Sauerkraut schmeckt vielen nicht mehr
Von Annatina Foppa. Aktualisiert am 19.10.2011 5 Kommentare
Chabis-Imachete
Samstag, 22.10., 9 bis 16 Uhr.
Mit Festwirtschaft und Musik.
Bei der Thurnen Sauerkraut AG, Mühlethurnen.
Seit 20 Jahren ist Jürg Trachsel, Geschäftsführer der Thurnen Sauerkraut AG, vom gegorenen Kraut umgeben. Dass es im Firmengebäude immer leicht säuerlich dampft, wird ihm manchmal zu viel. Doch das gekochte Fixfertigsauerkraut war für den Mühlethurner Betrieb und seine sechs Festangestellten ein wirtschaftlicher Erfolg. Als letzter grösserer Kabisverarbeitungsbetrieb hat die Fabrik im ehemaligen «Chabisland» Gürbetal überlebt.
Bei den Jungen unbeliebt
«Es liegt am Image. Sauerkraut scheint nicht modern zu sein», erklärt Geschäftsführer Trachsel die stagnierende Nachfrage. Vielen sei Surchabis einfach zu sauer. Dass sie schon früh eine mildere Sorte auf den Markt brachte, habe die Firma wohl gerettet. Vorübergehend. Trachsel setzt auf der Suche nach neuen Konsumenten auf die Jungen: «Die sind noch nicht vorbelastet». Führt Trachsel Schulklassen durch die Fabrik, macht er die Jugendlichen stets auf die einfache Produktion aufmerksam. «Ein paar Elektromotoren, und schon hat sichs», so Trachsel stolz. Tatsächlich sind es wenige Schritte vom Kohlkopf bis zum Sauerkraut.
1700 Tonnen Kabisköpfe
28 Bauernfamilien bringen von August bis November rund 1700 Tonnen Industriekabis nach Mühlethurnen. Ein Förderband hievt die bis zu 8 Kilo schweren Köpfe in die Fabrik. Dort entfernt eine Maschine den Strunk und die zähen Aussenblätter. «Wir werden heute etwa 45 Tonnen Kabis verarbeiten», sagt die Landwirtin Ruth Scheidegger, die sich mit anderen Gemüseproduzenten zur Chabis-Imachete zusammengeschlossen hat.
Die entstrunkten Kabisköpfe werden maschinell gehäckselt und mit Salz bestreut. Durch einen Trichter fällt das Kraut in den unteren Stock in breite Wannen, sogenannte Standen. Mario Burren schichtet es mit einer Heugabel um. «Die Gärung setzt spontan ein, ohne Zusatzstoffe», führt Trachsel einen weiteren ökologischen Pluspunkt auf. Die Standen, wo das Kraut 15 bis 30 Tage unter Wassersäcken lagert, sind die gleichen wie bei der Fabrikeröffnung 1917.
Nach der Lagerung folgt der Gang durch die Abpackmaschine. Gerade füllt diese grüne «Migros Classic»-Beutel mit Thurner Sauerkraut. Mühlethurnen ist laut «Migros-Magazin» die wichtigste Sauerkrautlieferantin der Migros. Trotzdem sucht man den Namen auf der Verpackung vergeblich. Stattdessen steht dort «www.schöni.ch». 2007 hat das Unternehmen Schöni Finefood die Gürbetaler Firma aufgekauft. Durch diese «gute Zusammenarbeit», wie Trachsel es nennt, seien die Umsätze nach Jahren endlich wieder leicht gestiegen. Etwa 2,5 Millionen Franken setzt die Fabrik jährlich um.
Kosmetische Innovation
Die innovativen Produkte, die den jungen Markt gewinnen sollen, fehlen in Mühlethurnen. Das Sortiment besteht aus simpel abgepacktem Sauerkraut, roh oder gekocht. Nur der «Sarma», ein Kabis nach Balkanart, sticht aus der Reihe; Trachsel kam durch seine ausländischen Mitarbeitenden auf die Idee. Sonst fehlt ihm wegen Vorschriften oder hoher Kosten der Spielraum: «Wir dürfen beispielsweise keine Fleischwaren verarbeiten.» Ohnehin will Trachsel Sauerkraut und Fleisch entkoppeln und mit frischen Rezeptideen junge Leute ansprechen, die sich vermehrt vegetarisch ernähren. Vielleicht richtet es ja die neue Verpackung, die in zwei Monaten eingeführt wird: Statt einer bieder lächelnden Kleinfamilie ziert ein stattliches Berner Bauernhaus die Beutel. Der unausgesprochene Slogan: Aus Liebe zu Bern.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 19.10.2011, 07:34 Uhr
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5 Kommentare
Vieleicht würde wieder mehr Sauerkraut verkauft wenn die Qualität dieses Produktes konstanter wäre.Das Sauerkraut, welches die Grossverteiler verkaufen Schwankt von versalzen, über sehr sauer, nach sehr gut, bis hin zu fad und abgestanden.In Grossproduktionen sollte es doch möglich immer möglichst die gleichen Werte zu erzielenb! Antworten

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