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Spitalplanung in der Region: «Die Situation ist verfahren»

Von Sarah McGrath-Fogal/rog . Aktualisiert am 11.02.2010

Die Spitalplanung der STS AG in der Region Simmental-Saanenland ist seit über zwei Jahren verfahren. Auch die Berner Regierung sieht es so: Dies teilt sie nach einem Gespräch mit einer Delegation im Obersimmental mit.

Transparent vor dem Spital Zweisimmen: Mitglieder der IG Spitalgruppe Simmental-Saanenland bereiten sich auf den Besuch dreier Berner Regierungsratsmitglieder vor.

Markus Hubacher

Nun sind wieder 3 aktuell

«Es ist so, auch der allererste Spitalstandort in Saanenmöser wird wieder diskutiert.» Dies bestätigte gestern Gemeindepräsident Aldo Kropf auf Anfrage. Grund ist die Bevölkerung von Saanenmöser. Sie kritisiert den Saaner Gemeinderat, er habe unzählige Fachstellen in das Auswahlverfahren für einen Spitalstandort in der Bäuert einbezogen, nicht aber das Dorf. Die Mehrheit der Saanenmösner ist gemäss dem «Anzeiger von Saanen» gegen einen Spitalstandort mitten im Dorf. Man erachte das Terrain «Umbehri» nahe der Talstation der Saanerslochbahn als das richtige. Deshalb überprüft der Saaner Gemeinderat seinen ersten Entscheid. Dieser war, die Bedingung «Tausch von Landwirtschaftsland gegen die Alp Gfell» von Christian von Siebenthal nicht zu akzeptieren. Denn das Volk wolle die Alpen in Gemeindebesitz nicht verkaufen. «Die Alp gegen Land für ein Spital», könnte eventuell doch im Allgemeininteresse sein, mutmasst Kropf nun.

«Ich bin nach wie vor zum Tausch bereit», bekräftigte gestern Nachmittag der Landeigentümer. Auch für die beiden Pächter sähe er eine Lösung. Zeige ihm die Behörde eine andere plausible Lösung für die Erschliessung , «können wir auch über die von mir verlangte Brücke reden», so von Siebenthal.

Gemeindepräsident Aldo Kropf zum weiteren Vorgehen: «Wir werden den Spitalstandort Saanenmöser möglichst rasch als Gesamtpaket vor die Gemeinde bringen.» Eine ausserordentliche Gemeindeversammlung vor Juni sei möglich.

STS AG begrüsst Dialog

Der Verwaltungsrat Spital STS AG hat vom Gespräch zwischen der Regierungsdelegation und Vertretern der Region Simmental in Sachen Spitalversorgung «Kenntnis genommen». Die Spital STS AG begrüsse den offenen Dialog und die Absicht, für die Region die bestmögliche Lösung anzustreben, schreibt die AG in einer gestrigen Medienmitteilung. Vorentscheide in Sachen Spitalversorgung wurden bei der ersten Gesprächsrunde keine getroffen, wichtig sei der Spital STS AG jedoch, dass vor allem der politische Dialog mit allen Beteiligten fortgesetzt werde, damit die Planung gemäss kantonalen Vorgaben zielgerichtet vorangetrieben werden könne. Dass bis 2012 ein Bauprojekt erarbeitet werden müsse, darin seien sich alle Parteien einig. «Ziel ist es, nun Einigkeit in der Region für den Standort Saanenmöser zu erzielen», schreibt die STS AG weiter. Nach monatelangen, aufwendigen, umfassenden und wirtschaftlich abgestützten Prüfungen stehe fest, dass unabhängig von Grundstücksfragen nur ein Standort Zukunft habe – sowohl für die Einwohnerinnen und Einwohner des Einzugsgebiets als auch für die Feriengäste und Tagestouristen. «Ein nur halb ausgelastetes Spital hat in der heutigen Zeit keine Überlebenschance mehr und sichert auch keine Arbeitsplätze. Der Entscheid über die künftige Spitalversorgung liegt so in der Hand der Region», so die STS AG. Der Verwaltungsrat unterstütze, dass nun unter der Federführung des Kantons nach einer politischen Lösung gesucht werde.

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Sie reisten ins Obersimmental, um sich die Sorgen der Bevölkerung anzuhören. Am Dienstagabend trafen die drei Regierungsräte Hans-Jürg Käser, Philippe Perrenoud und Barbara Egger-Jenzer im Beinhaus Zweisimmen auf eine Delegation Simmentaler. Mit dabei waren unter anderen Grossrat Hans-Jörg Pfister, Thomas Knutti, Präsident der IG Spitalgruppe Simmental-Saanenland und Vertreter der Gruppierung Starke Wirtschaft Simmental (SWS).

Die drei Berner Räte waren der Einladung von Grossrat Pfister gefolgt, welcher in einem Brief an den Regierungsrat des Kantons Bern die Sorgen der Simmentaler Bevölkerung über die Politik des Kantons zum Ausdruck gebracht hatte. Der Dialog fand unter Ausschluss der Medien statt. Gestern jedoch informierte der Regierungsrat über das Gespräch mit einer Medienmitteilung.

Verfahrene SituationSo drehte sich nach Angaben der Regierung ein grosser Teil der offenen Aussprache rund um die Frage der Spitalversorgung in der Region. Beide Seiten betonten gemäss Angaben des Kantons, dass vor 2012 ein Bauprojekt erarbeitet werden müsse. Die Delegation des Regierungsrates versicherte den Vertretern im Simmental, dass sie «rasch möglichst und mit hoher Priorität auch das Gespräch mit den Verantwortlichen aus dem Saanenland sowie dem Verwaltungsrat der STS AG führen werde. Regierungspräsident Hans-Jürg Käser führte auf Anfrage aus: «Aufgrund der heute verfahrenen Situation ist aus Sicht der Regierungsdelegation eine Lösung nur möglich, wenn sich alle Betroffenen mit Unterstützung der Regierung gemeinsam an einen Tisch setzen, um die Versorgungs- und Standortfrage offen zu diskutieren.»

Dialog ohne Versprechen Die Aussprache habe dazu gedient, im Dialog die Probleme zu identifizieren und nach möglichen Lösungen zu suchen, sagte Regierungspräsident Käser. Auf Wunsch der Vertreter des Simmentals wurden nebst der geplanten Spitalschliessung in Zweisimmen, dem dringenden Ausbau der Simmentalstrasse sowie dem geplanten Verkauf des Schlosses Blankenburg und dessen Nutzung als Zeremonie- und Traulokal diskutiert. Bis auf die Zukunft des Schlosses kam es aber gemäss Angaben von Hans-Jörg Pfister gestern zu keinen konkreten Versprechen. Unter der Voraussetzung, dass eine vom Kanton unabhängige Trägerschaft für das Bewirtschaften des historischen Gebäudes gefunden wird, kann das Schloss gemäss Angaben des Kantons allenfalls künftig als Zeremonienlokal ausserhalb der Zivilstandsämter dienen. Die IG Schloss Blankenburg will das Schloss für eine Million Franken kaufen und eine Stiftung gründen (wir haben berichtet). «Damit haben wir schon eine gewisse Zusicherung, dass wir das Schloss kaufen können», freut sich Hans-Jörg Pfister.

Kämpfen für die Zukunft Trotz wenig «Konkretem» ist der Zweisimmer Grossrat mit dem Verlauf des Gesprächs zufrieden: «Uns ist klar, dass die drei Räte nicht im Alleingang handeln oder Versprechen abgeben können. Dies liegt nicht in ihrer Kompetenz. Wir fühlen uns aber ernst genommen. Es ist uns wichtig, dass der Regierungsrat unsere Anliegen im Wortlaut zu hören bekam.»

Der Austausch sei sehr wertvoll gewesen, führte Pfister an und der Regierungsrat habe durchblicken lassen, dass man in Bern die Probleme des Simmentals durchaus wahrnehme. Der Zweisimmer Politiker sagt: «Das Simmental als wirtschaftlicher Raum wurde in den letzten Jahren extrem geschwächt. Wir haben keine öffentlichen Ämter mehr. Ich will aber, dass meine Kinder und Grosskinder in diesem Tal wirtschaftlich überleben können.» Darum sei er auch heute noch bereit, dafür zu kämpfen.

Wie geht es nun weiter?Passend zum Inhalt der Gespräche wurden die drei Regierungsräte am Dienstag mit verschiedenen farbigen Bannern entlang der Simmentalstrasse willkommen geheissen (siehe auch Ausgabe von gestern). Auf einem Banner vor dem Spital Zweisimmen stand beispielsweise «Kein Akutspital in Zweisimmen=Verarmung Simmental», auf einem anderen «Wir Simmentaler haben auch Rechte».

«Wir treffen in der möglichst gleichen Zusammensetzung die STS AG und die Behörden im Saanenland», sagt Hans-Jürg Käser zum weiteren Vorgehen (siehe Kasten rechts). Die dortigen Gemeinden hätten dasselbe Recht wie das Simmental. «Das ist so», bekräftigt Aldo Kropf im Namen der drei Gemeinden Gsteig, Lauenen und Saanen die Aussage Käsers. Als bekannt worden sei, dass der Regierungsrat in die Region komme, hätten die Saaner Gemeinden brieflich mitgeteilt, dass sie von der Schliessung der Traulokale, der Laubegg-Strecke und dem Spitalstandort genau so betroffen seien und angehört werden möchten. Dies sei nun demnächst der Fall.

(Berner Oberländer)

Erstellt: 11.02.2010, 09:45 Uhr

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