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Nachbarschaftsstreit: «Tauben verscheissen einfach alles!»

Ein Mann füttert Tauben systematisch an, diese verdrecken mit ihrem Kot das Quartier: An der Goldiwilstrasse in Thun schwelt ein klassischer Nachbarschaftskonflikt. Nun will die Stadt definitiv für Ordnung sorgen.

Wilde Stadttauben auf dem Dach von Herbert Tschanz' Haus: Die Nachbarn leiden unter dem Dreck, den die Vögel im ganzen Quartier verbreiten.

Wilde Stadttauben auf dem Dach von Herbert Tschanz' Haus: Die Nachbarn leiden unter dem Dreck, den die Vögel im ganzen Quartier verbreiten.
Bild: Marc Imboden

TeleBärn-Beitrag

Der Taubenschlag von Herbert Tschanz: Der Kothügel in der Mitte stinkt vor allem an warmen Tagen bestialisch. (Bild: zvg)

Die Liegenschaft Goldiwilstrasse 8 sieht auf den ersten Blick idyllisch aus: ein altes Holzhaus, an dem der Zahn der Zeit genagt hat, umgeben von Büschen und Bäumen. Doch was auf dem Grundstück abgeht, ist «eine Riesensauerei», sagt Nachbarin Lia Nielsen. Tatsächlich: Wer sich dem Haus von Herbert Tschanz nähert, hält sich zuerst einmal die Nase zu und traut dann seinen Augen nicht. Auf der hinteren Seite befindet sich ein Taubenschlag, der vor Dreck nur so strotzt. Der Kothügel in der Mitte des Schlags ist gut und gerne 20 Zentimeter dick. Auch ausserhalb des Schlags liegen die Fäkalien in dicken Schichten auf dem Boden.

Bis zu 80 Tauben

Doch nicht nur auf dem Grundstück befinden sich die Vogelhinterlassenschaften. «Die Tauben verscheissen die ganze Nachbarschaft», sagt Lia Nielsen. «Manchmal sind es rund 80 Tiere, die in der Umgebung auf den Hausdächern darauf warten, dass Herbert Tschanz sie füttert.» Denn Tschanz’ Hobby ist die Zucht von Tauben. Doch damit fühlt sich der Pensionierte offenbar nicht ausgelastet: «Er füttert die wilden Stadttauben systematisch an», weiss Lia Nielsen. «Dann fängt er sie ein und tötet sie.»

Er zeigte keine Einsicht

Die Gartenmöbel und -werkzeuge der Familie Nielsen, die Scheiben, die Himbeerstauden, der Sitzplatz: Taubenmist, wohin das Auge sieht. «Wir haben früher Gemüse in unserem Garten angebaut. Wir mussten aufhören – so ist es nur noch widerlich und macht keinen Spass mehr», bedauert Lia Nielsen und fügt an, dass Taubendreck nicht nur störend, sondern für die menschliche Gesundheit auch gefährlich sei. Verschiedene Nachbarn haben das Gespräch mit Tschanz bereits gesucht. «Erfolglos», sagt Nielsen. «Er meinte bloss, wir sollen nicht so ein Theater machen.» Zu den Geplagten gehört auch Donald Winterberger, der ebenfalls nur einen Steinwurf von Tschanz Liegenschaft entfernt wohnt: «Seit längerer Zeit leiden wir unter dem Schwarm wilder Stadttauben, der sich regelmässig auf Ihrem Grundstück aufhält und sich dort heimisch fühlt», schrieb Winterberger an Tschanz. «Zwischendurch überfliegt der Schwarm überfallmässig unser Grundstück und lässt sich auf unserem Dachrand nieder. Mittlerweile ist unser Grundstück und insbesondere unsere Sonnenstore dermassen von Taubenkot verunreinigt, dass ich mich zum Handeln gezwungen sehe.»

Vorwurf: Stadt tut nichts

Die Leidgeprüften gelangten ans städtische Gewerbeinspektorat, das für die Bekämpfung der Tauben zuständig ist. Doch mit dem Resultat sind sie nicht zufrieden. «Zwischendurch besserte es etwas, doch bald darauf war jeweils wieder alles beim Alten», sagt Lia Nielsen. «Die Stadt appelliert einerseits an die Bevölkerung, keine Tauben zu füttern. Doch in unserem Fall unternimmt sie nichts», sagt Lia Nielsen mit einer gewissen Verbitterung in der Stimme. «Wozu bezahlen wir eigentlich Steuern?»

Die andere Sichtweise

Herbert Tschanz, der mit seinem Treiben die Nachbarn verärgert, sieht die Angelegenheit mit anderen Augen: «Ich sorge dafür, dass es eben keine Taubenplage im Quartier gibt», sagte er gegenüber dieser Zeitung während eines Gesprächs über den Gartenzaun. Wenn er nicht zum Rechten schauen würde, gäbe es noch viel mehr Tauben und ergo noch viel mehr Dreck. Er habe von Gewerbeinspektor Reto Keller die Bewilligung, Tauben zu töten. «Frag mal in der Kadaveri, wie viele tote Tauben ich bereits angeliefert habe», brüstete sich Tschanz. «U itz gang wäg, süsch chani se nid ifah», befahl er dem Journalisten und beendete die Unterhaltung damit.

Härtere Saiten

Gewerbeinspektor Reto Keller hält fest, dass Tschanz nicht in seinem Auftrag handelt. «Privatpersonen dürfen zwar gemäss der kantonalen Jagdordnung Tauben töten, wenn sie durch die Tiere geschädigt werden. Ich finde es aber gar nicht in Ordnung, dass Herbert Tschanz die Tiere systematisch anlockt und dadurch für negative Auswirkungen im Quartier sorgt.» Das habe er Tschanz auch persönlich gesagt. Doch offenbar sei die Wirkung seines Appells nur von kurzer Wirkung gewesen. Doch nun will Keller härtere Saiten aufziehen. «Ich kläre nun ab, ob ich via Ortspolizeireglement oder den kantonalen Veterinärdienst gegen den Missstand vorgehen kann. Denn dass nun etwas passieren muss, ist klar.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 28.07.2010, 09:58 Uhr

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4 Kommentare

Lia Nielsen

29.07.2010, 10:20 Uhr
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Den Grundsatz der Verhältnismässigkeit? Es geht hier nicht einfach um einen Nachbarschaftsstreit, sondern unter anderem auch um die Gesundheit und das Wohlbefinden aller die diesen öffentlichen Weg benutzen oder in der Umgebung wohnen. Die Kinder nehmen oft und gerne ihre Hände in den Mund. Auch, nachdem sie den Handlauf bei der Treppe direkt neben Taubenschlag angefasst haben! VORSICHT! Antworten


Reto Keller

28.07.2010, 23:33 Uhr
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So ist es nicht, Herr Schaad. Wir haben immer reagiert, wenn uns die Nachbarn Meldung gemacht haben. Zu beachten gilt es aber, dass wir den Grundsatz der Verhältnismässigkeit beachten müssen. Im Weiteren hätten die Nachbarn schon lange die Möglichkeit gehabt, den zivilrechtlichen Weg zu beschreiten. Ich bin überzeugt, dass wir eine Lösung finden werden. Antworten


hans huber

28.07.2010, 22:08 Uhr
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das ist ja eine zumutung ! Antworten


Edgar Schaad

28.07.2010, 13:58 Uhr
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Zitat Reto Keller: «Denn dass nun etwas passieren muss, ist klar.». Weshalb erst jetzt, Herr Keller? Hat es vielleicht damit zu tun, dass sich die Berner Zeitung der Sache angenommen? Das erinnert doch stark an fehlbare Firmen, die erst einlenken, wenn der Kassensturz den Fall publiziert. Antworten



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