Touristin kommt auf Sommerrodelbahn ums Leben
Aktualisiert am 20.07.2010 3 Kommentare
Rasant: Eine Fahrt mit der Heimwehfluh-Rodelbahn.
Heimwehfluh bis Interlaken
Sommerrodelbahnen brauchen eine Bewilligung
Sommerrodelbahnen brauchen eine Bewilligung. Dies sagten Heinz W. Mathys, Präsident der Schweizerischen Kommission für Unfallverhütung auf Schneesportanlagen, und Roman Weissen vom Verband Seilbahnen Schweiz am Montag auf Anfrage. Dazu müssten die Anlagen die geltenden Sicherheitsbestimmungen einhalten.
Laut Mathys müssen die Rodel unter anderem mit einem Rückhaltesystem, sprich Gurten, ausgerüstet sein, damit die Passagiere nicht hinausfallen können. Auf der Heimwehfluh sind Zweipunktgurten im Einsatz, wie ein Foto auf der Homepage der Anlage zeigt.
«Wenn die Gurten richtig angelegt werden, kann niemand rausfallen», sagte Mathys.
Die Betreiber sind laut Mathys verpflichtet, die Passagiere über die richtige und sichere Benutzung der Anlage aufzuklären. Vor Beginn der Fahrt müsse zudem kontrolliert werden, ob die Fahrer richtig angegurtet seien. Um bei einem internationalen Publikum Sprachbarrieren zu überwinden, seien Piktogramme mit den nötigen Instruktionen nützlich.
Auch die Rodler trügen ihren Teil der Verantwortung, sagte Mathys. Sie müssten sich strikt an die Benützungsvorschriften und die Weisungen des Personals halten. Dazu gehörten die Rücksichtnahme auf andere Rodler, die Kontrolle der Geschwindigkeit sowie genügend Abstand zum vorderen Rodel.
Zum konkreten Fall Heimwehfluh könnten sie sich nicht äussern, dazu müssten die Untersuchungen von Polizei und Untersuchungsrichter abgewartet werden, erklärten sowohl Mathys wie auch Weissen.
In der Schweiz sind zwei Typen von Rodelbahnen gebräuchlich: schienengeführte Anlagen und solche, wo sich die Schlitten in einer Rinne bewegen, ähnlich einem Bobkanal. Die Anlage auf der Heimwehfluh ist schienengeführt.
Kurz vor 13 Uhr hatte die Frau auf der Heimwehfluh, einem Aussichtsberg bei Interlaken, den Rodel bestiegen und fuhr damit zu Tal, wie das Untersuchungsrichteramt Berner Oberland und die Kantonspolizei Bern mitteilten.
Ein nachfolgender Rodler bemerkte plötzlich vor sich einen leeren Rodel, den er vor sich zur Talstation schob. Angestellte der Rodelbahn wurden sofort aufmerksam und machten sich auf die Suche. Sie fanden die schwer verletzte Frau neben der Bahn liegend in einem Gebüsch an einem steilen Hang.
Die Bahnangestellten begannen mit der Reanimation der Verunfallten. Schliesslich wurde die Frau mit dem Helikopter aus dem abschüssigen Gelände geborgen und ins Spital geflogen. Dort starb sie wenig später. Zur Betreuung der Angehörigen wurde ein Care-Team beigezogen.
Nicht aus Rodel geschleudert
David Tschanz, Geschäftsführer der Heimwehfluhbahn, präzisierte gegenüber dem Berner Oberländer: «Die Touristin ist offenbar mitten auf der Strecke ausgestiegen, weil sie Angst hatte, und wollte durch den Wald zu Fuss weitergehen. Dabei muss sie im steilen und sehr unwegsamen Gelände schwer verunfallt sein.» Denn die Polizei habe bisher keine Mängel an der Bahn oder der Bedienung der Anlage festgestellt.
«Die Frau war angegurtet und wurde ziemlich weit weg von der Bahn gefunden, nichts deutet darauf hin, dass sie aus dem Rodel geschleudert wurde», sagt David Tschanz.
Der Geschäftsführer der Bahn erklärt weiter, dass jeder Rodel eine selbsttätige Bremse habe, die Passagiere also jederzeit abbremsen könnten. Der betroffene Rodel sei zudem anschliessend zu Probefahrten benutzt worden und habe dabei einwandfrei funktioniert. Die genaue Unfallursache wird gemäss Kantonspolizei noch ermittelt.
Die Rodelbahn war mehrmals in die Schlagzeilen geraten: Der «Beobachter» prangerte vor zwei Jahren den mangelnden Sicherheitsstandard der Bahn an.
Zahlreiche Sommerrodelbahnen
Die Heimwehfluh ist mit einer Drahtseilbahn erschlossen. Bei der Bergstation befinden sich ein Restaurant und verschiedene Spiel- und Freizeitmöglichkeiten, darunter auch die Sommerrodelbahn. Sie ist nach Angaben auf dem Tourismusportal myswitzerland.ch rund 650 Meter lang und führt mit einer Höhendifferenz von 90 Metern durch den Rugenwald hinunter ins Tal.
In den letzten Jahren haben verschiedene Tourismusdestinationen in der Schweiz Sommerrodelbahnen realisiert. Im Berner Oberland gibt es gegen ein halbes Dutzend.
Verschiedentlich Rodelunfälle
In der Schweiz kam es auch schon verschiedentlich zu Unfällen, so etwa im Jahr 2001 im bündnerischen Churwalden, wo eine Frau ums Leben kam.
2003 wurden zwei Touristen auf einer Bahn am Moléson im Kanton Freiburg verletzt. 2008 wurde ein Tourist in Les Diablerets im Waadtland aus einem Rodel geschleudert und ebenfalls verletzt. 2009 zogen sich zwei Kinder auf einer Anlage in Engelberg OW bei einem Auffahrunfall Blessuren zu. (js, sum/sda, BO)
Erstellt: 20.07.2010, 07:41 Uhr
Kommentar schreiben
3 Kommentare
da auf die gefährlichkeit dieser bahn öffentlich hingewiesen wurde, habe ich meinem sohn bis heute nicht erlaubt, auf dieser rodelbahn zu fahren. auf einer rodelbahn kann man nicht vorsorglich neben einem kind sein, auf dem lütschinen-delta hingegen schon..! Antworten













