«Verbotenes Kleidungsstück» lockte die Gäste scharenweise an
Belle-Epoque-Woche in Kandersteg
Alle Zeichen stehen auf Vergangenheit: In Kandersteg wird noch bis am Sonntag die Belle-Epoque-Woche gefeiert. Nebst der Ausstellung über das Korsett im Hotel Doldenhorn stehen zahlreiche Aktivitäten auf dem Programm. So zum Beispiel Bobrennen, Curling, Bridge-Turniere, Tailing-Party, historische Winterspaziergänge, Bälle, Eishockey-Turniere und Tea-Time-Anlässe.
Das Programm inkl. Zeitangaben: www.kandersteg.ch/belle-epoque
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an
4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Das Interesse am Korsett war gross: Der Einladung von Beata Sievi zu einer Führung durch die Geschichte des Korsetts waren am Montagabend gegen hundert Leute gefolgt. Die meisten unter ihnen trugen passend zum Anlass edle Roben, verzierte Hüte, Handschuhe aus Spitze und Anzüge aus der Zeit um 1900. Im Kandersteger Hotel Doldenhorn stellt die Modedesignerin Sievi aus Winterthur derzeit zwölf ihrer Kreationen – Korsetts und Kleider – aus. An ihnen hatte sie in einem einstündigen Rundgang die Entwicklung des Korsetts nähergebracht.
Schöne Taille – dank Korsett
«Früher wurde das Korsett nur als Unterwäsche getragen, heute durchaus auch als Oberteil», sagt die Corsetière, die passend zur Belle-Epoque-Woche eine schwarz-weisse Kreation in Anlehnung an jene Zeit trägt.
Wozu wurde das Korsett eigentlich erfunden? Um die Taille zu betonen, die aufrechte Haltung einer Frau zu fördern und natürlich auch, um die Brüste zu heben, wie Sievi ausführt. Alles Dinge, die natürlich auch heute noch ihre Gültigkeit haben.
Vor Gericht – wegen Korsett
Die Erfindung des «rätselhaften Objekts», wie Sievi das Korsett auch nennt, sei nicht auf eine einzige Person zurückzuführen. Eine Legende besage, dass Katharina di Medici das Korsett erfunden habe. Heute sei man aber der Überzeugung, dass das Korsett das Resultat einer kontinuierlichen modischen Weiterentwicklung über die letzten rund 400 Jahre sei. Im 16. Jahrhundert sei mit dem Tragen eines Korsetts primär eine moralische Haltung und die Zugehörigkeit zur oberen Klassenschicht zum Ausdruck gebracht worden. Die Korsettstäbe bestanden aus Fischbein, Horn, Schilfrohr oder auch aus Elfenbein und Edelholz, die nicht selten mit Liebesschwüren verziert wurden. Im Lauf des späten 19. Jahrhunderts wurden Federstahlband und Stahlspiralen gebraucht.
Korsetts sorgten nicht selten für Aufsehen und haben in der Geschichte auch schon Gerichte beschäftigt, so zum Beispiel 1710 in London. Eine Frau in Korsett und Reifenrock sorgte damals in der Öffentlichkeit für so viel Aufregen, dass sie vor den Richter treten musste – und wegen ihres breiten Reifenrocks den ersten Gerichtstermin verpasste, weil sie nicht durch die Tür passte.
Arbeiten – ohne Korsett
Gegen 1900, also in der Belle-Epoque-Zeit, entwickelte sich eine neue Korsettform: Das S-Korsett, das die Brust raus- und den Bauch reindrückte. Ein solches Modell, natürlich eine Eigenkreation, trug Beata Sievi anlässlich der Führung. Kurze Zeit später, in der Zeit um den ersten Weltkrieg, war die Frau als Arbeitskraft gefragt, das Korsett kam aus der Mode. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg, so Beata Sievi, wurden nicht nur Korsetts, sondern auch Büstenhalter öffentlich verbrannt als Zeichen der Emanzipation der Frau. «Dies, um 20 Jahre später wieder als modischer Trend aufgenommen zu werden», sagt Sievi.
Wer sich für die Geschichte des Korsetts und die mit viel Herzblut genähten Kreationen von Beata Sievi interessiert, kann am Donnerstag zwischen 11 und 12 Uhr im Hotel Doldenhorn an einer zweiten Führung teilnehmen.
www.kandersteg.ch (Berner Zeitung)
Erstellt: 25.01.2012, 11:06 Uhr


