Versalzt sich Adelboden den Winter?
Von Jürg Spielmann. Aktualisiert am 21.02.2012 1 Kommentar
Das Beispiel Adelboden: Die Situation gestern Montag auf der Landstrasse im Lohnerdorf – mit dem Einsatz von Salz wird hier dem Schnee auf den Strassen zu Leibe gerückt. (Bild: Markus Hubacher)
«Adelboden – Salt Lake City vom Berner Oberland». So titelt der Adelbodner Erich Glarner seinen Brief an diese Zeitung. Doch anders als der Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2002 im US-Bundesstaat Utah liegt Adelboden nicht am Ufer eines Salzsees. Das Salz sei im Oberländer Tourismusort vielmehr auf Strassen und Wegen zu finden – üppig verteilt. So zumindest sieht es Glarner. Er schreibt: «Die Salzmänner von Adelboden sind unterwegs und sagen dem Schnee den Kampf an. Bis in den hintersten Winkel werden Strassen und mittlerweile auch Fusswege gesalzen.»
Auf Strassen und Trottoirs liege eine rutschige, braune Schneematschmasse. «Versuchen Sie nicht, einen Schlitten zu ziehen – unmöglich», so Glarner und schiebt nach: «Die Flanierzone, die Dorfstrasse, ist oft in einem erbärmlichen Zustand. Knöcheltief steht man im Matsch. In den Läden, auf der Post und in den Restaurants stehen die Kunden in einer schmutzigen, braunen Sauce.»
Strassen wie eine Bobbahn
Was sagt man bei der Gemeinde Adelboden zum Vorwurf, man würde glatt den Winter versalzen? Bauverwalter Markus Inniger liess gestern in einer kurzen schriftlichen Stellungnahme Folgendes verlauten: «Hätte man den Winterdienst gerade bei der mit Schneefall- und Regentagen wechselnden Witterung um die Jahreswende eingeschränkt, könnten wir es auf unseren Strassen mit der Bobbahn von Salt Lake City aufnehmen, mit vermutlich ebenso aufgebrachten Lesermeldungen.» Manch einer sei froh, so Inniger weiter, sein Heim auch bei ungünstiger Witterung zu erreichen – «dies zeigt sich auch darin, dass bis Mitte Februar erst eine mündliche Reklamation bei der Bauverwaltung eingegangen ist». Auf ergänzende Fragen zum Winterdienst – wie beispielsweise jene, ob denn mehr gesalzen werde als früher – gab es gestern aus Adelboden keine Antwort.
«Das Salzen sorgt für Unmut in der Bevölkerung», ist Erich Glarner überzeugt. «Das ist immer wieder ein Thema.» Der Inhaber einer Firma für Sicherheitstechnik lebt seit 21 Jahren in Adelboden.
Eingeschränkter Dienst als Lösung?
Er glaubt auch zu wissen, wie die Lösung des Problems aussehen könnte oder sollte: «Die Lenker und Kandersteger haben das im Griff. Eingeschränkter Winterdienst heisst das Zauberwort.» Dort seien die Strassen weiss und sogar für Zweiräder befahrbar. «Sollten wir uns nicht darauf besinnen, dass Adelboden ein Wintertourismusort ist und dass es nicht das Ziel sein kann, den Ort ganzjährig mit Sommerreifen erreichbar zu machen?», fragt Glarner. Dazu meint Bauverwalter Markus Inniger: «Einem eingeschränkten Winterdienst stehen in der Gemeinde Adelboden vor allem die Strassen in der Hanglage entgegen.»
Dieses Argument führt auch Innigers Amtskollege jenseits des Lohners, der Kandersteger Bauverwalter Toni Rösti, ins Feld. Er bestätigt, dass in Kandersteg «sicher seit 25 bis 30 Jahren» eingeschränkter Winterdienst gilt – und sagt: «Bei uns sind die Strassen in der Talebene, in Adelboden am Hang. Das lässt sich kaum vergleichen.» Rösti sagt, man versuche in Kandersteg eine Weissräumung zu machen, auch wenn der Aufwand grösser sei als beim Schwarzräumen. «Man muss die Schneedecke aus Sicherheitsgründen von Zeit zu Zeit ausgleichen. Dieser Aufwand ist es der Tourismusgemeinde aber Wert.» Wenn es die Strassenverhältnisse erfordern, wird aber auch in Kandersteg gesalzen. Und wie hier besteht auch an der Lenk eine Vereinbarung mit dem Kanton, wonach die Gemeinde für den Unterhalt der Staatsstrasse im Ort aufkommt. Dies, damit die Fahrbahn weissgeräumt werden kann, denn der Kanton räumt üblicherweise schwarz (siehe Kasten).
Grindelwald weiss, Gstaad schwarzNicht nur der Staat pflegt Schnee und Eis raschmöglichst den Garaus zu machen. Das ist auch im Nobelort Gstaad, ausser auf der verkehrsfreien Promenade, Usus. «Eingeschränkter Winterdienst kennen wir auf Gemeindestrassen aus Sicherheitsgründen nicht», sagt Bruno Beetschen. Der Fachleiter Infrastruktur der Gemeinde Saanen ergänzt, man habe «vor Ewigkeiten einen Versuch gemacht. Dieser hat sich nicht bewährt». In Grindelwald an der Schwarzen Lütschine setzt man hingegen auf weisse Strassen. Das Ziel sei, nicht zu salzen, sofern es nicht nötig sei, ist auf der Bauverwaltung zu erfahren.
Ob schneebedeckt oder geräumt: Als oberster Grundsatz steht der Gesetzesartikel, der besagt, dass sich Autofahrer immer den Verhältnissen anzupassen haben. Wie aber sieht die rechtliche Situation aus? Kann eine Gemeinde, die den Winterdienst nur eingeschränkt betreibt, bei einem Unfall sogar zur Verantwortung gezogen werden? Martin Rösti, der Leiter Nationalstrassenbetrieb beim kantonalen Tiefbauamt, verneint: «Eine Gemeinde kann dafür nicht belangt werden. Wichtig ist allerdings, dass sie die Einschränkung klar signalisiert.»
Bauverwalter Toni Rösti aus Kandersteg bringt es schliesslich auf den Punkt: «Allen kann man es bei der Schneeräumung eh nie recht machen» (Berner Oberländer)
Erstellt: 21.02.2012, 11:14 Uhr
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1 Kommentar
Ich bevorzuge weisse Strassen, weil die Autofahrer, dann die Fahrweise dem Untergrund anpassen, sicher gibt es auch exponierte Stellen die man einfach sanden, splitten oder gar salzen muss, aber es würde vieles verbessern den Umweltschutz und die Sorge für Planzen, Kleintiere und Mensch, wir sind einfach zu verwöhnt, wichtig sind freie Gulliabgänge fürs Schmelzwasser... Antworten
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