Region

Schwarze Zahlen trotz Ertragsrückgang

Das Geschäftsjahr von Gstaad Saanenland Tourismus schliesst mit einem Gewinn von 713 Franken knapp positiv. Dies trotz Ertragsrückgängen und höherer Kosten. An der Hauptversammlung war die Zukunft ein Thema.

Tourismusdirektor Roger Seifritz blickt optimistisch in die Zukunft von Gstaad Saanenland Tourismus.

Ruth Oehrli

Stichworte

Leitplanken zur künftigen Entwicklung

Gstaad Saanenland Tourismus brachte an der Hauptversammlung seine überarbeiteten strategischen Leitlinien zur Abstimmung. Rund siebzig Leute aus Gremien wie Gemeinderäten, Dorfvorständen, Hotelierverein, Gewerbeverein und Landwirtschaftsverbänden waren mit einbezogen worden. Gstaad ist wirtschaftlich stark und als Ferienregion international klar profiliert. Das alpine Leben ist echt, die Natur intakt, der Tourismus basiert auf einem tragfähigen Fundament. «Dieses zeigt jedoch Risse», sagte Tourismusdirektor Roger Seifritz. Der viel diskutierte Ausverkauf der Heimat und die abnehmende touristische Identität der Einwohner wertete er als ebenso ungünstige Einflussfaktoren wie den schwindenden Gemeinschaftssinn. Auf dem Weg zu einem neuen Regionsvertrag wurden vier Kernfelder identifiziert: Marktanforderungen, touristische Bettenstruktur, Nachhaltigkeit der Destination sowie Sicherung der Tourismusbasis.

Seifritz betonte: «Bei den elf Leitsätzen zur künftigen Entwicklung der Tourismusdestination handelt es sich um Leitplanken, nicht um ein detailliertes Handlungsprogramm.» GST will die Destination Gstaad weiter in Richtung Qualitäts- und Genusstourismus entwickeln. Leitmotiv ist dabei der Gstaader Claim «Come up, slow down». Man strebt danach, dem Gast einen Aufenthalt zu bieten, der seinen Erwartungen von Genuss, Erlebnis, Sicherheit und Qualität entspricht. GST will die Destination dabei kontinuierlich weiter in Richtung Ganzjahrestourismus entwickeln, indem sich die Mitarbeitenden dafür einsetzen, die touristischen Angebote ausserhalb der klassischen Ferienzeiten zu aktivieren. Neu wurden folgende Sätze aufgenommen: GST setzt sich dafür ein, dass im Bereich Schneesport das Nachfragepotenzial in den Zielmärkten noch besser genutzt wird. Die natürlichen Werte und Traditionen der Region sollen gepflegt und noch stärker touristisch genutzt werden. GST will in der Region zusätzliche bewirtschaftete Gästebetten ansiedeln (Hotels und hotelähnliche Betriebe). Lebendige Dörfer, in denen Einheimische leben und eine Bandbreite von Geschäften besteht, sollen bewahrt werden. Ressourcen in der Region sollen nachhaltig genutzt und die Privatschulen in der Region erhalten werden. pd

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Trotz Rückgang der Erträge und höherer Kosten schliesst Gstaad Saanenland Tourismus (GST) das Geschäftsjahr 2008/2009 mit einer schwarzen Null ab. Die Vorjahresergebnisse, die sich auf einem Rekordniveau bewegt hatten, konnten nicht erreicht werden. Dafür hat die Tourismusorganisation ihre Leistungen weiter ausgebaut und sich intensiv mit der Zukunft der Ferienregion beschäftigt. Die teils neuen strategischen Leitlinien wurden an der Hauptversammlung im Saal des Hotels Landhaus Saanen genehmigt.

Bei einem Umsatz von rund 10,8 Millionen Franken weist die GST-Erfolgsrechnung einen Reingewinn von 713 Franken aus. «Wir arbeiteten also knapp kostendeckend», stellte Roger Seifritz fest. Den Auslastungsrückgang bei den Übernachtungen von 3,5 Prozent spürt die Tourismusorganisation in Form von sinkenden Kurtaxenerträgen. Der lange und schneereiche Winter 2008/2009 drückte das Ergebnis zusätzlich durch ungewöhnlich hohe Kosten beim Unterhalt der Loipen und Winterwanderwege.

Tagestourismus als Stütze

Zwischen den Beherbergungskategorien stellte GST eine leichte Verschiebung fest: Während die Hotels insgesamt 6,1 Prozent weniger Übernachtungen zählten, blieben die Zahlen bei den Ferienwohnungen mit einem Minus von 1,6 Prozent nahezu stabil. Der Tagestourismus erwies sich als Stütze. Die Bergbahnen von Gstaad Mountain Rides steigerten ihre Betriebsumsätze um 3,6 Prozent.

Strategische Planung

Im Geschäftsjahr 2008/2009 beschäftigten zwei Kernthemen die Gstaader Touristiker: Einerseits war dies die strategische Entwicklung der Tourismusregion, die in Zukunftsworkshops intensiv erarbeitet und an der Hauptversammlung beschlossen wurden. Andererseits bildete die nachhaltige Tourismusfinanzierung im Kanton Bern ein Schwerpunktthema, in das sich GST aktiv einbrachte. «Die Chancen stehen jetzt so gut wie noch nie, dass wir im Kanton Bern eine Lösung finden, die uns auf ein wettbewerbsfähiges Niveau im Vergleich zu anderen vom Tourismus geprägten Kantonen hebt», meinte Roger Seifritz.

Auf der operativen Ebene war die Entwicklung und Umsetzung eines Informations- und Wissensmanagements von zentraler Bedeutung. «Wir haben massiv daran gearbeitet, dass GST als Drehscheibe für Informationen noch besser funktioniert, und konnten unsere Qualität in dem Bereich klar steigern», sagte der Tourismusdirektor.

Dynamische Web-Präsenz

Intensiviert wurden die Bereiche Webmarketing und Werbung. Die im Dezember 2008 lancierte neue Homepage zeigte Wirkung: Die Verweildauer verlängerte sich pro Besucher um durchschnittlich 33,3 Prozent. GST stieg zudem in die Welt der Social Networks mit Facebook, Twitter oder Blog ein und wandelte somit seinen bislang überwiegend statischen Internetauftritt in eine dynamische und interaktive Webpräsenz.

GST optimierte im Berichtszeitraum aber auch die touristische Infrastruktur. So wurde das Netz der Winterwanderwege erweitert und eine neue Maschine zu deren Pflege angeschafft. «Die Gäste wissen dies zu schätzen. Wir verzeichneten im vergangenen Jahr sehr viele positive Rückmeldungen», bilanzierte Roger Seifritz.

Vorstand bestätigt

Auf ihren Positionen wurden die Vorstandsmitglieder Eric Oehrli (Gstaad) und Christoph Ringier (Schönried) sowie Vizepräsident Andrea Scherz für eine weitere Amtsperiode von drei Jahren bestätigt. Vorstandsmitglied Michael Kneubühler (Gstaad) gab sein Amt aus beruflichen und familiären Gründen auf. Auf eine Ersatzwahl wurde verzichtet, da die Zahl der Vorstandsmitglieder den statutarischen Vorgaben auch nach Kneubühlers Ausscheiden noch entspricht. Ebenfalls für drei weitere Jahre wurde Hansueli Hauswirth (Lauenen) als Mitglied der Geschäftsprüfungskommission bestätigt. (Berner Oberländer)

Erstellt: 18.03.2010, 08:35 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.


Region

Populär auf Facebook Privatsphäre

TT Abo

BO Abo