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Klinik macht dem Heim Platz

Von Peter Rothacher. Aktualisiert am 27.10.2010

Aus dem Alters- und Pflegeheim Lindenmatte sowie der Klinik Erlenbach soll ein Alterszentrum mit mindestens 70 Betten entstehen. Der Verein Pro Senectute Niedersimmental steht geschlossen hinter dem Projekt.

Die Zufahrt zum Alters- und Pflegeheim Lindenmatte (dunkle Holzfassade), zum Spital-Altbau (Mitte) und zur Klinik Erlenbach.

Die Zufahrt zum Alters- und Pflegeheim Lindenmatte (dunkle Holzfassade), zum Spital-Altbau (Mitte) und zur Klinik Erlenbach.
Bild: Peter Rothacher

Sie präsentierten das Projekt Alterszentrum Erlenbach (v.l.):
Thomas Mann, Katharina Antener und Beat Klossner. (Bild: Peter Rothacher)

Ohne Postakutpflege

Peter Dolder ist Verwaltungsratspräsident der Alterswohnen STS AG, welche in Erlenbach die «Sonnenstube» betreibt (siehe Haupttext). Er ist zugleich Vizepräsident des Verwaltungsrates der Spital STS AG und bestätigte gestern auf Anfrage am Telefon, dass deren Postakutpflege (Übergangspflege) längerfristig von Erlenbach an einen anderen Standort verlegt werde. «Das passiert nicht von heute auf morgen, aber wenn das Alterszentrum kommt, benötigt dieses den gesamten Raum.» Zudem mache es wenig Sinn, viel Geld in eine Sanierung der Postakutpflege-Abteilung – mit ungewisser Zukunft – zu stecken. «Eine nachhaltige Zukunftssicherung des Standortes Erlenbach ist nur über die Realisierung des Alterszentrums zu erreichen», erklärte Dolder. Im Endausbau werde dieses wieder etwa gleich viele Arbeitsstellen bieten. Der Bedarf an Langzeitbetten sei gegeben und es sei mit einer Zunahme des Personalbedarfs im Pflege- und Betreuungsbereich zu rechnen.

Die Absicht wurde bereits kommuniziert – nun sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden: An der ausserordentlichen Mitgliederversammlung der Pro Senectute Niedersimmental in Erlenbach waren 36 von insgesamt 46 Vereinsstimmen vertreten. Sie erteilten dem Vorstand einstimmig die Kompetenz respektive den Auftrag, ein Alterszentrum Erlenbach zu planen und zu realisieren. «Bereits im Vorfeld haben sich alle – inklusive der neuen Thuner Gemeinden Reutigen, Nieder- und Oberstocken – positiv zum Projekt geäussert. Und die nun demonstrierte Solidarität vom Stockental über Spiez bis Oberwil erfüllt uns mit Genugtuung», erklärte Vereinspräsident Thomas Mann.

Überall Sanierungsbedarf

Das von der Pro Senectute geführte 23-jährige Alters- und Pflegeheim Lindenmatte (46 Betten) ist in gutem Zustand. Bezüglich Infrastruktur und Raumbedarf genügt es aber den Anforderungen nicht mehr. Bei der «Sonnenstube» (24 Betten) der Alterswohnen STS AG – einer Tochtergesellschaft der Spital STS AG – ist gemäss den neuen kantonalen Auflagen ein doppelt so grosser Flächenbedarf gefordert. Die Betriebsbewilligung wurde deshalb bloss befristet erteilt. Beim Klinikgebäude mit 26 Betten in der Postakutpflege der Spital STS AG besteht ein hoher technisch-baulicher Sanierungsbedarf.

«Das Angebot der Übergangspflege scheint bei städtischen Patienten auf mässige Akzeptanz zu stossen und dürfte langfristig gefährdet sein», informierte Thomas Mann. Somit wäre dann auch die Gesamtversorgung über die Spitalküche und -wäscherei nicht mehr gewährleistet.

Karten offengelegt

Unter den gegebenen Umständen rentiere der eigenständige Betrieb der «Sonnenstube» mit 24 Betten nicht, hielt Mann fest. Peter Dolder, Verwaltungsratspräsident der Betreiberin und Vizeverwaltungsratspräsident der Spital STS AG, habe deshalb gegenüber der Pro Senectute mit offenen Karten gespielt. Thomas Manns Fazit: «Um sicherzustellen, dass die 24 Bedarfsbetten in der Region bleiben, braucht es ein Gesamtkonzept mit einer Trägerschaft. Es ist im Interesse der Region, dass unser Verein diese Funktion übernimmt.»

Beat Klossner, Präsident des Projektleitungsausschusses, sagte: «Ohne grundlegende Sanierung kann das heute vorhandene und nötige Langzeitbettenangebot auf dem Platz Erlenbach nicht gehalten werden. Auch dem Bedarf an Alterswohnungen kann nicht entsprochen werden.» Die planerischen Berechnungen basierten auf der räumlichen und organisatorischen Zusammenführung von «Sonnenstube» und «Lindenmatte» mit 70 bis 80 Betten sowie der Schaffung von Raum für Alterswohnungen und betreutem Wohnen unter einer Trägerschaft.

Drei Varianten in Prüfung

Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wurden drei Varianten (inklusive Provisorien für die vorübergehende Auslagerung von Bewohnern) geprüft:

A: Zusammenfassung und Sanierung der Gebäude Lindenmatte und Bettentrakt der Klinik zum Alterszentrum. Weitgehender Rückbau des Spital-Altbaus und Erstellen eines eingeschossigen Verbindungstraktes (Kostenschätzung: 13,9 Millionen Franken).

B: Wie A, aber mit Umbau des Spital-Altbaus zur Nutzung mit Alterswohnungen und Personalzimmer (Kostenschätzung: 16,3 Millionen).

C: Wie A, aber mit Neubau auf dem Areal des heutigen Spital-Altbaus für 12 Alterswohnungen (Kostenschätzung: 16,37 Millionen).

Der Vorstand favorisiere klar die Variante C, wurde informiert.

Finanziell realisierbar

Katharina Antener, Geschäftsleiterin der «Lindenmatte», hielt fest, dass der Kanton nur noch Investitionen an die Erdbebensicherheit der Gebäude leiste. Die Heime seien seit 2008 für ihre Wirtschaftlichkeit selber verantwortlich. In Erlenbach funktioniere das und man habe bereits auch finanzielle Rückstellungen erwirtschaftet. «Dank der neuen Pflegefinanzierung mit höheren Ergänzungsleistungen und einem baldigen Zusammenschluss mit der ‹Sonnenstube› ist das Projekt laut Finanzfachleuten über eine vorübergehende Verschuldung finanzierbar.» Als Geschäftsleiterin liege ihr zudem am Herzen, dass die Arbeitsplätze und das Team so erhalten blieben.

Den Vereinsmitgliedern (Gemeinden, Kirchgemeinden und Frauenvereine) würden keine Kosten erwachsen, wurde an der Versammlung betont. «Wir sind aber froh um Fachleute aus den Gemeinden, die in unseren diversen Arbeitsgruppen mitmachen. Auch gestalterische Beiträge sind sehr willkommen», erklärte der Vereinspräsident. «Dank der guten Verwurzelung des Vereins in der Region, kann diese mitreden – das ist ein grosses Privileg.»

Ohne Behandlungstrakt

Der Vorstand wird nun die Planung über weitere Detailabklärungen auf eine Variante fokussieren und bis zum Baubewilligungsverfahren vorantreiben. Beat Klossner hofft auf eine Realisierung des Alterszentrums in den Jahren 2013 bis 2015. Vom Projekt Alterszentrum ausgeklammert bleibt der Behandlungstrakt der heutigen Klinik, der auch künftig von der Spital STS AG als Praxisraum vermietet werden soll. (Berner Oberländer)

Erstellt: 27.10.2010, 10:20 Uhr

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