Mei-Ling Lüdis Leben in zwei Welten
Mei-Ling Lüdi sorgt für Schlagzeilen: So berichtete das «Thuner Tagblatt» im Mai 2000 vor den Wahlen zur Miss Universe, wo Lüdi Malaysia vertrat. Im Bild rechts sind ihre Eltern zu sehen.
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Zur Person
Mei-Ling Lüdi wurde 1974 in Kuala Lumpur geboren. Wenig später zogen ihre Eltern – die Mutter ist aus Malaysia, der Vater Schweizer – nach Thun. Hier besuchte Mei-Ling Lüdi die Schule und machte die kaufmännische Ausbildung. Am 11. März 2000 nahm sie an den «Miss Malaysia/Universe»-Wahlen teil – und gewann. Daraufhin vertrat sie ihre zweite Heimat auch an den Miss-Universe-Wahlen in Zypern. Seither lebt sie in ihrem Geburtsort Kuala Lumpur und kehrt jeweils in den Ferien in die Schweiz zurück. mik
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«Das ist doch total Schnee von gestern», lacht Mei-Ling Lüdi, auf den 11. März 2000 angesprochen. Damals, vor genau zehn Jahren, stand die Thunerin urplötzlich im grellen Scheinwerferlicht: In ihrer Geburtsstadt Kuala Lumpur wurde sie zur «Miss Malaysia/Universe» gekürt. Kein Wunder, klopften bald auch die Schweizer Medien bei der Tochter einer malayischen Chinesin und eines Schweizers an. «Die amtierende Miss Malaysia ist eine Thunerin und spricht perfekt Berndeutsch», freute sich das «Thuner Tagblatt». Heute ist Mei-Ling Lüdi 36 Jahre alt und lebt mit ihrem Freund, einem Einheimischen, im 31. Stock eines Hochhauses etwas ausserhalb von Kuala Lumpur. «Von der Küche aus sehe ich die Petronas-Towers, auf der anderen Seite mein Quartier und grüne Hügel», erzählt die fröhliche Frau, die in der Schweiz aufwuchs, die KV-Ausbildung machte und später als Flight Attendant unter anderem für die Swissair arbeitete. Mittlerweile unterstützt sie für eine internationale Firma Ausländer, die sich vorübergehend in Malaysia niederlassen. Und wann immer möglich kehrt Mei-Ling Lüdi in den Ferien nach Thun zurück.
Eine Thunerin als Miss Malaysia – Mei-Ling Lüdi, wie kam es überhaupt dazu, dass Sie bei dieser Wahl mitgemacht haben?
Meine Cousine war 1979 Miss Malaysia/World – da meinte meine Tante, es wäre doch lustig, zwei «Missen» zuhause zu haben! Ich war nah an der Alterslimite und dachte, wenn ich sowas je mitmache, dann jetzt oder nie.
Wie gross war der Rummel damals in Malaysia?
Er hielt sich im Rahmen, denn Missen gibt es in Asien wie Sand am Strand. Klar gehören die Miss Universe und Miss World Wahlen zu den grösseren Events, und ich wurde oft zu Veranstaltungen und Galadinners eingelagen. Aber trotzdem: Man hört und liest immer wieder von Miss China Town, Miss Petite, Miss Malaysia Indian Global und so weiter.
Und wie waren die Reaktionen in der Schweiz?
Fast extremer als in Malaysia! Mein Vater ging eines Morgens zum «Beck» und sah die «Blick»-Schlagzeile: «Miss Malaysia kommt aus Thun!» Noch heute werde ich in Thun ab und zu auf die Misswahl angesprochen.
Was hat Ihnen der Miss-Malaysia-Titel gebracht?
Da ich oft als «Special Guest» zu Events eingeladen wurde, habe ich viele Leute kennengelernt, mit denen ich noch immer Kontakt pflege. Es gibt immer noch solche Einladungen, aber es ist mir etwas peinlich, wenn ich noch heute als Miss Malaysia/Universe 2000 angekündigt werde. Das war einmal... In den letzten zehn Jahren habe ich über 40 TV-Werbespots gedreht, viele Fotoshootings gemacht, TV-Programme moderiert und in einem malaysischen Film mitgespielt.
Wie stehen Sie heute zu Miss-Wahlen?
Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Ich stellte mir diese Missen-Welt immer wie im Bilderbuch vor: glamourös und einfach. Natürlich erlebte ich Enttäuschungen, aber das ist ja wie mit allem im Leben. Im Grossen und Ganzen war es ein Jahr, das ich sehr genossen habe. Es war in vielem ein «Augenöffner». Ich würde es auf jeden Fall wieder tun.
In Malaysia ist der Islam Staatsreligion. War das jemals ein Problem für Sie als Miss?
Nein, da ich nicht Muslimin bin, war das überhaupt kein Problem. Ich wurde sogar mal auf dem Titelblatt eines malayischen Hefts abgebildet. Obwohl der Islam Staatsreligion ist, leben viele Religionen in Harmonie zusammen. Wir respektieren einander. Es gibt eine Menge bildhübsche Malayinnen, die aber leider seit den 90er-Jahren bei Miss-Wahlen nicht mehr teilnehmen dürfen.
Warum haben Sie sich entschieden, nach dem Jahr als Miss in Malaysia zu bleiben?
Um ehrlich zu sein, war das gar kein Entscheid. Es ist einfach so passiert. Eigentlich war nur ein Jahr geplant – und im Handumdrehen ist dann mehr als ein Jahrzehnt vergangen!
In dieser Zeit kehrten Sie immer wieder in die Schweiz zurück. Wenn Sie «Ihre» beiden Welten vergleichen: Was sind die grössten Unterschiede?
Es gibt so viele Unterschiede, ich könnte ein Buch darüber schreiben! Aber am Extremsten ist wohl das Wetter. Obwohl ich in der Schweiz aufgewachsen bin, liegt mir die Kälte überhaupt nicht. Was nicht heisst, dass ich eine Woche in den prächtigen, schneebedeckten Bergen mit viel Sonne nicht geniessen würde...
Und wie siehts aus, wenn Sie die Metropole Kuala Lumpur und die Kleinstadt Thun vergleichen?
Das wäre der zweite Band des Buches. Beide Städte haben ihren eigenen Charme. Aber nur ein Beispiel: In Kuala Lumpur ist es möglich, Einkäufe auch Samstags und Sonntags bis 1 Uhr morgens zu machen und dann in «Schlarpen», Shorts und T-Shirt etwas essen zu gehen. Es ist einfach eine andere Lebensqualität – nicht besser, aber anders.
Was bedeutet Ihnen Thun heute? Was vermissen Sie?
Thun ist und bleibt mein erstes Zuhause. Ich freue mich immer riesig auf die Familie und Freunde, die ich sehr vermisse. Sobald ich meine Koffer zuhause deponiert habe, renne ich los, um meine Lieben zu sehen. Als zweites vermisse ich die köstlichen Schweizer Spezialitäten – mir läuft das Wasser im Mund zusammen, wenn ich nur daran denke! Ich muss dann immer wieder auf Diät nach meinem Schweizer Aufenthalt...
Könnten Sie sich vostellen, wieder in die Schweiz zu ziehen?
Das ist immer wieder in meinen Gedanken. Die Schweiz ist wunderschön, und ich fühle mich dort sehr wohl, aber Malaysia ist in der Zwischenzeit auch mein Zuhause geworden. Mein grösster Wunsch wäre es, sechs Monate in der Schweiz und sechs Monate in Malaysia zu leben – dann hätte ich «ds Füfi u ds Weggli»!
Vorläufig kehrt die 36-Jährige jeweils in den Ferien nach Europa zurück um Familie und Freunde zu treffen. Dabei nahm sie im Frühling mit dem Cousin ihres Vaters auch mehrmals an der «Mille Miglia» teil – einem dreitägigen Oldtimerrennen über 1600 Kilometer auf Italiens Landstrassen. Mei-Ling Lüdi sagt: «Eine verrückte Sache!» Genau wie ihr Leben, eben. (Thuner Tagblatt)
Erstellt: 11.03.2010, 09:48 Uhr













