Mit Motorsägen gegen rekorddicke Eisschichten
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Der mit dicken Kleidern und Handschuhen ausgerüstete Mann trägt eine Schwimmweste, auf dem Kopf einen Helm und darüber einen Ohrschutz. Um seinen Oberkörper ist ein Seil gewickelt, welches am Boot hinter ihm angeknotet ist, und neben ihm liegt eine Leiter. Diese ist ebenfalls mit einem Seil am Schiff angebunden. BLS-Mitarbeiter Thomas Hänni neigt sich nach vorne und schaut auf das Eis unter seinen Füssen im Schiffskanal beim Bahnhof in Thun. Mit beiden Händen hält er eine Motorsäge, mit welcher er sich, ins Eis sägend, Zentimeter um Zentimeter vorwärtsbewegt. Das Schiff hinter ihm fährt im von ihm freigesägten Riss und bricht das Eis in Stücke.
«Dass wir in kalten Wintern Stellen von Eis befreien müssen, ist normal», sagt Martin Wymann, Leiter Produktion BLS-Schifffahrt, «doch normalerweise fahren wir mit einem Boot ins Eis und brechen es.» Doch dieser Tage ist dies nicht mehr möglich. «Wir mussten das Eis erstmals mit einer Motorsäge spalten, damit das Schiff das Eis brechen und die Brocken schliesslich auf den See hinausstossen konnte.»
Letztmals in den 60er-Jahren
Bei der Werft im Dürrenast fror das Eis in Ufernähe einerseits wegen der andauernden tiefen Temperaturen und andererseits wegen des tief gehaltenen Seespiegels und im Schiffskanal beim Bahnhof, weil dieser dort ein stilles Gewässer ist. «Wir waren selber überrascht: Wir massen über 15 Zentimeter dickes Eis», sagt Wymann. «So dick war es seit Jahrzehnten nicht mehr, genauer seit den 60er-Jahren beziehungsweise seit dem legendären Kältewinter 1963 nicht.»
Lachenkanal ab heute Donnerstag offen
Das Eis müsse entfernt werden, da der Druck an Ruderanlagen und Schiffsschalen Schäden verursachen könne. «Wir brechen das Eis mit einem Flachbodenboot aus dem 19.Jahrhundert», erklärt Martin Wymann.
Während für die Schiffe das Eis gebrochen werden muss, freuen sich die Eislaufenden über die gefrorenen Gewässerstellen. Aber: Grundsätzlich ist das Betreten des Eises auf den Seen in und um Thun verboten beziehungsweise erfolgt auf eigene Gefahr – so zum Beispiel auch im Pfaffenbühl im Dürrenast, im Gwatt im Bonstettenpark oder beim Campingplatz oder auf dem Amsoldinger-, Uebeschi- und Dittligsee oder auf dem Gerzensee. Andere kleine Seen, wie zum Beispiel der Berner Egelsee, wurden gestern offiziell freigegeben.
In Thun wird einzig der Lachenkanal im Dürrenast von der Stadt betreut. «Wenn die Messung vom Donnerstagmorgen die Dicke von über 15 Zentimetern nochmals bestätigt», sagt die stellvertretende Gewerbeinspektorin Karin Kupferschmied, «geben wir den Lachenkanal ab dem Mittag für das Eislaufen offiziell frei.» (Thuner Tagblatt)
Erstellt: 09.02.2012, 06:09 Uhr
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