Thun wird Bollywood-Stadt
Chayan Sarkar posiert vor der Thuner Aare: Der in Australien lebende indische Filmproduzent möchte hier eine Bollywood-Festival realisieren. (Bild: Patric Spahni)
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Wie ein kleines Winterwunderland liegt Thun unter einer dichten, weissen Schneedecke. Chayan Sarkar ist begeistert – auch wenn die Kälte ungewohnt ist, und Schnee und Matsch auf den Gehsteigen Mühe bereiten. «Ich habe noch nie soviel Schnee gesehen», sagt der in Australien lebende Inder lachend. Thun ist nicht zu klein und nicht zu gross, Thun hat Berge, Seen, wundervolle Aussichten, in der Region werden immer wieder Bollywood-Filme gedreht – und genau darum ist Thun für Chayan Sarkar die ideale Stadt für seine Idee eines Bollywood-Filmfestivals. Jetzt, vor Ort, erzählt der Filmproduzent mit Leidenschaft und Herzblut von seiner Idee. Er ist überzeugt: «Thun hat das Potenzial für ein solches Projekt! Für mich ist es der ideale Standort.» Klar könne man das Festival auch in Zürich oder Basel auf die Beine stellen – «aber das wäre nicht dasselbe».
Awards für beste Filme
Chayan Sarkar produziert mit seiner in Australien angesiedelten und dort von der Regierung des Staates New South Wales mit dem «National Multicultural Marketing Award» ausgezeichneten Firma Bollywood Dreams Filme und organisiert Events. Er möchte am «Thun International Indian Film Festival» sowohl indische Mainstreamfilme wie auch unabhängige Produktionen zeigen – und eine Jury soll Awards für die besten Filme vergeben. Sind Thuns drei Kinos nicht zu klein für einen solchen Anlass? «Überhaupt nicht», findet der 35-Jährige. Im Gegenteil: Er hat sich im Kino City «Tausend Ozeane» des Thuner Regisseurs Luki Frieden (siehe auch Kasten «Reaktionen») angeschaut – und findet, die hiesigen Film-Spielstätten hätten viel Charme.
«Wir sehen Chancen»
«Wir sind sehr positiv eingestellt: Ein solches Festival wäre neu, fetzig, exotisch», sagt Philippe Haeberli, Leiter der Abteilung Stadtmarketing in Thun. Deshalb habe die Stadt Chayan Sarkar eingeladen, hierherzukommen und sich die Gegebenheiten und die Infrastruktur vor Ort anzuschauen. Unter dem Vorsitz von Philipp Burkard, Leiter der Thuner Kulturabteilung, fanden letzte Woche Sitzungen mit Chayan Sarkar statt. Dieser hatte für das Festival Partner gesucht und die Stadt angefragt, ob sie den dreitägigen Event im Juni 2009 organisieren könne – und ist von der Zusammenarbeit sehr angetan. «Wir haben beschlossen, dass wir die Idee weiterverfolgen, weil wir darin Chancen sehen», führt Haeberli aus. Schliesslich sei Indien ein wachsender Zukunftsmarkt. Chayan Sarkar sieht denn auch günstige Gelegenheiten für Geschäftsbeziehungen zwischen der Schweiz und Indien: «Ist das Festival etabliert, wird es in Indien Aufmerksamkeit erregen.»
Anspruchsvolle Geldsuche
Zudem wäre das Festival ein Novum, das Bollywood-Fans aus der ganzen Schweiz und dem Ausland anziehen könnte. Klar ist aber: «Ein solches Unterfangen kostet. Und die Geldsuche ist sehr anspruchsvoll», ist sich Stadtmarketingleiter Haeberli bewusst. Deshalb betont er: «Zuerst wollen wir ein Konzept ausarbeiten: In welchem Rahmen und in welcher Grösse soll das Festival stattfinden? Welche Zusatzevents etwa in den Bereichen Musik, Tanz oder Essen soll es geben? Und was wird das Ganze kosten?» Chayan Sarkar ergänzt, dass es wichtig sei, jetzt Unterstützung zu erhalten. Ist das Festival einmal etabliert, ist er überzeugt, dass die Sponsorensuche kein Problem mehr sein wird.
Bescheiden, professionell
Bis Anfang Januar soll das Konzept stehen, bevor während rund zwei Monaten Geld und Partner gesucht werden. Philippe Haeberli weiss: «Die Zeit ist knapp.» Sollte es mit der Finanzierung Probleme geben, ist deshalb auch eine Verschiebung um ein Jahr nicht ausgeschlossen. Klar ist für Haeberli aber, dass das Festival – wenn es zustande kommt – nicht einmalig bleiben soll. «Die Idee ist, dass wir das Festival etablieren können. Wir wollen bescheiden aber professionell anfangen und dann schauen, wie es sich entwickelt.» Chayan Sarkar ist sehr zuversichtlich, dass er seine Vision verwirklichen kann. Er sagt: «Wohin das Festival steuert, hängt von den Leuten in Thun ab. Das Potenzial ist auf jeden Fall gross!»
> (Thuner Tagblatt)













