Neue Maschine für Lebensretter
Seit gut einem Monat haben die Rettungsdienste der Spital STS AG ein neues Gerät im Einsatz: Lucas2 nennt sich die Maschine, welche für die Rettungssanitäter in Zukunft die Herzmassage übernimmt. Es kann rein technisch betrachtet nichts, was der Mensch nicht auch könnte, bietet aber trotzdem grosse Vorteile, wie Silvio Streiff, Leiter der Rettungsdienste, erklärt: «Untersuchungen haben gezeigt, dass der Mensch bei der Herzmassage bereits nach zwei Minuten ermüdet und seine Leistung deshalb nachlässt. Im Gegensatz dazu arbeitet die Maschine auch über lange Zeit konstant.»
Ein weiterer Vorzug des neuen Geräts ist offensichtlich: Sobald es am Patienten angebracht und eingeschaltet ist – und bis dahin vergehen nur wenige Sekunden, wie die Demonstration auf dem Rettungsstützpunkt Gesigen beweist –, können die Sanitäter sich auf die übrigen lebensrettenden Massnahmen konzentrieren. «Für uns ist das besonders wichtig, da wir meist nur im Zweierteam unterwegs sind», sagt Silvio Streiff.
Erstes ausgereiftes System
Lucas2 ist nicht das erste System zur Thoraxkompression, wie die Herzmassage in der Fachsprache genannt wird, es ist aber das erste, welches aus Sicht der Rettungsdienste der Spital STS AG wirklich ausgereift ist. «Sowohl der Vorgänger des Geräts, welches wir nun angeschafft haben, wie auch das Produkt eines anderen Herstellers funktionierten zwar, waren aber für unseren Betrieb nicht geeignet», sagt er. Nachteile, welche die Neuanschaffung mit sich bringt, kennt Silvio Streiff bisher keine. «Da das Gerät aber noch ziemlich neu ist, weiss man noch nicht, wie das längerfristig und bei intensiver Nutzung aussieht», gibt er zu bedenken. Für den Patienten birgt Lucas2 keine Gefahren: «In Fachkreisen ist man sich einig, dass die Verletzungsgefahr bei Einsatz des neuen Systems geringer ist, als wenn die Herzmassage von Hand durchgeführt wird», sagt Streiff.
Bisher rund zehn Einsätze
Bei den Rettungsdiensten der Spital STS AG sind nun alle zehn Einsatzfahrzeuge mit dem Lucas2 ausgerüstet. Gemäss Silvio Streiff kostet ein Exemplar davon im Handel rund 23'000 Franken. «Nicht zuletzt dank geschickten Verhandlungen konnten wir unsere Geräte aber zu günstigeren Konditionen erwerben», sagt er weiter.
In den rund sechs Wochen, in denen den Rettungsdiensten der Spital STS AG das neue Kompressionsgerät nun zur Verfügung steht, wurde es rund zehn Mal eingesetzt.
Wacker-Junior hat überlebt
«Nur sehr wenige Patienten, bei welchen eine Reanimation notwendig ist, kommen ohne bleibende Schäden davon», sagt Silvio Streiff. Einer davon ist ein Nachwuchsspieler von Wacker Thun. Der Handball-Junior ist am 14. April im Training zusammengebrochen und war einer der ersten, bei denen das neue Gerät eingesetzt wurde. Er selber war für eine Stellungnahme nicht verfügbar, dafür aber Wacker-Physiotherapeut Cyril Dähler, welcher erste Hilfe geleistet hat: «Es geht dem Betroffenen unterdessen wieder gut», sagt er. «Wüsste ich nichts von diesem Vorfall, würde ich ihm heute kaum mehr etwas anmerken.» Dähler hatte richtig reagiert und den Patienten zusammen mit einem anderen Spieler sofort reanimiert, bis das Team des Rettungsdienstes mit dem Herzmassagegerät eingetroffen war. Ob es dem zusammengebrochenen Spieler schliesslich das Leben gerettet hat, sei schwierig zu sagen, meint Rettungsdienstleiter Silvio Streiff. «Diese Frage kann ich nicht abschliessend beantworten», sagt er. Die Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich so ist, sei aber hoch. (Thuner Tagblatt)
Erstellt: 01.06.2010, 12:11 Uhr


