Thuner Seespiele stellen die Menschen in den Mittelpunkt
Das Bühnenbild ist eine Drehbühne: So kann die «Titanic» von vorne gezeigt werden. (Bild: zvg)
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Die Seespiele
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Noch ist der lange Balken in der kalten Produktionshalle der Boss Holzbau AG in Thun in ein rotes Tuch eingehüllt und in der Mitte mit einem goldenen Band umwickelt. Doch langsam löst Stadtpräsident Raphael Lanz den Knoten. Das Band fällt zu Boden und das rote Tuch wird von Dutzenden von Helfenden entfernt. Mit dem Handbohrer dreht er ein flaches Loch in das Holz und legt die Münze hinein. Mit einem Gasbrenner erhitzt er das Brandzeichen, das Titanic-Signet zur Kiellegung, und stösst dieses in den Balken. Schliesslich hämmern die geladenen Gäste ihre angeschriebenen Plaketten in den Balken – und die symbolische Kiellegung ist vollbracht.
Dieser Akt, ähnlich einer Grundsteinlegung, von gestern Abend war der Start zum Bau der Bühnenkonstruktion für das «Titanic»-Musical. Denn: Die Thuner Seespiele feiern 2012 ihr 10-Jahr-Jubiläum und inszenieren das weltbekannte Drama, das 1997 am New Yorker Broadway uraufgeführt wurde.
Erstmals draussen gespielt
«Bei uns wird die Geschichte erstmals dort gespielt, wo sie hingehört: unter freien Himmel und ans Wasser», sagte Ueli Schmocker, Leiter Spielbetrieb. «Die Musik und die Geschichte sind wie im Originalmusical.» Die Inszenierung erhalte jedoch mit der Betonung von gewissen Figuren oder durch das Kürzen von Melodien eine eigene Note (vgl. auch Kasten rechts). «Bei uns erhalten die drei Liebespaare ein besonderes Gewicht», ergänzte er. Regisseur Max Sieber präsentierte auf der Leinwand Möglichkeiten der verschiedenen Bühnenbilder. «Am Schluss», verriet er, «projizieren wir die sinkende Titanic auf einen Wasservorhang und lassen auf dem See mit Booten nach Überlebenden suchen.»
Das 25-köpfige Profi-Orchester spielt unter anderem auch das Duett «Drei Tage» und die überlieferte Untergangsmelodie «Näher mein Gott zu dir».
15'000 von 76'000 Tickets weg
Günter Bäbler, Präsident des Titanic-Vereins Schweiz, überraschte das Publikum mit Details zur Titanic. Das Kernstück auf der Drehbühne ist der über zehn Meter hohe Schiffskörper der Titanic. Je nach Position sind die Innenräume dem Publikum zugewendet – wie Brücke, Funkraum und Heizraum – oder auf zwei hochgefahrenen Wagen entstehen die Quartiere der ersten bis dritten Klasse.
Dieses Mal steht nicht wie mit Dällenbach eine Person im Vordergrund. «Bei ‹Titanic› stellen wir die Menschen in den Mittelpunkt, und die Hauptrollen spielen das Schiff mit allen Darstellenden», betonte Manfred Fasnacht, Leiter Marketing & Verkauf. Das Ziel seien 76'000 Besucherinnen und Besucher. «Bis jetzt sind über 15'000 Tickets verkauft.» Zudem lassen die Seespiele am 14.Juli, genau 100 Jahre nach der Tragödie, die «Salonisti» in der Französischen Kirche in Bern spielen. Und vom 29.Juni bis 23.Juli findet im Wichterheergut in Oberhofen eine Titanic-Ausstellung statt.
Ab Mitte Mai wird geprobt
«Parallel zum Bühnenbau werden die Kostüme genäht, und die Darstellenden studieren ihre Rollen und das Orchester die Noten ein», ergänzte Schmocker. Mitte Mai starten die Probearbeiten in der Curlinghalle, Premiere ist am 10.Juli. «Wir freuen uns alle sehr.» Eines trübt jedoch die Vorfreude: Aus gesundheitlichen Gründen musste Verwaltungsratspräsident Andreas Stucki der Feier fernbleiben. «Er befindet sich in Behandlung», sagte Schmocker, «und hilft im Hintergrund bei den Vorbereitungen so weit mit, wie ihm möglich ist.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 10.02.2012, 09:03 Uhr
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