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Um das Pferdezentrum kursieren Gerüchte

Von Bruno Petroni. Aktualisiert am 01.02.2012

Im Kandertal kursieren Gerüchte, wonach sich der Betreiber des Pferdezentrums nicht an die Vorgaben des Tierschutzes halte. Auch handle er mit Pferden, ohne diese steuerlich zu deklarieren, und er beschäftige die Angestellten schwarz.

Die achtjährige Stute Mara steht in einem rund 2,5 mal 3 Meter grossen Aussenstall. Wie viel Auslauf das Tier geniesst, kann es leider nicht selber sagen. Dem Betreiber wird laut Gerüchten nebst mangelndem Tierschutz auch Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit vorgeworfen.

Die achtjährige Stute Mara steht in einem rund 2,5 mal 3 Meter grossen Aussenstall. Wie viel Auslauf das Tier geniesst, kann es leider nicht selber sagen. Dem Betreiber wird laut Gerüchten nebst mangelndem Tierschutz auch Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit vorgeworfen.
Bild: Bruno Petroni

Betreiber Felix Schmid nimmt Stellung:

Felix Schmid, der Besitzer des Pferdezentrums Frutigen, versteht nicht, «warum solche üblen Gerüchte über meinen Betrieb die Runde machen». Das Pferdezentrum werde von der Kontrollkommission für umweltschonende und tierfreundliche Landwirtschaft (KUL) bis zu dreimal jährlich kontrolliert – so letztmals Anfang Oktober. «Unser nach IP-Richtlinien laufender Ökobetrieb führt über jedes Pferd ein exaktes Auslaufjournal. Jedes Tier hat täglich gruppenweise Auslauf in der grossen Halle. Ausserdem haben wir ganz in der Nähe eine 2,5 Hektaren grosse Weide sowie weitere Grünflächen in Scharnachtal und Spiez.»

Was die Grösse der Boxen angehe, so halte sich der Betrieb an die laufende Übergangsfrist des Tierschutzgesetzes, welches bis Ende August 2013 eine minimale Fläche von 9 Quadratmetern für ein Pferd zwischen 162 und 175 Zentimeter Grösse vorschreibe.

Felix Schmid verfügt seit 15 Jahren über ein Viehhandelspatent, exportiert nach eigenen Angaben Freiberger Pferde ins Ausland und importiert sogenannte Blutpferde. «Jedes Tier hat einen eigenen Pass und wird vom Schweizerischen Pferdezuchtverband registriert. Ein Handel ohne Deklaration wäre also heutzutage fast nicht mehr möglich», sagt Schmid. Die letzte definitive Steuerveranlagung sei ebenfalls über den Tisch, womit auch steuerrechtlich alles rechtens sei, sagt Schmid. Die für das Pferdezentrum arbeitenden Praktikantinnen würden ausserdem nicht schwarzarbeiten, sondern eine ordentliche Lohnabrechnung bekommen.

Die Gerüchte sind in Frutigen angeblich nichts Neues – viele wollen davon wissen, dass im Betrieb des Pferdezentrums nicht alles mit rechten Dingen zu- und hergehe. Nur: Mit klaren Aussagen und Namen will niemand in der Zeitung erscheinen. So sagt etwa ein Landwirt: «Der Betreiber versteht es ausgezeichnet, sich in der gesetzlichen Grauzone zu bewegen.» Sein Vorwurf richtet sich an Felix Schmid. Der Besitzer des Pferdezentrums Frutigen soll unter anderem die Pferde auf zu engem Raum halten.

Der Augenschein vor Ort

Ein Augenschein vor Ort zeigte vergangene Woche, dass sich eine grosse Rappenstute in ihrer höchstens 2,5 Meter breiten und 3 Meter tiefen Aussenbox tatsächlich kaum richtig umdrehen konnte. In einem gleich grossen Nachbargehege standen drei kleine Ponys, daneben zwei weitere grosse Schimmel.

Eine Pferdehalterin und erfahrene Reiterin aus der Region kennt die Verhältnisse im Pferdezentrum ziemlich gut – und spricht Klartext: «Mein eigenes Pferd würde ich niemals im Pferdezentrum unterbringen. Die Tiere haben dort zu wenig Auslauf, und es ist viel zu eng. Ich frage mich, ob der Betreiber überhaupt ein Auslaufmanagement hat und über ein vernünftiges Auslaufjournal verfügt.»

Staatsanwalt wird informiert

Dem Veterinärdienst ist der Betrieb von Felix Schmid bekannt. Kantonstierarzt Reto Wyss: «Unsere Leute kontrollierten das Pferdezentrum in der Vergangenheit bis zu zweimal pro Jahr. Bei einer solchen Kontrolle zeigte sich, dass der Betreiber zu grosse Pferde in zu kleinen Boxen und Ponys ohne Sicht nach aussen hält.» Schmid sei auf die Mängel aufmerksam gemacht worden und habe die Missstände dann korrigiert. «Bezüglich Fütterung und Pflege der Tiere hat der Veterinärdienst bisher keine negativen Feststellungen gemacht. Deshalb haben wir bisher auf eine Anzeige verzichtet», sagt Reto Wyss. Und er ergänzt: «Schmid ist ganz sicher kein Tierquäler. Die Kontrollkommission für umweltschonende und tierfreundliche Landwirtschaft würde uns sofort orientieren, wenn gravierende Mängel vorliegen würden.»

Trotzdem ordnete der Kantonstierarzt aufgrund der Anfrage des Thuner Tagblatts jetzt eine polizeiliche Kontrolle an. «Diese hat ergeben, dass tatsächlich wieder Mängel im minimalen Platzangebot bestanden», wie Reto Wyss sagt. Daniela Sigrist, Sprecherin der Kantonspolizei Bern, bestätigte am Dienstag auf Anfrage, dass die Kontrolle am vergangenen Freitag stattgefunden habe: «Die gemachten Feststellungen werden der zuständigen Staatsanwaltschaft rapportiert.»

Auch die Gemeinde ist aktiv

Gegen den Betrieb kursieren noch weitere Gerüchte: So soll er den Verkauf der Pferde grösstenteils ohne Deklarierungen und Verträge tätigen, um steueramtliche Verfolgungen zu vermeiden. So soll der Betreiber Inserate unter seinem Privatnamen in der «Tierwelt» und anderen Medien publizieren, um so den Handel am Fiskus vorbei zu tätigen. Ausserdem würden die Angestellten auf dem Hof ohne jegliche Lohnabrechnung, AHV und Steuerabgaben – also schwarz – arbeiten.

So lauten die Vorwürfe in einem Schreiben an die Gemeinde, welches der Redaktion des Thuner Tagblatts vorliegt. Frutigens Gemeinderatspräsident Rudolf Egger kennt die Probleme um das Pferdezentrum: «Bezüglich Tierhaltung haben wir das kantonale Veterinäramt schon wiederholt auf gewisse Missstände aufmerksam gemacht. Wenn wir wie in diesem Fall von steuerlichen Verfehlungen vernehmen, sind wir verpflichtet, diesen über die Steuer- und Finanzverwaltung nachzugehen. Dies wird jetzt geschehen.» (Berner Oberländer)

Erstellt: 01.02.2012, 09:30 Uhr

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