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Oberländer warten auf die Heimkehr

Von Roger Probst/LK/FLG. Aktualisiert am 21.04.2010

In der ganzen Welt sitzen Oberländer fest. Sie hoffen auf eine baldige Heimkehr. Die Chancen stehen nach der teilweisen Öffnung des europäischen Luftraums besser. Doch Geduld wird in den nächsten Tagen eine wertvolle Tugend bleiben.

Kein Einfluss auf die Arbeit

«Ich habe keine Hinweise darauf, dass es wegen der Luftraumsperre im Unternehmen zu Problemen gekommen ist», sagt Werner Buchholz von der Meyer und Burger AG in Thun. In einzelnen Fällen würden zwar Mitarbeiter im Ausland festsitzen, bei den heutigen Möglichkeiten der Kommunikation sei aber die Arbeit fast überall zu erledigen. Zudem: «Sitzungen können abgesagt, Revisionen verschoben werden.» Generell kein Hindernis sei die Sperre bei der Maschinenauslieferung: Sie geschieht per Schiff.rop

Einige Extrafahrten, aber auch Absagen

Diese Zeitung hat verschiedene Carunternehmen im Oberland angefragt, ob sie wegen der aktuellen Lage Extrafahrten in die Schweiz oder von der Schweiz ins Ausland machen konnten.

«Wir haben am Freitagabend eine Extrafahrt von Belp nach München für 25 Personen gemacht», sagt Gabriela Karlen, Leiterin Marketing von STI-Reisen in Thun. Die Gruppe bestand aus Crewmitgliedern einer Flugzeuggesellschaft, deutschen Geschäftsleuten und Schweizern, die in München einen Fussballmatch besuchen wollten. Ausgefallen sei hingegen eine Fahrt von Thun zu den Beatushöhlen für 45 Personen, die wegen der aktuellen Vorkommnisse nicht in die Schweiz anreisen konnten. «Die Gruppe sollte am Wochenende im Hotel Seepark übernachten. Allgemein leidet die Hotellerie unter den weggebliebenen Gästen», sagt Gabriela Karlen. Je nach Situation wird STI-Reisen gemäss Angaben der Marketingleiterin am Wochenende von Belp nach Barcelona Fahrten durchführen. «Dies hängt aber stark davon ab, wie sich die Lage im Flugverkehr in den kommenden Tagen entwickeln wird», sagt Gabriela Karlen.

Am Montag berichtete der Geschäftsleiter der Autoverkehr Grindelwald AG, Peter Balmer, dass vier grosse Reisegruppen absagen mussten (siehe auch Ausgabe vom Montag). Das Unternehmen konnte jedoch auch wenige Extrafahrten machen. So wurden zum Beispiel zirka 20 Schweizer Touristen von Frankreich in die Schweiz zurückgefahren. Sie waren in Irland in den Ferien und fuhren bis nach Frankreich mit der Fähre, wo sie abgeholt wurden. «Ab Freitag sind zwei mehrtägige Fahrten in der Schweiz mit Gästen aus Taiwan und Japan geplant. Wir hoffen natürlich, dass sie anreisen und wir die Touren durchführen können», sagt Geschäftsleiter Peter Balmer.

Keine Extrafahrten machte die Paul Gafner Reisen GmbH in Thun. «Wir haben einen Car in Rosas, Spanien, stationiert. Unser Reisebüro vor Ort war mit Swiss in Kontakt, doch anscheinend bestand kein Interesse daran, Schweizer zurückzubringen», sagt Paul Gafner. Sein Unternehmen leide aber nicht unter fernbleibenden Gästen.

Ebenfalls im Einsatz war am Wochenende die Busfirma Bus2Alps Ltd. in Interlaken. Das Reiseunternehmen ist spezialisiert auf Reisen respektive den Transport von Studenten in ganz Europa. Gemäss aktueller Medienmitteilung half Bus2Alps mit, über 200 in München gestrandete amerikanische Studenten zurück nach Barcelona, Florenz und Rom zu bringen, wo sie studieren.sf





Die Eruptionen des Eyjafjallajökull-Vulkans auf Island halten die ganze Welt auf Trab. «Die letzten Tage waren enorm turbulent», sagt beispielsweise Alexandra von Gunten vom TUI-Reisecenter in Thun. «Wir mussten mit einer Situation umgehen, die noch nie da gewesen ist.» Delikat sei ihre Aufgabe besonders in den ersten Stunden gewesen. «Ich hatte selber wenig Informationen.» Besonders interessiert habe die Frage, wer die zusätzlichen Kosten zu übernehmen habe. «TUI zeigt sich sehr kulant. Pauschalreisende erhalten ihr Geld zurück», sagt von Gunten. Es werde aber jeder einzelne Fall betrachtet. So könne es sein, dass Gäste, die feststecken, für einen Teil der zusätzlichen Kosten aufkommen müssten. «Die Abklärungen sind am Laufen.»

Die meisten Betroffenen hätten sehr gelassen reagiert, schliesslich hätten alle gesehen, dass der Vulkanausbruch ein Fall von höherer Gewalt sei, so von Gunten. Insgesamt seien rund 50 Personen betroffen, welche ihre Ferien im TUI-Reisecenter Thun gebucht hätten. Bevorzugte Destinationen seien derzeit Mallorca, die Kanarischen Inseln oder Ägypten. «Wir haben aber auch Städtereisende oder Passagiere nach Asien und Australien, die betroffen sind», so von Gunten. Da es sich fast ausschliesslich um Reiseziele handle, die nur per Flugzeug innert nützlicher Frist zu erreichen sind, seien keine Rückkehraktionen per Bus, Bahn oder Schiff organisiert worden.

Alexandra von Gunten ist kein Fall bekannt, bei dem eine betroffene Person wegen der ungeplanten Verzögerung in Schwierigkeiten gekommen ist oder einen wichtigen Termin verpasst hat.

Warten und hoffen

Noch im Zeitplan waren gestern Nachmittag Christine und Erwin Stähli. Die Inhaber der Molkerei Amstutz in Sigriswil wollten nach zwei Wochen Ferien in Phuket (Thailand) via Singapur in die Schweiz zurückkehren. «Wir wissen noch nicht, was uns in Singapur erwartet», sagte Christine Stähli am Telefon. Das Reisebüro habe nicht mit Sicherheit sagen können, ob ihr Flug nach Zürich durchgeführt werde. «Wir nehmen es gelassen», so Stähli, «schliesslich können wir die Situation nicht ändern.» Irgendwie würden ihr Mann und sie schon wieder in der Schweiz landen. Eigentlich hätten sie morgen Donnerstag wieder im Geschäft sein wollen. Sollte es nicht klappen, sei dies aber kein Beinbruch. «Wir haben gute Mitarbeiter. Es läuft auch ohne uns», so Christine Stähli.

London–Saanen in 15 Std.

Aus den Medien hat Lisa Fäh aus Saanen erfahren, dass die Aschewolke des Eyjafjallajökull-Vulkans den europäischen Flugverkehr lahmgelegt hatte. Die Mutter-Tochter-Ferien in London hat sich die Mitarbeiterin von Gstaad Saanenland Tourismus jedoch nicht verderben lassen. «Als ich am Donnerstag davon erfuhr, machte ich mir um unseren Rückflug vom Samstag keine Sorgen», erklärt sie und ergänzt: «Wir haben jede Möglichkeit in Betracht bezogen; wir wollten nicht auf den Flug warten.» Dank der Hilfe des Hotelconcierge war es Lisa Fäh möglich, bereits für Montag zwei der begehrten Zugtickets Richtung des europäischen Festlandes zu ergattern. «Über Internet oder Telefon war eine Buchung fast nicht möglich. Alle Leitungen waren überlastet», erzählt sie. Das teure Erstklassticket – die zweite Klasse war ausgebucht – brachte die beiden Reisenden aufs Festland. Am Bahnhof erfuhr sie, dass einige Wartenden nicht vor Dienstag auf ein Ticket hoffen konnten. Nach langen 15 Stunden, mehrmaligem Umsteigen und Anschlussverpassen, erreichten Lisa und Samantha Fäh wieder Saaner Boden. «Ich bleibe eigentlich immer gelassen. Andere dagegen fuhren dann und wann die Ellenbogen aus, um einen Sitzplatz zu ergattern», sagt die Saanerin.

Auf Abruf

Ruedi Kaufmann aus Grindelwald sitzt mit einigen Kollegen in Atlanta (USA) fest. Nach einigen Tagen Heliskiing in Kanada wollte er am vergangenen Freitag von Calgary in die Schweiz fliegen. Der Flug wurde aber gestrichen. «Wir versuchten, über Atlanta nach Europa zu fliegen, aber am Montagmorgen hatte das Bazl den Flugraum noch nicht geöffnet, deshalb fiel auch der Anschlussflug aus.» Der nächste sichere Flugtermin ist am Freitag, bis dahin steht Kaufmann auf Abruf bereit – falls doch irgendwo Platz frei wird.

Die Sonne am Geniessen

Dank der Aschewolke über dem Eyjafjallajökull können Marianne und Peter Dummermuth mit Sohn Tim aus Heimenschwand ein paar zusätzliche Tage an der Sonne geniessen. Sie wollten am Sonntag nach einer Ferienwoche auf Mallorca die Heimreise antreten. «Am Tag vor der Abreise wurden wir von unserer Schwägerin und später auch dem Reisebüro über die Vorgänge in Island informiert», erinnert sich Peter Dummermuth. Seither würden er und seine Familie täglich über die Entwicklungen aufdatiert. «Wir haben grosses Glück und können im gleichen Hotel bleiben. Die zusätzlichen Nächte werden zudem vom Reisebüro bezahlt.» Der unfreiwillig verlängerte Urlaub stellt die Familie vor keine unlösbaren Probleme. «Mit meinem Arbeitgeber konnte ich alles regeln», sagt Peter Dummermuth. Er werde zwar eine Sitzung verpassen, aber das sei nicht so schlimm, so der Filialleiter der Vogt Elektro AG.

Aus dem Naturereignis auf Island keinen Profit schlagen können die Schüler. In den meisten Gemeinden in der Region Thun und im Berner Oberland dauern die Ferien mindestens noch bis Ende Woche. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 21.04.2010, 09:29 Uhr

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