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Strom aus der Beschneiungsanlage?

Von Urs Bach. Aktualisiert am 09.02.2012 1 Kommentar

Die BKW-Tochtergesellschaft sol-E Suisse plant mit den Kleinwasserkraftwerkprojekten eine Zusammenarbeit mit den Bergbahnen Destination Gstaad. Mit den bestehenden Leitungen der Beschneiungsanlagen entstehen Voraussetzungen für Pumpspeicherwerke.

Der Chalberhönibach bei der neuen Brücke – im vorgesehenen Fassungsbereich des geplanten Kraftwerks.

Der Chalberhönibach bei der neuen Brücke – im vorgesehenen Fassungsbereich des geplanten Kraftwerks.
Bild: Urs Bach

Behördenvertreter und zahlreiche Interessierte folgten der Einladung durch die Gemeinde und der Projektfirma und erhielten im Landhaus-Saal Einblick in den Projektstand der vier im Saanenland geplanten Kleinwasserkraftwerke. Für das Projekt Lauenen wurde das Konzessions- und Baugesuch am 8.November 2011 bereits eingereicht (wir berichteten). Eine Orientierung zum Projekt Turbach folgt nächsten Montag, 13. Februar, und zum Projekt Meielsgrund zu einem späteren Zeitpunkt.

Zahlreiche Bedingungen müssen aber erfüllt sein, damit ein Kleinwasserkraftwerk realisiert werden kann. Dazu gehören vor allem ein genügend grosser Bach mit einem technisch geeigneten Standort für Fassung und Turbine, eine bewilligungsfähige Raumplanung, die Wirtschaftlichkeit, die Erfüllung von Auflagen (Restwassermenge, Wald- und Naturschutz) und nicht zuletzt die Akzeptanz in der Bevölkerung. So orientierten die Vertreter der BKW-Tochter sol-E Suisse die Öffentlichkeit, vorab der Geschäftsführer Franz Bürgi, gefolgt von Christian Hauswirth, einem gebürtigen Lauener.

Das Kraftwerk Chalberhöni

Im Bereich der Brücke unterhalb vom Göüch soll im Chalberhönibach eine Wasserfassung gebaut werden, ein sogenannter «Coanda-Rechen». Dazu erklärte Christian Hauswirth: «Das ist wie eine Röstiraffel, durch die das Wasser sickert. Steine oder auch Fische werden darüber weggespült.» Von da an soll eine rund 2,7 Kilometer lange Druckleitung bis zur Pumpstation der Beschneiungsanlage der Bergbahnen (BDG AG) im Rübeldorf gebaut werden. Dort komme die Kraftwerkzentrale zu stehen. Somit wird das Nutzwasser nicht mehr in den Chalberhönibach zurückgegeben. Die Jahresleistung von 3,6 Millionen kW entspreche dem Verbrauch von 960 Haushaltungen (Daten siehe Kasten).

Für das Kleinwasserkraftwerk Chalberhöni werden mit Investitionskosten von rund 5,5 Millionen Franken gerechnet. Die Eigentümer seien schriftlich orientiert worden. Die Projektplanung sieht vor, im Juni 2012 das Vorprojekt einzureichen und eine Konzessionsdauer von 40 Jahren zu beantragen. Die Inbetriebnahme ist für 2014 geplant.

Beschneiung integrieren

Bisher ist das ein Projekt wie andere auch. Neu ist, dass die bestehenden Leitungen der Beschneiung integriert werden sollen. Elektrische Energie kann nicht direkt, jedoch in Form von nutzbarem Wasser wirtschaftlich gespeichert werden. Dazu wird Wasser bei überschüssigem Strom in ein höher gelegenes Speicherbecken gepumpt. Zur Stromproduktion kann das Wasser wieder auf die Turbine zurückgeleitet werden. Im Saanenland würden sich die vorhandenen Druckleitungen der Beschneiungsanlagen für eine solche Pumpspeicherung eignen.

Während auf dem Hornberg bereits ein Becken vorhanden sei, plane man nun auf dem Hinteren Eggli ein neues. Abklärungen hätten ergeben, dass die dortige Armeeanlage vom Verteidigungsdepartement (VBS) nicht mehr benötigt würde. So könnte praktisch ein unterirdischer Speicher entstehen. Damit würde während der relativ kurzen Zeit im Spätherbst Wasser für die Beschneiung der Skipisten und während der übrigen Zeit für die Erzeugung von Elektrizität zur Verfügung stehen. Für dieses Vorhaben sei die Machbarkeit mit Grundeigentümern und dem VBS in Abklärung.

Unterschiedliche Reaktion

Ob denn die Pumpen für die Beschneiung im Verhältnis der Kleinwasserkraftwerke nicht viel zu gross seien, wollte ein Besucher des Informationsabends wissen. Dies stehe im Verhältnis zur kurzen Zeit der Beschneiung und der langen Zeit der Stromproduktion. Daher ergebe sich die Wirtschaftlichkeit der Anlage, entgegnete der Sprecher der Projektfirma. Ein Anwohner des Chalberhönibaches wies auf die geringe Wassermenge des Baches hin. Die langjährige, durchschnittliche Wassermenge sei gross genug, um das Kraftwerk während rund 290 Tagen betreiben zu können, war die Antwort. Bethli Küng, Grossrätin, Saanen, zeigte sich erfreut über die mögliche Synergie, also die gemeinsame Nutzung. «Ein praktisch nicht sichtbares Speicherbecken ist geradezu ideal, ohne dabei die Landschaft zu beeinträchtigen», meinte sie am Schluss des Orientierungsabends.

> (Berner Oberländer)

Erstellt: 09.02.2012, 08:23 Uhr

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1 Kommentar

thür anton

09.02.2012, 10:11 Uhr
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und wieder ein kkw projekt wo vermutlich die natur geschädifgt wird - die fische (einhemische bachforelle, schweizweit gefährdet) werden vermutlich aufgrund des zuwenigen restwassers (siehe z.b. fildrich im diemtigtal) nachhaltig geschädigt oder verschwinden. für ein projekt dass sich wohl nie rechnet (siehe auch diskussion in der lenk betreffend färmelbach), aber massiv kostet - der natur. Antworten



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