Ohne ARA würden wir tief im Dreck stecken
Tag der offenen Türe
Tag der offenen Türe in der ARA Thunersee an der Aarestrasse 62 in Uetendorf: Samstag, 21. Mai, 10-16 Uhr.
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Es ist sauber auf dem Gelände der ARA Thunersee an der Aarestrasse in Uetendorf. Sauberer, als man es in einer Anlage erwarten würde, in der jeden Tag das Abwasser von 114000 Menschen aus 38 Gemeinden, von Gewerbebetrieben und Industrieanlagen gereinigt wird. «Wegen des Events vom Samstag haben wir keine grosse Putzaktion gestartet», sagt Geschäftsführer Bruno Bangerter. «Sauberkeit gehört für eine Vorzeigeanlage, wie wir sie betreiben, zum Standard.» Genug zu tun haben Bangerter und sein 19-köpfiges Team ohnehin: Denn am Samstag öffnen sie anlässlich des Tags des Abwassers ihre Türen und zeigen, was mit der Abwasserreinigung alles zusammenhängt.
Winzige ARA-Mitarbeiter
In einem 12-Minuten-Film erfahren die Besucher, wie die Reinigung des Abwassers in Uetendorf genau vor sich geht: Dass die ARA-Leute beispielsweise jeden Tag 1,5 Tonnen Abfall aus dem Wasser filtern, der eigentlich gar nicht hätte runtergespült werden sollen. «Neben Essensresten sind es vor allem Hygieneartikel, die uns zu schaffen machen», sagt Bruno Bangerter. «Während das gewöhnliche WC-Papier zerfällt, bleiben Feuchttücher, Tampons, Binden und Wattestäbchen in unseren Rechen hängen. Diesen Abfall müssen wir zur Entsorgung in die Kehrichtverbrennungsanlage bringen.» Ebenfalls unbekannt dürfte vielen Besuchern sein, dass die ARA Thunersee bei der Feinreinigung des Wassers die Natur für sich arbeiten lässt. «Es sind Bakterien und andere Mikroorganismen, die die Schadstoffe im Wasser abbauen, welche sich als Klärschlamm absetzen», sagt Bangerter, der von Haus aus Biologe ist. «Dieser Prozess kommt auch in der Natur vor. Hier können wir den Abbauprozess mit verschiedenen Massnahmen optimieren, so dass die Bakterien ihre Arbeit möglichst effizient erledigen können.»
Ökologie und Energieeffizienz haben in der ARA Thunersee einen grossen Stellenwert. So werden etwa die Biogase, die aus dem Klärschlamm entstehen, zur Produktion von Elektrizität und Wärme genutzt. «Wir erzeugen jedes Jahr 4,2 Gigawattstunden Strom, brauchen selber aber bloss vier Giga», sagt Bangerter. «Mit der Wärme werden das Sportzentrum in Heimberg und die Schulanlage untere Au beheizt.» Auch die geplante Überbauung an der Jungfraustrasse in Uetendorf soll dereinst Fernwärme aus der ARA erhalten.
Musik: Unten und in der Höhe
Am Tag der offenen Türe sollen die Besucher nicht nur über die Abwasserreinigung informiert werden. Im Rahmen einer Werkschau erfahren die Leute, was die ARA-Angestellten jeden Tag leisten, um die Anlage in Schuss zu halten. Sie können zudem in ein leeres Klärbecken steigen und in einem 85 Meter langen unterirdischen Werkkanal einen Augenschein nehmen. In diesem Kanal wird eine spezielle Performance stattfinden. Philipp Läng von der Musikschule Region Thun und Jan Ratschko haben all die Geräusche, die bei der Abwasserreinigung entstehen, aufgenommen und werden sie mit live gespielten Tönen vermischen. Während dieses Konzerts im Untergrund stattfindet, geht ein weiteres in luftiger Höhe über die Bühne. Vom dem Dach von einem der Türme, in denen der Klärschlamm gelagert wird, werden Alphornklänge ertönen, erzeugt von den zehn Frauen der Alphorngruppe Rockzipfel.
Am Tag der offenen Tür soll den Verbrauchern auch in Erinnerung gerufen werden, dass ein Grossteil der Menschheit punkto Abwasserreinigung unter katastrophalen Bedingungen lebt. «Die meisten Leute denken dabei an Länder der dritten Welt. Doch auch in Nationen, die viel weniger weit weg sind, steht es überhaupt nicht zum Besten», weiss Bangerter. «Am Beispiel des osteuropäischen Staates Moldawien zeigen wir, wie sich die Schweiz in der Entwicklungszusammenarbeit engagiert und dass Abwasserreinigung auch mit relativ einfachen Massnahmen betrieben werden kann.» (Thuner Tagblatt)
Erstellt: 19.05.2011, 11:00 Uhr
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