Neuer Stapi Raphael Lanz: «Sehe mich als Teamcaptain»
Von Roland Drenkelforth. Aktualisiert am 01.12.2010 10 Kommentare
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Herzliche Gratulation zur Wahl. Welche Gedanken gingen Ihnen durch den Kopf, als Sie vorhin die Wahlbestätigung erhielten?
Raphael Lanz: Einerseits ist das sehr schön, wenn man ein Ziel erreichen kann. Andererseits spüre ich auch die grosse Verantwortung. Davor habe ich Respekt.
Noch ein Rückblick auf das Wahlresultat: Was gab den Ausschlag für dieses deutliche Resultat?
Ich war ja selber überrascht. Die Leute haben gemerkt, dass ich und die SVP in meinen vier Jahren als Stadtrat eine konstruktive und sachliche Politik betrieben haben. Das hat das Feld für einen bürgerlichen Stapi geebnet.
Mit welchen Gefühlen wären Sie in einen zweiten Wahlgang gestiegen?
Ich hatte mich darauf eingestellt gehabt und wäre darauf vorbereitet gewesen. Jetzt bin ich aber froh, dass wir mit der Arbeit im Gemeinderat beginnen können.
Zur Direktionsverteilung: Wie sehen Sie das weitere Vorgehen?
Wir werden am Freitag die erste Sitzung haben. Mir ist wichtig, dass alle ihre Vorstellung auf den Tisch legen können und wir uns zusammenraufen. Wir müssen jene Lösung finden, welche für die Stadt am besten ist.
Traditionellerweise führte der Thuner Stadtpräsident in den letzten Jahren immer die Finanzdirektion. Gehört das zum Stadtpräsidium?
Das ist nicht absolut zwingend. Für mich sind die Finanzen ein sehr wichtiges Ressort. In anderen Städten ist zum Beispiel die Stadtentwicklung beim Stadtpräsidenten. Für mich muss das Gesamtpaket stimmen. Niemand sollte mit einer fixen Vorstellung in diese Verhandlungen gehen.
Die SP beansprucht bereits das Vizepräsidium ...
Das müssen wir offen diskutieren. Ich würde mich dem nicht verschliessen, andererseits haben wir bereits eine amtierende Vizepräsidentin. Das müssen wir zusammen anschauen.
In welchen Bereichen möchten Sie als Stadtpräsident Schwerpunkte setzen?
Es werden uns viele Dossiers beschäftigen, ein sehr wichtiges sind die Finanzen. Wir haben grosse Schlüsselprojekte wie ein Parkhaus im Schlossberg.
Zu Ihrem Rollenverständnis als Stadtpräsident: Wie sehen Sie Ihre Aufgabe?
Der Stadtpräsident ist aus meiner Sicht der Teamcaptain, er spielt in einer Mannschaft. Wenn es darauf ankommt, muss der Stadtpräsident aber auch hinstehen. Mir ist wichtig: Alle Spieler der Mannschaft, sprich Gemeinderat, haben eine wichtige Rolle.
Aber Sie sind der Chef der Mannschaft?
Ich leite sicher die Sitzungen und werde mich einbringen. Wenn sich der Gemeinderat nicht einig ist, wird abgestimmt. Da kann der Stadtpräsident auch mal verlieren, ist dann aber trotzdem an diesen Entschluss gebunden.
Sie sind Richter und haben wohl noch nicht gekündet. Wie geht das weiter?
Ich habe ein Signal vom Obergericht, dass ich anfangs Jahr meine neue Amtsperiode als Richter nicht antreten muss und somit ab 1. Januar 2011 mein Amt als Stadtpräsident antreten kann. Das Pensum ist noch nicht festgelegt, ich will mich aber voll und ganz für die Stadt einsetzen.
Wie endet dieser Tag noch?
Ich hatte den ganzen Tag Gerichtsverhandlungen und werde nun von Anrufen überflutet. Sicher werden wir auch noch kurz auf diesen Erfolg anstossen. Wichtig ist mir vor allem, dass ich meine Familie noch sehe. (Thuner Tagblatt)
Erstellt: 01.12.2010, 09:30 Uhr


