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MS Oberhofen: Comeback auf dem Thunersee?

Von Stefan Geissbühler. Aktualisiert am 08.01.2013

Das 1999 auf dem Thunersee ausgemusterte Motorschiff Oberhofen ist für 275'000 Euro zu haben. Die BLS und der Thuner Künstler Heinrich Gartentor nehmen das Angebot unter die Lupe.

1/4 Das Motorschiff Vriendschap alias MS Oberhofen Ende Dezember 2012 in der Nähe von Amsterdam.
Bild: zvg

   

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Flammt die alte Freundschaft zwischen dem ehemaligen Motorschiff Oberhofen und dem Thunersee auf? Diese Frage treibt in diesen Tagen Schiffliebhaberinnen und -liebhaber um. Denn das Motorschiff Oberhofen steht unter dem holländischen Namen Vriendschap (Freundschaft) zum Verkauf. Das Schiff ist gemäss dem holländischen Besitzer mit neuster Technik ausgestattet und komplett restauriert worden. Am originalen Look hingegen sei nur wenig verändert worden.

Tatsächlich: Auf Bildern im Internet lässt sich das Motorschiff Vriendschap unschwer als MS Oberhofen identifizieren, das Schiff scheint sich in einem guten Zustand zu befinden. Der Anbieter verlangt 275 000 Euro exklusive Steuern für das ehemalige Thunersee- und Landi-Schiff. Der Versicherungswert liegt bei 675 000 Euro.

Ursprünglicher Name: Ente

Der Blick zurück: 1939 wird das spätere Motorschiff Oberhofen bei Escher Wyss gebaut und auf den Namen Ente getauft – neben anderen drei Schiffen extra für den Einsatz an der Landesausstellung in Zürich. An der Zürcher Goldküste steht das sogenannte «Landi-Dörfli», wo Häuser in den Baustilen der jeweiligen Kantone zu sehen sind. In Wollishofen präsentiert sich die moderne Schweizer Architektur – und die Ente, das Taucherli, der Schwan und die Möwe transportieren die Landi-Besucherinnen und -Besucher hin und her.

Dieselmotor statt Dampf

Und das nicht zu knapp: Bis zum Ende der Landesausstellung im Oktober 1939 transportierten die vier Schiffe nicht weniger als 5 Millionen Passagiere – 30000 pro Tag. Die sauberen Dieselmotoren, wie die «Zürichsee-Zeitung» 2009 in einer Landi-Serie schrieb, seien für die damalige Zeit «revolutionär» gewesen, die Passagiere seien bis dato auf Schiffen Rauchschwaden und beissenden Kohlendampf gewohnt gewesen.

Nach dem Ende der Landesausstellung übernimmt die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft Taucherli, Schwan und Möwe, die Ente gelangt 1940 an die BLS, welche sie unter dem Namen Oberhofen auf dem Thunersee pendeln lässt. Bis 1999, als die BLS das Schiff ausmustert und nach Holland verkauft. Ähnlich ergeht es den drei anderen Landi-Schiffen, sie mutieren ebenfalls zu Touristenschiffen – in Amsterdam und in Brüssel.

BLS klärt ab

Steht das Motorschiff Oberhofen jetzt vor dem Comeback auf dem Thunersee? Hans Meiner, Leiter Schifffahrt Berner Oberland, sagt auf Anfrage: «Wir kennen dieses Angebot und führen derzeit Abklärungen durch.» Die BLS werde bis Ende Januar die genaue Biografie des Schiffs unter die Lupe nehmen und den Zustand des Schiffs prüfen. Danach werde die BLS entscheiden, ob sie mit dem Anbieter Kontakt aufnehme. Mehr könne er im Moment nicht sagen.

Gartentor klärt ab

Nicht nur die BLS interessiert sich aber für das Angebot: Der Horrenbacher Künstler Martin Lüthi alias Heinrich Gartentor liebäugelte kürzlich auf Facebook mit dem Kauf des Motorschiffs Oberhofen. Dass Lüthi Schiffe mag, ist bekannt. So liess er vor zwei Jahren das ausgemusterte Motorschiff Stadt Bern an den Aarequai schleppen und verwandelte dieses flugs in ein Ausstellungsschiff. Das eigens hergestellte Quartett mit aktuellen und längst verschrotteten Thuner- und Brienzerseeschiffen ist seither Kult.

«Mir ist es ein grosses Anliegen, dass dieses schöne Schiff nicht einfach irgendwo landet – obwohl ich es nicht in die Schweiz transportieren würde», sagt Lüthi auf Anfrage. Falls die BLS das Schiff nicht kaufe, sei er nach wie vor interessiert. Er würde das Schiff auf Oberhofen rückbenennen. Und wie würde der Künstler Kauf und Unterhalt finanzieren?

Paris? Berlin? Wien?

«Ich arbeite derzeit einen Finanzierungsplan aus», so Lüthi. Dieser sehe vor, «dass es möglich sein muss, das Schiff derart zu bewegen, dass es mal mitten in die Städte Paris, Berlin, Amsterdam, oder Wien fahren kann. Dann wird es nämlich auch gleich Werbeträger für das Berner Oberland, den Thunersee und das Schloss Oberhofen.»

Wie stellt sich der Verein Freunde der Dampfschifffahrt auf dem Thuner- und Brienzersee zum Motorschiff Vriendschap alias Oberhofen? Präsident Gerhard Schmid: «Es wäre schön, wenn es wieder auf dem Thunersee fahren würde – ein Kauf liegt aber ausserhalb unserer Möglichkeiten.» Man habe aber der BLS signalisiert, dass die Dampferfreunde die Rückkehr des Schiffes auf den Thunersee sehr begrüssen würden.

Konkurrenz für Spiezerli?

Wäre das Motorschiff Oberhofen dereinst nicht eine Konkurrenz für das Spiezerli, für dessen Rettung die Dampferfreunde zurzeit Geld sammeln? «Das glaube ich nicht», sagt Schmid, «die BLS müsste Wege finden, die historischen Schiffe in ihre Flotte zu integrieren und neue Angebote zu schaffen.»

Vorstandsmitglied Rolf Lemberg ergänzt: Das Motorschiff Oberhofen könnte wegen der geringen Betriebskosten für Extrafahrten preisgünstig angeboten werden und wäre somit das ideale Schiff für kleine Gesellschaften. Es ist für 80 Personen zugelassen und benötigt nur zwei Mann Besatzung. Also könnten sich auch Privatleute mit normalem Verdienst die Miete eines Schiffes auf dem Thunersee leisten. Ein solches Angebot fehlt heute. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 08.01.2013, 09:55 Uhr

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