Region

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Blogs
  • Forum

Skirennsport hautnah – dank Seilkamera und Drohne

Von Jasmin Megert. Aktualisiert am 11.01.2013

Mit Kameradrohne und Seilkamera stehen die Jungunternehmen Dedicam aus Meiringen und 3-Element-Pictures aus Frutigen für das Schweizer Radio und Fernsehen im Einsatz.

1/4 Neue Perspektive der Hängebrücke Hohstalden: Sie wurde bei einer Testfahrt mit der Seilkamera der Frutiger Gebrüder Josi eingefangen.
Bild: zvg

   

Schwindelerregendes Video

Artikel zum Thema

TV-Zuschauer ist hautnah am Geschehen

Die Meiringer Firma Dedicam liefert an den Lauberhornrennen erneut actiongeladene Bilder per Flugdrohne.

Bereits an den letztjährigen Lauberhornrennen überraschte das Schweizer Radio und Fernsehen mit neuartigen Filmaufnahmen: Eine Kameradrohne verfolgte die Skirennfahrer über den Hundschopf. Der Meiringer Dedicam-Geschäftsmitinhaber Dionys Frei erklärt sich den Erfolg so: «Die Zuschauer zu Hause verfolgen die Bewegungen des Fahrers mit, so werden die Geschwindigkeit und die Dynamik sichtbar.» Die Piloten von Dedicam sind schwierigere Flüge als am Hundschopf gewohnt. Die Herausforderung liegt vielmehr im hohen Stromverbrauch der Batterie, die für die Liveübertragung der Bilder von der Drohne zur Bodenstation benötigt wird. Nach vier Fahrern muss die Batterie gewechselt werden. «Bei einer TV-Liveübertragung ist das schwierig und delikat», sagt Günter Kaiser, technischer Projektleiter von TPC, der Produktionsfirma des Schweizer Fernsehens. Nach dem Höhenflug am Hundschopf startet die Drohne am sonntäglichen Slalom im Tiefflug direkt hinter den Fahrern, nur zwei Meter über der Torstange.

Auch abseits der Piste drehen die Sportfilmer aus Meiringen erfolgreich Werbe- und Imagefilme. Im letzten Sommer hat Dedicam, als Höhepunkt 2012, eine Mammutexpedition ins Karakorum-Gebirge in Pakistan begleitet. Die Piloten Dionys Frei, Davide Tiraboschi und Remo Masina filmten Alpinist David Lama per Drohne bei der Besteigung des Trango-Towers auf 6251 Metern. Mit den Drohnenflügen in dieser Höhe gelangen einzigartige Luftaufnahmen, mit welchen Dedicam Geschichte in der alpinen Bild- und Filmindustrie schrieb.jm

«Auf das Zusammenspiel und das Feingefühl kommt es an», sagt Benjamin Josi. Während Thomas Josi mit aufgesetzter Brille und Steuerung in der Hand bereits in Position ist, hantiert der ältere der Brüder noch an der Kameraaufhängung herum. Thomas lässt seinen Blick über die Schlucht zur Hängebrücke Hohstalden ob Frutigen schweifen. Die einheimischen Brüder haben in mühsamer Arbeit ein rotes Schlepplift-Einzugsseil in fünf bis zehn Meter Abstand zur Hängebrücke gespannt. 38 Meter tiefer fliesst die Engstlige lieblich dahin, von schneeweissen Auen umrandet. Alpine Winterszenerie – etwas fürs Auge. Und für die Seilkamera der Josis. Sie üben bei der Brücke ihren Einsatz für den Skiweltcup vom Wochenende in Adelboden.

Modellbau in Eigenarbeit für aussergewöhnliche Bilder

Der Blick ins versteckte Innenleben der Konstruktion lässt jeden Technikbanausen verzweifeln, die Freaks werden erheitert sein. Fast alle Teile der Seilkamera wurden selbst entworfen, hergestellt und zusammengebaut. Als gelernter Schlosser hat Benjamin Josi die Aluminiumteile, die den Grossteil des Materials ausmachen, selbst angefertigt. Räder, Motor und Elektroteile verwenden sie aus dem Modellbau. Um eine gute Bildübertragung und Bildqualität zu gewährleisten, ist eine semiprofessionelle Videokamera unabdingbar. «Der Bildstabilisator ist für uns die wichtigste Kamerafunktion», sagt Thomas Josi, «damit können Verwacklungen während der Fahrt ausgebessert werden.»

Das Material der aktuellen Seilkamera, welche die Josis auf ihrer Trainingsfahrt über die Engstlige schwirren lassen, hat einen Wert von 2500 Franken. Ungezählt sind die Stunden, die sie in ihre Film- und Bastelleidenschaft gesteckt haben. Unbezahlbar und zugleich Ansporn ist die Erfahrung. «Wir wollen unsere Technik ständig verbessern. Schön wäre es, von den Filmaufträgen leben zu können. Jedes Projekt ist anders, das ist das Spannende», sagt Benjamin Josi. Vorerst bedienen sie ihre «Cablecam» als fortgeschrittene Hobbyfilmer für unterschiedlichste Klienten und als Training – wie hier am Hohstalden.

Für die professionelle Bedienung sind zwei Fernsteuerungen notwendig. Benjamin steuert die Kamerafahrt auf dem Seil, während Thomas die Kamera bedient. Horizontal lässt sich die Kamera um 360 Grad drehen, vertikal ist eine Schwenkung von 90 Grad möglich. Über WLAN erhält er die Kamerabilder direkt auf seine Brille – die Hängebrücke Hohstalden ist auf dieser deutlich erkennbar. Die Brüder sind ein eingeschworenes Team, verstehen sich mit wenigen Worten. Bereits in der Kindheit haben sie gemeinsam an ferngesteuerten Autos gebastelt, dann kamen sie zum Filmen. Die Seilkamera haben sie nun seit sechs Jahren, mit ihr haben sie vor allem Downhill-Bike-Szenen aufgenommen. Später kam dann die Flugdrohne hinzu. Der Adelbodner Fotograf Stefan Klopfenstein wurde auf die Drohnenaufnahmen der Josis aufmerksam und schlug eine Zusammenarbeit für Postkartenmotive vor. So entstand ein gemeinsames Angebot: 3-Element-Pictures kann für Foto- und Filmaufträge mit Flugdrohne und Seilkamera gebucht werden.

Schweizer Fernsehen testet Seilkamera in Adelboden

TPC, die Produktionsfirma des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF), buchte 3-Element-Pictures für zwei Aufnahmen am Weltcup in Adelboden. Für die Josi-Brüder eine Chance, sich zu beweisen. An der Startnummernauslosung und der Rangverkündigung auf dem Märitplatz jagen sie den Skistars ihre Seilkamera hinterher. Sie fahren mit ihr auf einer eigenen Tyrolienne parallel zu den Fahrern, welche per Drahtseilfahrt über die Zuschauer auf die Tribüne sausen. Das Seilhangeln der Stars ist mittlerweile eine Adelbodner Tradition und wird vom Sender SRF2 am Samstag um 19 Uhr live übertragen. «Die Aufnahmen in Adelboden geben uns die Möglichkeit zu sehen, wie handlich und einsetzbar die Seilkamera ist», sagt Günter Kaiser, technischer Produktionsleiter von TPC.

Eine Woche später steht dann an den 83.Internationalen Lauberhornrennen in Wengen eine andere Kameratechnik «made» in Berner Oberland im Einsatz: Die bereits bei der Abfahrt 2012 eingesetzte Kameradrohne der Meiringer Firma Dedicam (siehe Kasten). SRF-Regisseur Beni Giger findet beide Kameratechniken «interessant, denn sie liefern neue, spannende Perspektiven». (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.01.2013, 11:20 Uhr

0

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.
Noch keine Kommentare

Populär auf Facebook Privatsphäre

Umfrage

Benutzen Sie eine Anti-Faltencreme?



Immobilien

Marktplatz

@BernerZeitung auf Twitter