Stadt bezahlte 30'000 Franken an das Sonderheft über Thun
Sie referierten an der Vernissage (von links): Raphael Lanz, Ariane Widmer, Marianne Dumermuth und Axel Simon. (Bild: Wassilissa Burger)
Am Mittwoch fand die Vernissage zum Sonderheft Thun statt
Die Architekturzeitschrift «Hochparterre» wurde 1988 von Benedikt Loderer, einem Thuner Architekten, gegründet. In der neusten Ausgabe, die vorgestern an der Vernissage präsentiert und am 22.Februar für 18 Franken am Kiosk und in Buchhandlungen erhältlich sein wird, findet sozusagen zu ihren Wurzeln zurück. Denn: Als Beilage in der Ausgabe erscheint ein Sonderheft ausschliesslich über Thun.
An der Vernissage in der Konzepthalle 6 im Selve-Areal wurde dieses vorgestellt. Nach der Begrüssung durch Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) referierte die Architektin und Stadtplanerin Ariane Widmer über Städtebau und Qualitätssicherung. Sie ist in Lausanne als Projektleiterin Lausanne-Ouest tätig, wo sie die Architektur koordiniert und plant. Dank ihrer Planung gewann Lausanne 2011 den Wakker-Preis des Schweizer Heimatschutzes. In ihrem Referat unterstrich Ariane Widmer die Notwendigkeit einer solchen Planung für die nachhaltige Qualitätssicherung. Dabei lege sie grossen Wert auf Zusammenarbeit: «Alle Beteiligten müssen miteinander reden.» Sie rät, diese an einen Tisch zu holen und gemeinsame Interessen herauszuschälen. «Nur so kann Qualität entstehen.»
Auch im Sonderheft über Thun stellt die Städtebauplanung in einem Artikel ein Schwerpunktthema dar. Darin wird die Planung kritisch betrachtet. Bis 2002 gab es nämlich einen Stadtarchitekten, der die Architektur – wie Ariane Widmer in Lausanne-Ouest – koordinierte. Mit der Verwaltungsreform 2002 verschwand dieses Amt. In der letzten Zeit wurden jedoch vermehrt Stimmen laut, die einen solchen Koordinator wieder einstellen wollen, allen voran das Architekturforum Thun.
Auch die Vorsteherin der Direktion Stadtentwicklung, Gemeinderätin Marianne Dumermuth (SP), sprach an der Vernissage über Thuns Architektur und erzählte unter anderem von den Veränderungen, die sie seit der Kindheit mitverfolgt. «Auch ich lege im Hinblick auf die Qualitätssicherung Wert auf eine frühe Zusammenarbeit aller Beteiligten», betonte sie. Sie durfte von Axel Simon, dem Zuständigen für Konzept und Redaktion der neusten «Hochparterre»-Ausgabe, das Sonderheft über Thun entgegennehmen.
Die Architekturzeitschrift zeigt auf der Frontseite kein Stadt-, sondern ein Naturbild mit Stockhorn, und titelt: «Thuns Taten – Planen und Bauen an der Postkartenidylle.» Inhaltlich bietet das Sonderheft mehrere Schwerpunktthemen wie die Bedeutung des Wassers, Verkehrsprobleme und den geplanten Bypass Thun-Nord, Thun als Militärstadt und vieles mehr. Ein künstlerisches Element stellt der Essay des soeben im Oberland ausgezeichneten Schriftstellers Lukas Bärfuss dar.
Es ist für Thun unbestrittenerweise ein Erfolg, in der renommierten Architekturzeitschrift «Hochparterre» zu erscheinen, welche am Mittwoch an einer Vernissage vorgestellt wurde (vgl. Infobox). Die Stadt beteiligte sich am Sonderheft mit 30'000 Franken. Was erhoffte sich Thun davon? Die Idee für das Sonderheft über Thun kam vonseiten des «Hochparterre»-Teams. Zuerst landete die Anfrage auf dem Schreibtisch von Guntram Knauer, damals Leiter Planungsamt. «Das war vor zwei oder drei Jahren», erinnert er sich.
Da Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) erst seit 2011 im Gemeinderat ist, möchte er sich nicht konkret zu dieser Beteiligung äussern: «Die Entscheidung wurde vor meiner Zeit gefällt», begründete er seine Haltung.
Biel zahlte 38000 Franken
Knauer erläutert jedoch, dass zur Zeit des Entscheids Thun in Städteratings oft auf den hintersten Plätzen landete. «Das lag an den hohen Steuern», erklärt er. Mit dem Sonderheft wollte damals der Gemeinderat Thun wieder in ein positiveres Licht rücken. Die Stadt ist übrigens nicht die einzige Stadt, die das «Hochparterre» mitfinanzierte: Biel zum Beispiel beteiligte sich mit 38'000 Franken für das eigene Sonderheft. Nicht nur die Stadt Thun, sondern auch zehn Private unterstützten das nun präsentierte Sonderheft finanziell. Diese kommen nun ebenfalls darin vor. «Ich organisierte Informationsmaterial wie etwa eine Liste mit Wettbewerben und Kontakten in Thun. Das ‹Hochparterre›-Team hat sich wohl darin Sponsoren gesucht, da es auf solche angewiesen ist», sagt Knauer und betont: «Die Sponsoren haben sich nicht einen Beitrag im Heft erkauft, sondern das Heft als solches unterstützt.» Der gesamte Beitrag sei beachtlich: «Inklusive Produktion und Druck kostete das Sonderheft ungefähr 110'000 Franken.» (Thuner Tagblatt)
Erstellt: 03.02.2012, 08:41 Uhr
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