Rama und Lüthi schiessen Thun ins Glück
Von Alexander Wäfler. Aktualisiert am 22.07.2011 1 Kommentar
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Thun - Vllaznia Shkoder 2:1 (0:1)
Arena Thun. - 7193 Zuschauer (Gratiseintritt). - SR Ferreira (Por). - Tore: 14. Sukaj 0:1. 89. Rama 1:1. 93. Lüthi 2:1.
Thun: Da Costa; Reinmann (61. Lüthi), Matic, Schindelholz, Schneider; Bättig, Demiri; Christian Schneuwly (27. Andrist), Lezcano, Wittwer (70. Rama); Lustrinelli.
Bemerkungen: Thun ohne Trainer Challandes (gesperrt, auf der Tribüne). 93. Gelb-rote Karte gegen Rajovic (Foul), Verwarnungen: 34. Rajovic. 37. Popovic (beide wegen Fouls). 59. Alenchewu. 87. Lustrinelli (beide wegen Unsportlichkeit).
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Im Europa-League-Qualifikationsspiel zwischen Thun und Vllaznia Shkoder lief die 93.Minute. 1:1 lautete der Spielstand zu diesem Zeitpunkt, nachdem Milaim Rama drei Minuten zuvor mit einem Schuss via Lattenunterkante die Führung der Albaner ausgeglichen hatte. Bei diesem Resultat wären die Thuner ausgeschieden. Doch noch einmal wurde es gefährlich im Vllanzia-Strafraum: Thun-Verteidger Stipe Matic warf sich mit dem Mut der Verzweiflung ins Getümmel. Zwar schlug er sich beim Zusammenprall mit dem Goalie den Kopf an, doch Matic leitete den Ball auch weiter zu seinem Teamkollegen Benjamin Lüthi, und dessen Schuss landete auf praktisch identische Weise wie zuvor jener Ramas im Tor von Vllaznia. Das Spiel war gewendet, Thun in der Europa-League-Qualifikation eine Runde weiter, und es gab kein Halten mehr. Die 7193 Zuschauer sprangen von ihren Sitzen auf, ungläubig stürmte Lüthi über den Platz, verfolgt von all den anderen Thunern mit Ausnahme Matics, der benommen im Strafraum lag. Rasch aber kehrte der Abwehrchef für die letzten Spielminuten auf den Platz zurück und konnte nach Spielende mitfeiern. «Ich kann es noch gar nicht glauben», sagte Lüthi später im Kabinengang. «Mit der Brechstange, viel Willen und viel Glück haben wir diese Partie gewonnen.» Nächsten Donnerstag geht das Thuner Europa-League-Abenteuer in Palermo weiter. Um in die Gruppenphase vorzustossen, müssen die Oberländer noch zwei weitere Runden überstehen.
Ein unerwartetes Gegentor
Die Thuner taten sich gestern viel schwerer, als ihnen lieb war. Ein frühes Tor hatte das Drehbuch vorgesehen, das sie nach dem 0:0 im Hinspiel für sich geschrieben hatten. Doch dafür agierten die Gastgeber im ersten Pflichtspiel in der trotz Gratiseintritten nicht ganz ausverkauften Arena lange viel zu unpräzis. Andreas Wittwer, Mauro Lustrinelli, Matic; sie alle scheiterten mit ihren Versuchen. Und dann geschah auch noch, womit kaum jemand gerechnet hatte. In der 14. Minute griffen die Thuner den Gegner viel zu zögerlich an. Verteidiger Nicolas Schindelholz rutschte im eigenen Strafraum genau in dem Moment aus, in dem der Ball zur Mitte kam und Vllaznia-Stürmer Xheyahir Sykaj traf zum 1:0 für die Gäste, die sich zuvor sehr harmlos präsentiert hatten. Die Albaner und ihre rund 150 Anhänger im Gästesektor konnten ihr Glück kaum fassen, und für den FC Thun wurde es nun ganz schwierig. Vllaznia, das gestern Morgen auf das Training verzichtet und dafür eine Stadtbesichtigung unternommen hatte, verteidigte den Vorsprung mit elf Spielern in der eigenen Platzhälfte und mit einigen Mätzchen. Besonders Thun-Trainer Bernard Challandes wird fast verzweifelt sein. Nach einem Kick an eine Trinkflasche im Hinspiel war er für das Rückspiel gesperrt worden. Weder vor, noch während der Partie durfte er mit seinem Team in Kontakt treten, das Coaching übernahm Assistent Pi Zürcher. Challandes selber verfolgte die Begegnung aus einer Loge.
Milaim Ramas Mitgefühl
Zürcher und Challandes hatten vor dem Anpfiff einige Szenarien durchgespielt, eines davon sah vor, im Fall eines Rückstands Rama und Lüthi einzuwechseln. «Ich wusste: Ein Treffer und wir sind wieder im Geschäft. Und so war es dann auch», sagte Zürcher.
Rama, der bei seinem Tor wohl knapp im Abseits gestanden hatte, sagte: «Solche Momente erlebt man nur im Fussball.» Dennoch freute sich der Stürmer mit albanischen Wurzeln nach dem Sieg zurückhaltend. «Für die Vllaznia-Spieler tut es mir leid. Sie haben toll gekämpft. Für mich ist das eine emotionale Sache.» Allerdings traf dies nach der aufreibenden Partie auch auf alle anderen Anwesenden in der Arena zu. (Berner Zeitung)
Erstellt: 22.07.2011, 06:09 Uhr
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