starken Niederschlägen, Erdrutsche oder Bauarbeiten könnten das Trinkwasser verunreinigen. «Private Quellenbesitzer sind öfter davon betroffen, weil sie weniger über die Schutzmassnahmen Bescheid wissen. Wenn sie uns anfragen, stehen wir ihnen beratend zur Seite», sagt Heger.

Seit der Kantonalisierung der Lebensmittelkontrolle auf 1. Januar 2008 arbeiten die beiden Städte Thun und Bern in der Trinkwasserkontrolle zusammen. «Der Gemeinderat stand damals vor der Wahl, entweder das Wasserlabor aufzulösen oder es auszubauen – in Kooperation mit einer anderen Gemeinde», erklärt Gewerbeinspektor Reto Keller, dessen Aufsicht das Wasserlabor untersteht. Die Zusammenarbeit funktioniere hervorragend. «Es ist eine Besonderheit, weil für einmal zwei Städte zusammenarbeiten und nicht eine Stadt mit einer kleineren Gemeinde.» Im Jahr 2008 wurde das Labor auch nach ISO 17025 akkreditiert, um den steigenden Ansprüchen gerecht zu werden.

Nulltoleranz bei Bakterien

Hauptsächlich führt das Wasserlabor an der Allmendstrasse 8 Tests für Fäkalbakterien durch: Nach 24 Stunden steht fest, ob das Wasser Cholibakterien enthält, nach 48 Stunden ob Enterokokken vorhanden sind, und nach drei Tagen ist klar, in welchem Ausmass das Wasser mit Gesamtkeimen kontaminiert ist. «Wenn wir Bakterien feststellen, informieren wir den Kunden umgehend. Gemäss eidgenössischer Hygieneverordnung besteht bei Fäkalbakterien eine Nulltoleranz», so Heger. «Je nach Verschmutzung raten wir, das Wasser abzukochen und abzuwarten, bis die Ursache gefunden und beseitigt wurde.» Chemische Proben werden nach Bern geschickt. Schwierig sei es, wenn der Kunde keine Angaben zum verunreinigten Wasser machen könne. Denn: «Es gibt 300 Barometer, nach denen man testen kann.» Eine chemische Grundanalyse kostet ab 270 Franken, eine bakterielle 70 Franken. Wer sein Wasser testen lassen will, wird vom Labor mit Material zur Probeentnahme ausgestattet.

Das Wasserlabor, unter dessen Dach auch die Pilzkontrolle angesiedelt ist, ist finanziell selbsttragend. «Es entspricht offensichtlich einem Bedürfnis», erklärt Reto Keller. Kunden sind hauptsächlich öffentliche und private Wasserversorgungen der Region Thun und des Simmentals. Für den grössten Kunden, die Energie Thun AG mit rund 40000 Wasseranschlüssen, führt das Wasserlabor wöchentlich Kontrollen an verschiedenen Standorten durch. Marcel Heger und Rolf Schweizer analysieren jährlich rund 2000 Proben. Davon sind etwa 10 Prozent Badewasser. »Wir überprüfen, ob die Desinfektion und die Aufbereitungsanlagen der Badeanstalten funktionieren, und beraten die Bademeister«, so Heger.

Stinkendes Wasser im Juli

Mit der Meldung über stinkendes Trinkwasser im Juli hatte das Wasserlabor nichts zu tun: Damals wurde bekannt, dass das Trinkwasser der Wasserversorgung Gemeindeverband Blattenheid (WGB) in den Gemeinden Blumenstein, Forst-Längenbühl, Uetendorf-Berg und Gurzelen stank – jedoch ohne gesundheitliches Risiko (wir berichteten). «Die WGB kontrollierte ihr Wasser selbst, damit hatten wir nichts zu tun», betont Marcel Heger. Ausserdem unterstehe man der Schweigepflicht, was Testresultate angehe. Liegen Verunreinigungen vor, sind die Wasserversorgungen verpflichtet, weitere Massnahmen zu treffen.

Bauarbeiten sind schuld

Den Grund für ein anderes Problem, dem sogenannten Rostwasser, sieht Heger «fast immer in der alten Hausinstallation. Wenn kein Wasser fliesst, gibt es eine Korrosion.» Eine Wassertrübung tritt dann auf, wenn bei Bauarbeiten der Wasseranschluss eine Zeit lang gekappt wird. Heger betont: «Der Versorger ist für die Wasserqualität nur bis zum Haus verantwortlich.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.09.2009, 09:20 Uhr

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