Was suchte Myles Robinson an der Steinhaltefluh?
Von Christian Liechti, Wengen. Aktualisiert am 30.12.2009
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Waren Drogen im Spiel?
Der Skiort Wengen wurde durch das Verschwinden des Engländers, durch die gross angelegte, privat initiierte Suchaktion mit über 70 Helfer sowie schliesslich durch den ungewöhnlichen Fundort des Leichnams durchgerüttelt. Die Einheimischen spekulieren vor allem darüber, ob im Fall Robinson möglicherweise Drogen oder K.-o.-Tropfen im Spiel waren. Die Kantonspolizei konnte diese Frage gestern nicht beantworten.
«Drogen werden in Wengen offen gehandelt», sagt ein Gastronom und Hotelier, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. In einzelnen Bars blühe das Geschäft. «Kaum ist die letzte Bahn ins Tal nach Lauterbrunnen gefahren, herrscht hier oben ein rechtsfreier Raum.» Der Gastronom führt weiter aus, dass bereits Tage im Voraus die Runde mache, wann Kontrollen durchgeführt würden. Einen Polizeiposten gibt es in Wengen nicht mehr. «Einigen eingesessenen Wenger Familien ist klar geworden, dass etwas gegen die Probleme getan werden muss, damit der Tourismus nicht leidet.»
«In einem Dorf, in dem viel los ist, sind Drogen immer wieder ein Thema», sagt Gemeindepräsident Peter Wälchli (FDP). Öfter seien ihm Gerüchte über Drogen zu Ohren gekommen. «Konkrete Hinweise haben wir jedoch keine.» Wälchli betont: «In Wengen gibt es keinen rechtsfreien Raum.»
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Der Tod von Myles Robinson ist im Skiort Wengen das Gesprächsthema. Der Engländer verschwand in der Nacht auf den 22.Dezember nach einem Barbesuch spurlos. Am Montagabend fand ein privater Suchtrupp den angehenden Finanzberater tot am Fusse der Steinhaltefluh, kurz vor Lauterbrunnen. Als die Kantonspolizei am Dienstag bei Tageslicht die Fundstelle noch einmal inspizierte, stiess sie wenige Meter vom Fundort entfernt auf das Mobiltelefon des Mannes.
Die Kantonspolizei Bern bestätigte gestern Abend, dass es sich beim gefundenen Leichnam um Myles Robinson handelt. Der Familie wurde die traurige Nachricht bereits 24 Stunden vorher in Wengen überbracht. Am späteren Montagnachmittag wurden die Angehörigen im Tourismusbüro in Wengen abgeholt und an die Fundstelle unterhalb der Steinhaltefluh zu ihrem abgestürzten Sohn geführt.
Einheimische fanden ihn
Eine zentrale Frage beschäftigt die Einwohner im Lauterbrunnental: Die Einheimischen fragen sich, wie der junge Engländer mitten in der Nacht in das unwegsame Gelände oberhalb der Steinhaltefluh gelangen konnte. Ebenfalls unklar ist, was er da noch suchte. Sein Apartment lag im Dorf in entgegengesetzter Richtung. In der Vergangenheit sind immer wieder Menschen über die Wand 200 Meter in die Tiefe gestürzt.
Ein privat organisiertes Suchteam hat den leblosen Körper im steilen und glitschigen Gelände gefunden. Dem Suchtrupp gehörten mehrere junge Männer aus Wengen an. Einer ist in der Telekommunikationsbranche tätig. Ein anderer ist der Grosssohn einer nationalen Skilegende. Die Familie aus England ist in Wengen bekannt, denn sie verbringt seit Jahren ihre Weihnachtsferien im Berner Oberland.
Gottesdienst in der Kirche
Man habe die Touristen mit mangelnden Ortskenntnissen nicht alleine suchen lassen können, begründet einer der Helfer, der den schaurigen Fund machte. Ohne Hilfe der Einheimischen sei die Unfallgefahr für die Touristen viel zu gross gewesen. Nähere Angaben zum Verlauf der Suche wollten die beiden Wengener wegen des laufenden Verfahrens nicht machen. Sie wollten auch nicht sagen, wieso sie ausgerechnet unter der Steinhaltefluh nach Myles Robinson suchten.
Am Donnerstag oder am Freitag soll in der English Church Wengen für Myles Robinson ein Trauergottesdienst stattfinden. Wie ein Vertreter der Kirche gestern erklärte, sei sich die Familie über die Durchführung der Feier noch nicht im Klaren.
Er wollte keinen Skihelm
Abschied nehmen werden wohl auch Liz Moore und ihre Tochter Alex. Die beiden hatten die private Suchaktion lanciert und vorangetrieben. Sie waren gestern Morgen in Wengen unterwegs und suchten nach Erklärungen für den Tod ihres Freundes. Fassungslos und mit leerem Blick schritten sie die Strecke zwischen der Blue Monkey-Bar, in der der Engländer zum letzten Mal lebend gesehen wurde, und dem Apartment der Familie Robinson beim Bahnhof ab. «Wengen war für uns immer der lieblichste Platz auf Erden. Jetzt dies.»
Dabei hatten die Ferien der Familie Robinson unspektakulär begonnen. Am 20. Dezember trafen die Robinsons in Wengen ein. Myles, seine Schwester Cara (25) und die Eltern Michael (59) und Sarah (59) wollten Weihnachten gemeinsam verbringen. Am Tag nach der Ankunft kauften die Robinsons in einem Sportgeschäft in Wengen Skihelme. Wie eine Kundin berichtet, haben Vater und Tochter dasselbe Helmmodell gewählt. Sohn Myles habe sich dagegen gesträubt, einen Helm zu kaufen. Der junge Engländer habe ihr, so die Kundin, einen trotzigen Eindruck gemacht und sich unmotiviert an ein Gestell gelehnt. «Wieso soll ich für eine so kurze Zeit einen Helm kaufen?», soll Myles Robinson launisch zu seiner Familie gesagt haben. In der folgenden Nacht kam er in Wengen ums Leben.
(Berner Zeitung)Erstellt: 30.12.2009, 13:21 Uhr




