Unternehmerpreis für Offroad-Rollstuhl
Von Marc Imboden. Aktualisiert am 14.04.2011 2 Kommentare
Peter Segmüller im Elektro-Rollstuhl Twist T4 der Degonda Rehab SA. Hinter ihm Geschäftsführer
André Degonda (Mitte) und die beiden Entwickler Thomas Wüthrich (links) und Samuel Hürlimann mit der
Unternehmerpreis-Urkunde. (Bild: Marc Imboden)
Wie alles begann
André Degondas Vater war Orthopädietechniker mit einer eigenen Firma in Lausanne. DegondaJunior studierte Politische Wissenschaft sowie Betriebswirtschaft und startete in der Firma vor 30 Jahren, nach dem Abschluss seines Studiumsl Weil er als Freiwilliger in einem Lager für Menschen mit Multipler Sklerose gearbeitet hatte, beschloss er, die Firma umzubauen: Zuerst verkauften er und seine Leute Rollstühle, später begannen sie, sie selber herzustellen. «Denn es hatte mich stark beeindruckt, wie die MS-Patienten mit ihrer Krankheit umgingen und sich nicht unterkriegen liessen», erinnert sich André Degonda.
Mit Thomas Wüthrich hatte er bereits in diesen Anfangsjahren einen Rollstuhlentwickler angestellt, auf dessen Fähigkeiten er nicht mehr verzichten wollte. Und somit nahm die Firmengeschichte eine Wendung, die ihresgleichen sucht: «Thomas Wüthrich wollte nicht im Waadtland bleiben, und ich wollte ihn nicht verlieren. Also richtete ich ihm in Belp eine Entwicklungs- und Produktionsstätte ein.» Vor zehnJahren verliessen sie Belp und zogen nach Uetendorf. Heute beschäftigt die Firma 30 Mitarbeiter: zwölf in Uetendorf, die anderen in Lausanne (Firmensitz) und Genf.
Die erste grosse Innovation vor 16 Jahren war gemäss André Degonda ein E-Rollstuhl, der sich auf der Stelle um die eigene Achse dreht. Diese Wendigkeit sei einerseits in Wohnungen nützlich, wo der Raum beschränkt ist.
Andererseits bedeute sie auch
im Rollstuhlsport, etwa im
E-Hockey, einen Vorteil, der über Sieg oder Niederlage entscheiden kann. Worauf der Geschäftsführer besonders stolz ist: ««Mehrere der besten E-Hockey Spieler weltweit - darunter auch Jasmin Rechsteiner, Miss Handicap 2010 - haben ihre Wahl auf unseren Turbo-Twist Sport getroffen: unser speziell entwickelter Sport E-Rolli!»
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Peter Segmüller steht mit dem Elektro-Rollstuhl Twist T4 vor einem Absatz, der etwa die Höhe eines Trottoirs hat. Er lässt ihn sanft anrollen und überwindet das Hindernis. «Das geht problemlos, und zwar ohne Anlauf und ohne besonders viel Kraft einzusetzen», lautet sein Fazit. Segmüller ist E-Rollstuhl-Sportler und hat deshalb grosse Erfahrung mit den verschiedensten Arten von Rollstühlen. Die nächste Station ist ein unasphaltiertes Stück Land, das mit groben Steinen übersät ist. Peter Segmüller fährt darüber: geradeaus, dann eine Kurve, und schliesslich dreht er sich um die eigene Achse. Auch auf diesem Untergrund vermag ihn das Gefährt zu überzeugen: «Mit einem normalen Rollstuhl wäre ich hier verloren.»
Der Star der Firma
Der Twist T4 hat gute Chancen, zum Flaggschiff der Degonda Rehab SA zu werden, die ihre Rollstühle im Industrie- und Gewerbeviertel auf der Uetendorfer Allmend entwickelt und herstellt. Denn das jüngste Produkt auf ihrer Palette ist kürzlich mit dem Prix Entrepreneur de la Région Lausanne in der Sparte «Coup-de-Coeur»ausgezeichnet worden. «Mit dieser Innovation bringen wir ein neues Konzept auf den Markt», sagt Geschäftsführer und Firmengründer André Degonda: «Einen Elektro-Rollstuhl, mit dem sich der Fahrer auf der Stelle drehen kann, und der zudem einen 4x4-Antrieb vorweist.» Damit werde dieses Konzept Schwerstbehinderten ganz neue Möglichkeiten bieten: «Sie können selbstständig höhere Bordsteine besteigen, unproblematisch Talfahrten und Steigungen bewältigen.» Der Unternehmer-Preis ist für die Degonda Rehab SA einerseits Motivation, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen. Auf der anderen Seite ist er aber auch eine grosse Hilfe beim Vermarkten des Twist T4. «Im Moment sind wir im Stadium der Nullserie, um sicherzustellen, dass ab der ersten Serie alles zusammenpasst», sagt André Degonda. Ende Juni werden die ersten regulären Modelle die Produktionsstätte in Uetendorf verlassen. Jedes wird seinem Besitzer auf den Leib geschneidert sein; ob gross, klein, dick oder dünn – der Twist T4 kann allen Grössen und Massen angepasst werden. Der Besitzer kann zudem wählen, ob der E-Rollstuhl, der ab 16000 Franken zu haben ist, mit der Hand, dem Kopf oder nur dem Kinn gesteuert werden soll.
Bald auch in Nordamerika?
Mit ihren anderen Elektro-Rollstühlen und -Mobilen hat die Degonda Rehab SA bereits Exporterfolge erzielt. Bei den Osec Swiss Export Awards 2011 hat sie es sogar in den Halbfinal geschafft. «Bisher haben wir unsere Produkte vor allem in Nachbarländer der Schweiz verkauft», sagt Geschäftsführer Degonda. Nun möchte die Firma den Sprung über den grossen Teich wagen und ihr Twist T4-Konzept nach Nordamerika verkaufen. (Thuner Tagblatt)
Erstellt: 14.04.2011, 06:57 Uhr
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2 Kommentare
Geländegänginge E-Rollis gibt es schon lange. Wo sich die Herren Entwickler scheuen ist aber simpler: eine einfache treppenfähige Rollivariante. Viele meiner Fussgängerkollegen wohnen im ersten Stock ohne Lift. DAS IST MÜHSAM und nicht ob ich in der Pampa spazieren kann. Man sieht es, die Hilfsmittelindustrie operiert immer noch durch gedeckte IV-UV Beiträge neben dem Markt vorbei... Antworten

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