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Regierungstatthalterwahlen: Walter Dietrich oder Fritz Suter?

Von Susanna Michel, Fabian von Allmen. Aktualisiert am 01.05.2009

Im Amtsbezirk Interlaken-Oberhasli stehen sich bei der Wahl zum Regierungsstatthalter mit Walter Dietrich und Fritz Suter zwei gegensätzliche Kandidaten gegenüber: Der eine ist der Bisherige, der andere besitzt Cabarets.

Schloss Interlaken, Regierungsstatthalteramt: Am 17. Mai 
wird klar sein, wer dort einzieht.

Susanna Michel

Walter Dietrich (links), Fritz Suter

Walter Dietrich (links), Fritz Suter (Bild: Wenger / Urfer)

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Walter Dietrich ist seit 21 Jahren der Regierungsstatthalter des Amtsbezirks Interlaken. Nun möchte er der erste Statthalter sein, der nach der Bezirksreform auch für das Oberhasli zuständig ist. Der 58-Jährige kandidiert für die SVP, wird aber auch von FDP, EDU, EVP und BDP unterstützt.

Ein Inserat im Amtsanzeiger macht deutlich, dass Walter Dietrich auch von den Gemeindepräsidenten des Bödelis, Urs Graf (SP), Andres Grossniklaus (SVP) und Simon Margot (SP) Schützenhilfe erhält. Die teilen mit: «Wir unterstützen Walter Dietrich, weil er sich mit aller Kraft für unsere Region einsetzt, weil er integer und erfahren ist und weil er sein Amt engagiert und kompetent ausübt.» Diese Anzeige hat den Kandidaten überrascht: «Ich wusste nichts davon, aber natürlich freut mich das sehr.»

Sportler und Präsident

Auf seinem Prospekt, der den Wahlunterlagen beiliegt, ist vermerkt, dass der bisherige Statthalter auch von allen Grossräten sowie Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten des Bezirks unterstützt wird.

Walter Dietrich wurde unlängst für Verfahrensfehler rund um den Erstwohnungsanteil (EWAP) Grindelwald gerügt. Dazu erklärt er: «Jedes Urteil gibt mir neue Erkenntnisse, die ich bei späteren Entscheiden berücksichtigen kann.» Er weist aber darauf hin, dass zu den 238 Baubewilligungen, die im vergangenen Jahr über sein Tisch gingen, 17 Entscheide gefällt werden mussten, fünf von ihnen wurden angefochten, davon wurde von der Baudirektion ein Entscheid bemängelt.

Der amtierende Regierungsstatthalter hat die Lehre als kaufmännischer Angestellter gemacht, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. In seiner Freizeit treibt er gerne Sport, unter anderem ist er den Engadiner Skimarathon bereits 17 Mal gelaufen. Dass ihm das auch in diesem Jahr gelang, freut ihn besonders, wurde bei ihm doch vor einem Jahr Prostatakrebs diagnostiziert. Heute sagt er erleichtert: «Ich bin gesund.» Der Därliger ist einer von drei OK-Präsidenten des Eidgenössischen Jodlerfestes Interlaken 2010 und Präsident des Trägervereins Jungfraumarathon.

Wahlplakate verwüstet

Walter Dietrichs Herausforderer ist der Parteilose Fritz Suter. Seine Kandidatur gefällt nicht allen: Fritz Suters Wahlplakate wurden wiederholt mit Flugblättern überklebt, auf denen der Kandidat verleumdet und bedroht wird. Auf den aus religiösen Kreisen stammenden Flugblättern – eines liegt der Redaktion vor – stehen Sätze wie: «Suter Fritz, du Hurer und Zuhälter», oder «Wenn du nicht selbst aufhörst mit deinem Gespött, dann wird Gott dich abräumen.» Fritz Suter hat Anzeige erstattet und mit dem Täter gesprochen: Dieser hatte seine Telefonnummer auf den Pamphleten vermerkt.

Cabaret-Inhaber oder Unternehmer?

Der gelernte Zimmermann und Vater zweier Kinder ist Inhaber des Cabaret Club Elegance in Interlaken, einem Nachtlokal mit Striptease und Hotelzimmern, der Elegance Immobilien GmbH sowie des Hotels Waldrand und Restaurant Löwen. Fritz Suter präzisiert: «Ich arbeite als Unternehmer und besitze Liegenschaften. Dass ich im Sexgewerbe tätig sei, ist schlicht falsch. Ich vermiete und verpachte Liegenschaften und Betriebe – mehr ist da nicht.» Fritz Suter stand schon mehrmals vor Gericht, beteuert aber: «Vor den oberen Instanzen habe ich immer Recht erhalten, nur bei Fällen von Arbeiten ohne Arbeitsbewilligung kann mir ein Lapsus vorgehalten werden.» Er wurde in diesem Fall durch das Bundesgericht wegen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über den Aufenthalt und die Niederlassung von Ausländern verurteilt. Frauen hatten sich in Hotelzimmern, die ihm gehören, prostituiert. Suter erklärte jedoch wiederholt: «Was Gäste in ihren Zimmern machen, geht mich nichts an.» Zu Gerüchten um laufende Betreibungen äussert er sich wie folgt: «Wenn unberechtigte Geldforderungen eingehen, so ist es mein Recht, die Zahlung zu verweigern und durch die Justiz beurteilen zu lassen.»

Fritz Suter bezeichnet sich als unbefangen, da «ich weder in einem Verein, noch in einer Organisation, und nur in meinem Geschäft tätig bin.» Und: «Mein Beruf ist auch mein Hobby.» (Berner Oberländer)

Erstellt: 01.05.2009, 16:48 Uhr

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