Spitzenkoch Urs Wandeler wechselt auf andere Seeseite
Einer der besten Köche des Oberlands wird Leiter Gastronomie im Tropenhaus Frutigen: Urs Wandeler, bis im Juni noch Küchenchef und Geschäftsführer im Hotel-Restaurant Schönbühl in Hilterfingen, tritt die neue Stelle am 1.Juli an. Dies bestätigte er gestern auf Anfrage. «Ich freue mich, bald Teil eines sehr speziellen Projektes zu sein», sagt Wandeler. Der gebürtige Spiezer ist kein Unbekannter: In den letzten vierzehn Jahren hat er in den Küchen von renommierten Betrieben wie dem Victoria-Jungfrau Grand Hotel & Spa, dem Thuner Restaurant Arts im Schloss und in den letzten acht Jahren im Schönbühl den Kochlöffel geschwungen. In Hilterfingen arbeitet er mit Verena Schubert, 2004 übernahmen sie die Geschäftsleitung und machten aus dem historischen Haus mit Restauration und Hotelbetrieb eine gefragte Adresse für Gourmetliebhaber. Stolze 14 «Gault Millau»-Punkte erkochte sich Wandeler zuletzt. Dass er und Schubert eine neue berufliche Herausforderung suchten, ist bekannt. «Am 20.April werden wir unsere Nachfolger bekannt geben», sagt Urs Wandeler.
Mit dem Wechsel nach Frutigen gibt Wandeler den Kochlöffel zumindest vorläufig ab. «Ich werde Teil der Geschäftsleitung sein und mich mehr auf die konzeptionelle Arbeit konzentrieren», sagt der Spitzenkoch. Seine Arbeit werde sein, Chefkoch Marco Hächler eine Plattform für seine Arbeit zu schaffen. Die Restauration des Tropenhauses mit zwei Restaurants sei noch im Aufbau, und darin sehe er eine Herausforderung. «Die Arbeit mit tropischen Früchten, dem Stör und Kaviar interessiert mich sehr.» Ob er das Kochen nicht vermissen werde? «Das hoffe ich doch sehr, alles andere wäre komisch», sagt Wandeler und lacht.
Wolhusen braucht Millionen
Hauptinvestor und strategischer Partner von Urs Wandelers neuem Arbeitgeber ist der Grossverteiler Coop. Dies gilt sowohl für das Tropenhaus Frutigen wie auch für jenes im luzernischen Wolhusen. Die beiden Projekte passen nach eigenen Angaben perfekt zum Umweltengagement des Unternehmens. Die nachhaltige Energienutzung am Lötschberg und im luzernischen Hinterland sind konkrete Umsetzungsbeispiele, denn der Grossverteiler setzt auf biologische und ökologische Landwirtschaft, auf den sparsamen Umgang mit Energie sowie auf die Erhaltung stark bedrohter Fischbestände.
So positiv sieht es derzeit in einem der beiden Betriebe jedoch nicht mehr aus: Wie kürzlich bekannt wurde, verzichtet Coop in Wolhusen auf die Rückzahlung von rund zehn Millionen Franken an Darlehen, kauft Aktien auf und wird so die Mehrheit erlangen. Grund für das starke Engagement beim vor zwei Jahren eröffneten Tropenhaus Wolhusen ist das Verfehlen des Businessplans: Das Besucheraufkommen lag unter den Erwartungen. Die Aktionäre sollen nun auf 98 Prozent des Aktienkapitals verzichten – bis 2014, so das Ziel von Coop, soll Wolhusen jedoch wieder schwarze Zahlen schreiben.
Guter Kaviar bringt Umsatz
Wie steht es um das Tropenhaus Frutigen? «Die Geschäftszahlen 2011 können wir vor der Generalversammlung am 14.Mai nicht kommentieren», sagt Sabine Vulic, Mediensprecherin von Coop Schweiz. Frutigen habe im Gegensatz zu Wolhusen eine grosse Aquakultur, welche mit der Produktion von Störfleisch und Kaviar zusätzliche Umsätze ermögliche. Sie ergänzt: «Demgegenüber stehen aber auch höhere Investitionskosten. Der Kaviarverkauf soll in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Gesamtrechnung des Tropenhauses Frutigen leisten.»
Da die Kaviarproduktion aber soeben erst angelaufen sei, könne noch nicht abgeschätzt werden, ob die im Businessplan geschätzten Absatzmengen und -preise erreicht werden könnten. «Wir sind diesbezüglich jedoch optimistisch, da der erste Kaviar von guter Qualität war und trotz schwieriger wirtschaftlicher Lage gute Preise erzielte», sagt die Mediensprecherin.
Das Tropenhaus Frutigen hat rund 240 Aktionäre. Die Beteiligung von Coop (anfänglich bei 40 Prozent) liegt gemäss Angaben von Sabine Vulic seit der Kapitalerhöhung im vergangenen Juli bei 69 Prozent.
Zufrieden mit Besucherzahlen
Im Tropenhaus Frutigen ist man zufrieden mit den Besucherzahlen: «2011 hatten wir 94946 Eintritte», sagt Beate Makowsky, Leiterin Marketing und Verkauf des Frutiger Tropenhauses. Im ersten Betriebsjahr hatte man 115740 Besucher. «Für das laufende Betriebsjahr peilen wir wieder die 100'000er-Marke an.» (Thuner Tagblatt)
Erstellt: 17.02.2012, 08:18 Uhr
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