Kanton Bern

Sommaruga fordert bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Kanton BernSP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat sich im Rahmen der 1.-Mai-Feierlichkeiten in Bern für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgesprochen. Frauen verdienten gleiche Chancen im Beruf, Männer in der Familie, forderte die Magistratin.

Simonetta Sommaruga bei ihrer Ansprache auf dem Bundesplatz.

Simonetta Sommaruga bei ihrer Ansprache auf dem Bundesplatz. Bild: Keystone

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In der Schweiz mangle es ja nicht an Arbeit, stellte die Berner SP-Bundesrätin fest. Jährlich hole die Wirtschaft zehntausende Menschen in die Schweiz. Gleichzeitig seien sehr viele gut ausgebildete Schweizerinnen nicht berufstätig.

Es gehe ihr keinesfalls darum, ausländische Arbeitskräfte gegen Frauen auszuspielen, betonte die Magistratin. «Aber indem wir die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern, steuern wir auch die Zuwanderung».

Dieser Zusammenhang sei bisher zu wenig erkannt worden. Diese Form der Steuerung erscheine ihr auch viel klüger als das, was die Schweiz derzeit praktiziere: «Wir kurbeln die Zuwanderung an mit unserer Steuer- und Standortpolitik, und dann beklagen wir die unerwünschten Folgen der Zuwanderung».

«Soziales Klima leidet»

Sommarugas Rede auf dem Bundesplatz verfolgten schätzungsweise 2000 Personen. Vor ihrem Auftritt nahmen schätzungsweise 1000 Personen am traditionellen Umzug der Gewerkschaften durch die Innenstadt teil. Mit von der Partie waren auch Autonome Gruppierungen. Umzug und Feier auf dem Bundesplatz verliefen friedlich.

Die Grüne Nationalrätin Franziska Teuscher kritisierte an der Berner Feier, dass alles teurer werde, «doch nur in den obersten Etagen steigen die Löhne massiv». Die Schweiz drifte auf diese Weise auseinander, das soziale Klima leide unter der sich immer weiter öffnenden Lohnschere.

Der 1. Mai als Plattform

Den 1. Mai als Plattform, um auf soziale Missstände aufmerksam zu machen, brauche es mehr denn je, zeigte sich SP-Nationalrat Matthias Aebischer an der Feier in Zollikofen überzeugt. Der ehemalige Fernsehmann wies darauf hin, dass an diesem Tag Inhalte zur Sprache kämen, die sonst oft untergingen.

Es sei schon erstaunlich, dass der Lachanfall von Alt-Bundesrat Hansrudolf Merz auf Youtube 4 Millionen Mal heruntergeladen wurde, während der Bericht über die immer weiter auseinander klaffende Lohnschere in den letzten Tagen ein vergleichweise bescheidenes Echo in der Presse gefunden habe, sagte Aebischer.

Dabei habe eben dieser Alt-Bundesrat Merz mit seiner Unternehmenssteuerreform II dafür gesorgt, dass die Reichen weiter geschont würden. Das müsse rückgängig gemacht werden.

Lohnschere überall als Thema

SP-Ständerat Hans Stöckli kam in Zollikofen auf die Lohnschere zu sprechen. Die hohen Einkommen nähmen weiterhin überproportional zu. Hier müsse man Gegensteuer geben.

An der Veranstaltung in Biel kritisierte SP-Nationalrat und Gewerkschafter Corrado Pardini eine Aussage von Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt, wonach nicht jeder Lohn existenzsichernd sein müsse. Tieflohnempfänger habe Vogt empfohlen Sozialhilfe zu beziehen.

Rytz: «Gier ist Gift für das Land»

An der 1. Maifeier in Thun nahm die Nationalrätin, Stadtberner Gemeinderätin und Co-Präsidentin der Grünen Schweiz, Regula Rytz, den neuen «Geldadel» der Schweiz in die Zange. Diese abgehobene Schicht schaue nur für sich selber. Doch «Gier ist Gift für unser Land», mahnte Rytz. Gier reisse tiefe Gräben in der Gesellschaft auf und gefährde den Zusammenhalt, sagte Rytz laut Redetext.

Der Seeländer SP-Nationalrat Corrado Pardini geisselte in Biel eine Aussage von Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt, wonach nicht jeder Lohn existenzsichernd sein könne.Vogt habe den Arbeitnehmenden mit tiefen Löhnen nahe gelegt, doch um Sozialhilfe zu bitten. Doch: «Wir bitten und betteln um gar nichts. Eure Schweiz, die Schweiz der Patrons, ist nicht unsere Schweiz», rief Pardini der Menge laut Redetext zu.

Wer seine Aktionärsdividenden über Tiefstlöhne und Sozialhilfe finanziere, begehe Sozialbetrug, betonte der SP-Politiker und Gewerkschafter. Ein Prozent der Schweizer besitze mehr als die übrigen 99 Prozent der Bevölkerung, rief Pardini der versammelten Menge in Erinnerung. Jetzt sei der Moment gekommen, «die Umverteilung wieder umzudrehen, vom Kopf auf die Füsse, von oben nach unten».

«Für alle statt für wenige»

Die Zürcher Nationalrätin und SP-Vizepräsidentin Jacqueline Fehr thematisierte in Lengnau den Slogan ihrer Partei «für alle statt für wenige».

Die Lohnschere sei in den letzten Jahren immer weiter aufgegangen und die Steuerpolitik bevorzuge Reiche, sagte Fehr laut Redetext. «Wir machen heute Politik, weil wir eine Schweiz des Miteinanders wollen», betonte Fehr.

Forderungen an die Nationalbank

SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen trat unter anderem in Burgdorf ans Rednerpult. Sie sei wütend über die Entlassung von 1300 Mitarbeitenden der Merck-Serono in Genf von letzter Woche, sagte Kiener Nellen laut Redtext.

Der starke Schweizer Franken sei eine Bedrohung für den Industrieplatz Schweiz, sagte Kiener Nellen. Er sei das Resultat der Spekulationen auf den Finanzmärkten. «Wir müssen verhindern, dass der Franken in unserem Land ein Industriesterben auslöst und weitere Arbeitsplätze ausgelagert werden».

Die SP-Nationalrätin forderte von der Nationalbank, dringend die Untergrenze Euro/Franken zu erhöhen auf 1.30, später auf 1.40.

(dln/sda)

Erstellt: 01.05.2012, 20:27 Uhr

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