Verschneite Sommerbilanz beim Schweizer Alpenclub

Ein Mai und ein August zum Vergessen, aber sonst ein recht guter Sommer: So lautet der Tenor beim Grossteil der 26 SAC-Hüttenwarte im Berner Oberland. Man ist sich einig: Jedes Jahr ein Rekordergebnis ist nicht möglich.

Wintereinbruch bei der Gelmerhütte: Im vergangenen Sommer zeigte sich diese Kulisse mehr als einmal in weissem Kleid. Der grösste Teil der Oberländer SAC-Hütten erlebten aber alles in allem einen durchschnittlichen Sommer. Bild: Bruno Petroni

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«Mit 1600 Übernachtungen haben wir den bisherigen Hüttenrekord um 300 überboten»: Lisa Emmenegger betreut mit ihrem Ehemann Beat seit letztem Frühling die Lobhornhütte über dem Lauterbrunnental. Und sie glaubt den Grund für den grossen Gästeaufmarsch zu kennen: «Wir haben eine neue, originelle Homepage im Internet aufgeschaltet, die gut anzukommen scheint.» Zwar gab es vor allem im Juni und August auch auf der Höhe der Lobhornhütte, 1955 Meter über Meer, mehrere Wintereinbrüche. «Aber in den letzten zwei Wochen hatten wir die Hütte durchgehend bis zum letzten Platz voll», freut sich Lisa Emmenegger. Für das kommende Jahr plant sie zudem ein zusätzliches Naturwellness-Angebot für Hüttengäste.

Sehr zufrieden ist auch Christian Bleuer von der Gspaltenhornhütte (2458 m): «Klar hatten wir 20 Prozent weniger Gäste als im letzten Jahr, aber der Vergleich zum Rekordjahr 2009 ist halt schwierig. Der Zehnjahresdurchschnitt ist jedenfalls immer noch 27 Prozent unter dem diesjährigen Ergebnis.» Christian Bleuer machte seine Hütte vor drei Wochen winterdicht.

«Nicht jedes Jahr Rekord»

Heiri Büchler, Hüttenwart der Tierberglihütte (2795 m) am Sustenpass, erlebte einen schlechten Mai und August, ist aber trotzdem mit der Saisonbilanz sehr zufrieden: «Man kann ja nicht jedes Jahr einen neuen Besucherrekord erzielen wollen.» So sieht es auch Ruth Lüthi von der Gelmerhütte (2412 m): «Es war ein durchschnittlicher Sommer mit einigen Wintereinbrüchen.» Bis zum vergangenen Freitag erfreuten sich Lüthis eines regen Gästeaufmarsches. Mit 2050 Übernachtungen sind sie entsprechend zufrieden mit der Saison 2010.

Auch Bruno Kaufmann von der Glecksteinhütte (2317 m) blickt auf eine durchschnittliche Saison zurück: «Entweder hatten wir die Hütte voll oder dann leer – bedingt durch die zahlreichen Schneefälle. Aber wenn man schaut, wie viele Regen-tage wir hatten, sind wir trotzdem sehr zufrieden mit dem Ergebnis.»

Ist tiefer Euro mitschuldig?

Walter Lüthi, seit 15 Jahren Hüttenwart auf der Windegg (1887 m), vermutet den Grund für den Rückgang der Übernachtungen vom letztjährigen Rekord von 3600 auf 2600 im extrem tiefen Euro-Kurs: «Die Schweizer reisen dadurch vermehrt ins Ausland, und den ausländischen Feriengästen ist der Schweizer Franken zu teuer. Jedenfalls hatten wir merklich weniger deutsche Feriengäste als sonst.» Auch glaubt Lüthi, dass der grosse Ansturm auf die neue Triftbrücke der letzten Jahre allmählich etwas nachlässt.

Baulärm und 100 Nächte

Cyrille Zwicky, die Wartin der Dossenhütte (2669 m), erlebte einen Sommer mit viel Baulärm: «Trotzdem war es interessant, den bis zu 20 Arbeitern beim Ausbau unserer Hütte zuzuschauen und zu sehen, unter welchen oft garstigen und harten Bedingungen sie ihren Job erledigen.» Mit etwas über 100 Übernachtungen ist Zwicky den Umständen entsprechend zufrieden. Die Arbeiten am neuen Hüttenanbau (wir haben berichtet) sind aber noch nicht wie geplant beendet, sondern werden nächsten Frühling noch für rund vier Wochen weitergeführt.

Durchzogene Bilanz

Unter dem Durchschnitt endete das Jahr für die Bergsteigerhütte schlechthin, die Schreckhornhütte (2530 m): «Abgesehen vom langen Hüttenweg sind wir hier oben halt abhängig davon, ob das Schreckhorn und Strahlegghorn begehbar sind. Und das war in diesem Sommer nicht so oft der Fall», sagt Hüttenwartin Rosmarie Bühler, welche mit ihrem Mann Hans die Hütte vor dreieinhalb Wochen eingewintert hat.

Vor zehn Tagen ist auch Susanne Brand von der Gaulihütte (2205 m) ins Tal zurückgekehrt – mit durchzogener Bilanz: «Die Schneefälle haben die sonst jeweils ertragreichen Herbstwochen ziemlich zerstört.» Susanne Brand öffnet die Hütte wieder Mitte März für die Skitourenfahrer. (Berner Oberländer)

Erstellt: 19.10.2010, 11:13 Uhr

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