Lichterlöschen im Rätselpark

Aus vorbei, den Mystery Park gibt es nicht mehr. Zumindest nicht mehr in der ursprünglichen Form. Aber den letzten Tag liessen sich etliche Besucher nicht vermiesen, gut 600 Eintritte wurden gezählt.

Spatenstich am 1.März 2001: Erich von Däniken 
gräbt vor versammelten Medienvertretern Löcher in die Erde.

Spatenstich am 1.März 2001: Erich von Däniken gräbt vor versammelten Medienvertretern Löcher in die Erde.
Bild: Archiv BO/Zaugg

Anstossen  zum Abschied, 1.November 2009: Ex-CEO Marcel Meier (l.), Erich von Däniken und der neue CEO Bernhard Zysset.

Anstossen zum Abschied, 1.November 2009: Ex-CEO Marcel Meier (l.), Erich von Däniken und der neue CEO Bernhard Zysset. (Bild: Fritz Lehmann )

Chronologie

Am 1.März 2001 erfolgt der Spatenstich zum 80-Millionen-Projekt auf dem Flugplatz Interlaken, am 23.Mai 2003 ist Eröffnung.
Nach anfänglichem Erfolg sinken die Besucherzahlen, die Aktien verlieren über
40 Prozent ihres Wertes. Im Februar 2006 leitet die Standortgemeinde Matten eine Betreibung ein. Im Oktober 2006 wird der millionste Besucher empfangen, kurz darauf schliesst der Park. Ende 2007 kauften die beiden Thuner Unternehmer Stefan Linder und Peter Stähli den Park für 14 Millionen. Mit dem Kauf des Aktienpakets von Stähli und Linder im Oktober 2008 wird Oskar Schärz Hauptaktionär. Mitte Mai 2009 öffnete der Park erneut, rund 90'000 Besucher wollten nochmals rätseln. Nach der Winterpause soll der Park am 2.April 2010 den Betrieb wiederaufnehmen. flg

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Die Initianten haben ihre prognostizierte Zahl von 90000 Besuchern für diesen Sommer deutlich überschritten. Aber Umsatz ist ja bekanntlich nicht gleich Gewinn. Wie es weitergeht, steht weiter in den Sternen – Investoren, verzweifelt gesucht.

Jungfrau Park soll das Areal künftig heissen, schon der Name lässt Ungutes ahnen. «Jungfrau Park, das sagt gar nichts aus», sagt dazu auch Erich von Däniken. Die New Inspiration AG wollte ja schon früher einmal ein Park mit mehr Swissness, der Turm hätte mit Schweizer Kreuz bemalt werden sollen. «Two Lake City» nannte sich das ambitiöse Projekt, das so schnell verschwunden ist, wie es aufgetaucht war.

Die alten Probleme bleiben

Doch auch im neuen Jahr bleiben die alten Probleme: das liebe Geld. Im Mystery Park kann man nicht einfach konsumieren, sondern wird mit unangenehmen Fragen konfrontiert. Was, wenn alles anders gewesen wäre als das, was wir heute wissen? Unheimlich. Am Anfang war Erich von Däniken, seine Bücher, seine Ideen. Danach gings ums Bauen, am Schluss nur noch ums Geld.

Wenn glanzvolle Ideen in der Marktwirtschaft ankommen, nennt man das wohl Realität. Denn Rätsel verkaufen sich schlecht zweimal. Deshalb wird der Mystery Park in der heutigen Form nicht überleben. Es ist trotz über einer Million Besucher ein Minderheitenprogramm, besser wären Achterbahnen. Aber wir sind nicht in deutschen Rust, und hier gibt es auch keine Familie Mack, die über Jahrzehnte ihr ganzes Herzblut für eine Idee einsetzt.

Ein Serientäter

Nichtsdestotrotz hat mich persönlich der Rätselpark immer fasziniert. Als der Spatenstich erfolgte, freute ich mich wie ein kleines Kind. 2005 habe ich ihn zum ersten Mal besucht, danach immer wieder, eindeutig ein Serientäter. Und war stolz, dass im oft als rückständig belächelten Oberland so etwas möglich ist. Der Park hatte ein ganz anderes Flair als die anderen touristischen Einrichtungen, ein Tor zur grossen weiten Welt wurde aufgestossen.

Doch die Ernüchterung erfolgte bald, als die ersten Geldprobleme auftauchten. Was danach folgte, ähnelte einer griechischen Tragödie, der schicksalhafte Protagonist ist eindeutig Erich von Däniken, der geistige Vater des Parks. Eines tut er nie: aufgeben. Er hielt den ganzen letzten Sommer lang Vorträge über den mystischen Mayakalender und schreibt laufend neue Bücher. Als ihn eine Besucherin auf die Zukunft des Parks ansprach, antwortete er lapidar: «Es wird weitergehen, keine Angst.» Viele Besucher liessen sich ihre Bücher von Erich von Däniken signieren und freuten sich wie kleine Kindern, wenn sie am Autogrammtisch neben ihrem Rätselidol Platz nehmen durften.

Personal ist freundlich

Am gestrigen Sonntag wurde noch einmal kräftig gerätselt, das Personal war freundlich wie immer, lediglich hier und da zeigte die Technik Ermüdungserscheinungen. In der Show «Orient» mussten die Besucher den Saal mitten in der Vorführung verlassen, weil nichts mehr ging. Nichtsdestotrotz wurden noch Techniker aufgeboten, damit die enttäuschten Besucher ihre Show doch noch erleben durften. Gemäss CEO Marcel Meier war die Verwässerung des Angebots ein voller Erfolg. Mit der Errichtung des Familiy Paradise, eines riesigen Spielplatzes für Kinder, der Kartbahn und weiterer Attraktionen habe man den Park aufgewertet. Nächstes Jahr ist der neue CEO Bernhard Zysset am Drücker, um zu beweisen, dass der Mystery Park eine Zukunft hat. Jetzt löschen vorerst die Lichter im Rätselpark.

Die Gläser hob man gestern trotzdem: Gestern, 17 Uhr, prosteten Rätselfans aus aller Welt dem Park noch einmal zu. Grosse Reden gab es keine, eher eine stille Andacht. Marcel Meier stiess zusammen mit Erich von Däniken und Bernhard Zysett an: «Auf die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft des Mystery Park.» (Berner Oberländer)

Erstellt: 02.11.2009, 08:45 Uhr

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