Merligen bald vor Murgängen geschützt
Das Dorf Merligen liegt auf dem Schwemmkegel des Grönbaches, der das Gebiet des Justistals und einen Teil des Sigriswiler Grates entwässert. 1856 ging über der Region ein grosses Unwetter nieder, das in Merligen die Bäche über die Ufer treten liess. Das Hochwasser schwemmte ganze Häuser weg, und 15 Familien wurden obdachlos. Damit das Dorf Merligen geschützt werden konnte, wurden daraufhin im Grönbach, der sich unterhalb der Grönhütte durch eine tiefe Schlucht frisst und sein Wasser Richtung Thunersee führt, bereits vor mehr als 100 Jahren Gewässerverbauungen erstellt. 1908 wurde im unteren Teil des Baches bis zur Einmündung in den Thunersee eine Bachschale als Trockenmauerwerk erstellt.
«Der 2003 erstellten Gefahrenkarte ist zu entnehmen, dass entlang des Grönbaches weite Teile im roten Bereich liegen und bei einem grossen Unwetter mit Todesfällen und grossem Sachschaden zu rechnen ist», erklärte der zuständige Sigriswiler Gemeinderat Thomas Zwahlen gestern. Zudem hätten zusätzliche Geschiebestudien im Rahmen einer Risikoanalyse ergeben, dass die Verbauungen und die Bachschale bei Murgängen nicht ausreichten und damit für den Dorfkern eine grosse Gefahr bestehe.
Grosses Einzugsgebiet
«Mit den Hochwasserschutzmassnahmen werden eine grösstmögliche Sicherheit für die Bevölkerung von Merligen und eine Eliminierung der roten Bereiche in der Gefahrenkarte, die das Bauen in diesem Bereich ausschliessen, erreicht», so Zwahlen weiter. Der Gemeinderat weist zudem auf die Auswirkung von Murgängen hin, die Erd- und Geschiebefrachten schubweise mit gewaltiger Zerstörungswirkung bringen und nicht mit einem gewöhnlichen Hochwasser vergleichbar sind.
Das Einzugsgebiet des Grönbaches beträgt 14 Quadratkilometer, wobei die grössten Geschiebelieferanten drei Nebenbäche sind. Weiter wurde erklärt, dass das Gesamtschadenpotenzial sich bei einem 100-Jahr-Ereignis auf 35 Millionen Franken, bei einem 300-Jahr-Ereignis auf 52 Millionen belaufe. Pro Jahr liege das Risiko bei 400'000 Franken. In einem schlechten Zustand befindet sich auch das Trockenmauerwerk der Bachschale.
Wanderweg wird verlegt
Das Wasserbauprojekt Grönbach besteht aus drei Massnahmen: Beim durch eine Felsnase gebildeten Engpass wird eine Murgangsperre mit einem Rückhaltevolumen von 12'000 Kubikmetern erstellt. Auf das die ganze Bachbreite querende Fundament der Sperre werden vier trichterförmig angeordnete, 12,5 Meter hohe Leitwände gebaut, auf denen grossflächige Ringnetze zum Murgang- und Schwemmholzrückhalt montiert werden. «Der Vorteil liegt darin, dass hier grosse Energien abgebaut werden. Geröll und Baumstämme werden zurückgehalten, während das Wasser mit reduzierter Energie nach unten abfliessen kann», erklärt die zuständige Ingenieurin Dorit Jahne von der Firma Emch+Berger aus Bern.
Im Hauptbauwerk wird ein Tor eingebaut, das von Lastwagen befahren werden kann, damit – wenn nötig – Geschiebe und Holz abtransportiert werden kann. Zudem müssen in diesem Bereich zwei Gebäude abgebrochen werden, der ehemalige Bunker der Armee wird jedoch im Überflutungsgebiet belassen. Der Wanderweg wird im Bereich der Sperre auf einer Länge von 60 Metern hangwärts verlegt. Weiter werden in der Bachschale im Sohlenmauerwerk die Fugen saniert.
Bauarbeiten im Winter
Für die Realisierung der Murgangsperre und die Verlegung des Wanderweges wird mit einer Bauzeit von sechs Monaten gerechnet. Rund drei Monate soll dann die Sanierung der Bachschale dauern. Wie Markus Engeloch, Leiter Wasserbau bei der Kästli Bau AG in Thun, erklärte, kann jedoch nur im Winter gearbeitet werden. Das Bauprogramm sieht vor, dass die Bauarbeiten bis Ende April 2012 laufen, dann müssen sie während der Sommermonate wegen Gewittergefahr bis Ende September unterbrochen werden.
Markus Engeloch rechnet damit, dass das Bauwerk im März 2013 fertiggestellt ist. Es sei das erste Wasserbauprojekt dieser Art, das durch ihre Firma gebaut werde, und es sei in seiner Art anspruchsvoll. Für das Projekt haben die Sigriswiler Stimmberechtigten am 15.Mai 2011 an der Urne einem Bruttokredit von 3,6 Millionen Franken mit 789 Ja und 336 Nein zugestimmt. Von den 3,6 Millionen entfallen 2,96 Millionen auf die Murgangsperre mit Verlegung des Wanderweges und 640'000 Franken auf die Sanierung der Bachschale. (Berner Oberländer)
Erstellt: 08.02.2012, 08:09 Uhr
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