«Trotz seinen Erfolgen ist er ein bescheidener Bergler geblieben»
Von Susanna Michel. Aktualisiert am 26.01.2012 1 Kommentar
Er war ein Kämpfer, der ungern locker liess, einer, der stets das nächste Projekt bereits mindestens im Kopf hatte. Doch den Kampf mit seiner Krankheit hat er verloren, das nächste Vorhaben kann der Oberländer nicht mehr anpacken. «Trotz positivem Krankheitsverlauf ist unser lieber Christen Baumann für uns alle unerwartet verstorben», teilt seine Familie in der Todesanzeige mit.
Spuren von Grindelwald...
Die Karriere des Oberländers, der 1946 in Grindelwald zur Welt kam, begann als Maschineningenieur, Projektingenieur und Einkaufschef. Seine Arbeit führte ihn bis nach Schweden und Ägypten, bevor er 1994 als Direktor der Bergbahnen Grindelwald-First AG für fünf Jahre nach Grindelwald zurückkam. Unter seiner Leitung wurde diese Bergbahn betrieblich saniert, ihre Ergebnisse verbesserten sich markant. Als der Direktor seinen Job antrat, schrieb das Unternehmen über eine Million Franken Verlust. Als er ging, resultierte ein Jahresgewinn von rund einer halben Million Franken.
In dieser Funktion fiel denn auch der Pioniergeist von Christen Baumann auf. Setzte er sich doch vehement für die Erschliessung des Rosenhorns ein, um dort ein Gletscherskigebiet zu ermöglichen. Diese Idee scheiterte unter anderem an der Finanzierung und am Widerstand der Naturschutzorganisationen.
...über Scuol...
So wechselte der Berner Oberländer 1999 seinen Arbeitsplatz und war drei Jahre lang in Graubünden Direktor der Bergbahnen Motta Nalus in Scuol. In dieser Zeit gelang es ihm, das Unternehmen, das einen Verlust von einer Million Franken hatte, in die Gewinnzone zu führen und wie die Bergbahnen Grindelwald-First AG unter den Top 25 der Schweiz zu platzieren.
...nach Zermatt
Diese Erfolge waren es auch, welche die Zermatt Bergbahnen AG im Jahr 2002 veranlasste, Christen Baumann aus über 50 Bewerbern auszuwählen, damit er als CEO des eben fusionierten Unternehmens erfolgreich wirken konnte. Auch das ist dem gebürtigen Grindelwalder gelungen: Zu seiner Pensionierung Ende 2010 erklärte der Verwaltungsrat der Zermatt Bergbahnen AG, Hans Peter Julen, im Geschäftsbericht, Christen Baumann verlasse das Unternehmen «nach neun sehr erfolgreichen Jahren». Gelungen sei ihm unter anderem die operative Zusammenführung von vier Unternehmen zu einem. Unter Baumanns Leitung wurden unter anderem Investitionen von über 300 Millionen Franken getätigt, 115 Baugesuche eingereicht, 12 neue Bergbahnanlagen, unzählige Kilometer Leitungen für die Beschneiung sowie ein Restaurant gebaut. «Ohne seine klare Haltung, seine Gabe, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, und sein Fingerspitzengefühl beim Umgang mit den Mitarbeitern, wäre die Zermatt Bergbahnen AG heute nicht das Vorzeigeunternehmen in der Schweizer Seilbahnlandschaft», würdigte Hans Peter Julen das Wirken von Christen Baumann, der sich neben seiner Arbeit als CEO auch in Seilbahnverbänden engagiert hatte.
Die Erinnerung bleibt
Die langjährige Mitarbeiterin von Baumann, Fernanda Switalla, erklärt: «Christen Baumann war immer der Erste, der kam, und der Letzte, der ging. Trotz seiner Erfolge ist er der bescheidene Bergler geblieben. Er hat seinen Kaffee immer selber gemacht und auch selber die Telefonanrufe entgegengenommen.» Ihr ehemaliger Chef werde ihr als ein sehr korrekter, sozialer und lieber Mensch in Erinnerung bleiben. «Er kam nicht umsonst aus Grindelwald. Er hatte einen harten Grind, aber auch einen trockenen Humor», sagt Fernanda Switalla mit einem leisen Lächeln. Er habe immer bereits das nächste Projekt im Kopf gehabt.
Das war auch so, nachdem der Vater von drei erwachsenen Söhnen mit seiner Frau ins Oberland zurückkehrte und in Oberhofen Wohnsitz nahm. Mit seinem Wissen wollte er dem nächsten Unternehmen helfen, das in Not war, und der Bergbahnen Meiringen-Hasliberg AG (BMH) als Berater zur Seite stehen. Christian Ghelma, Investor der BMH, fasst zusammen: «Christen Baumann wird uns allen sehr fehlen.» (Berner Oberländer)
Erstellt: 26.01.2012, 08:29 Uhr
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1 Kommentar
Visionäre wie Christen erleiden immer dasselbe Schicksal in Grindelwald. In der Regel werden sie mit Schimpf und Schande aus dem Tal gejagt, wenig später sind sie andernorts die grossen "Macher". Aber in Grindelwald vergönnt man einander bekanntlich noch das Sterben - heute noch... Antworten
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