Raketentest auf Brienzersee
Feuerwerk fasziniert, von bengalischen Zündhölzern bis hin zum Riesenzuckerstock. Wer einmal die Spannung erlebt hat, wenn es gilt, eine Zündschnur zu entfachen, ist vom Virus befallen. Da können die Reden der Politiker noch so brillant sein: Der 1. August gehört den Feuerwerkern.
In Oberried herrscht deshalb gegenwärtig Hochkonjunktur. Denn die Nachfrage nach Grossfeuerwerken und Artikeln für den privaten Gebrauch ist trotz wirtschaftlich turbulenter Zeiten grösser denn je. Am Nationalfeiertag steigen von Arosa bis an den Genfersee in der ganzen Schweiz Feuerwerke «made bei Hamberger» in den Himmel. In Oberried werden die Feuerwerke komponiert, getestet und hergestellt.
Emotionen wecken
«Ein Feuerwerk lebt von Überraschungen, schafft Emotionen. Kein Programm kommt ab der Stange, jedes Jahr sollen sich die Bilder verändern und durch überraschende Effekte begeistern. Mit einem schönen Einstieg, abgeschlossenen, runden Bildern, die sich zu einem fulminanten Höhepunkt hoch über den Köpfen der Zuschauer steigern, möchten wir sie begeistern», sagt Kurt Abegglen, Geschäftsführer der Traditionsfirma in Oberried.
Neue Effekte erfinden
Seit 1863 werden hier Feuerwerkskörper und Komponenten für die Grossfeuerwerke entwickelt und hergestellt. 25 Personen arbeiten ständig in der Kunstfeuerwerk-Fabrik am Brienzersee, in der Zeit der grossen Events kommen noch rund 100 Mitarbeiter dazu, wenn es gilt, die Feuerwerke in der ganzen Schweiz aufzubauen und zu zünden.
Mit viel Erfahrung werden die Produkte nach Rezepturen zusammengestellt und kommen nach mehreren Praxisversuchen in die Produktion. Testplatz ist eine spezielle Plattform, die von einem Motorboot auf den Brienzersee geschoben wird. Hier können in sicherer Distanz zum Ufer die Feuerwerkskörper auf die Sekunde genau gezündet und in die Höhe geschickt werden.
«Dank der elektronischen Zündung sind immer neue Spezialeffekte möglich, diese gilt es aufeinander abzustimmen. Dabei spielen die genauen Zeitabläufe, die Brenndauer und die Flugbahnen der einzelnen Elemente eine wichtige Rolle», weiss Kurt Abegglen aus seiner zwanzigjährigen Tätigkeit als Geschäftsführer der Feuerwerkfabrik Hamberger. Jede Phase wird akribisch festgehalten. Sodass Korrekturen effizient durchgeführt werden können, bevor ein Feuerwerk unter grössten Sicherheitsvorkehrungen vor Tausenden von Zuschauern abgefeuert wird.
Ein Heimvorteil
In Interlaken wird sich vor einem kritischen Publikum zeigen, ob sich die Vorbereitungen gelohnt haben. Das Kunstfeuerwerk am Nationalfeiertag hat Tradition und gilt als eines der grössten in der Schweiz. Seit Jahren warten jeweils über zwanzigtausend Besucher – und es werden jedes Jahr mehr – gespannt auf das glitzernde Licht- und Feuerspektakel.
Die Oberrieder Feuerwerker haben hier Heimvorteil. Ihnen gehört für eine halbe Stunde die traditionelle Höhematte vor der Jungfrau. Vor staunenden kleinen und grossen Augen zaubern sie Jahr für Jahr ihre vergängliche Kunst mit Blitz und Donner an den Himmel und überraschen mit immer neuen Bildern und verblüffenden Effekten. Das «Aaah» und «Oooh» des Publikums ist hier so sicher wie das Amen in der Kirche. (Berner Oberländer)
Erstellt: 15.07.2010, 11:09 Uhr













