Region

Kein Rauchen, kein Problem

Von Christoph Kummer. Aktualisiert am 30.06.2009

Nicht alle Wirte in Thun ärgern sich übers Rauchverbot, das ab morgen in Kraft tritt. Die Betreiber der Shisha Bar sehen es als Herausforderung und bauen ein exklusives Fumoir; im «Orients» ist das Verbot bereits ein alter Hut.

Im 1. Stock ein Fumoir: David De Souza (l.) und Mathias Bühler vor ihrer Shisha Bar an der Marktgasse in Thun.

Christoph Kummer

Amt Thun: Rund 30 Gesuche sind gestellt worden

Ab morgen darf im ganzen Kanton Bern in öffentlich zugänglichen Räumen wie Einkaufszentren, Schulen und Restaurants nicht mehr geraucht werden. Die genauen Bestimmungen sind seit Anfang April bekannt.

Einzig in Fumoirs, also abgeschlossenen Räumen mit eigener Lüftung, darf weiter gepafft werden. Darin dürfen auch Speisen und Getränke konsumiert werden. Das Fumoir darf jedoch nicht mehr als einen Drittel der Bodenfläche aufweisen und maximal 60 Quadratmeter gross sein. Damit will der Kanton verhindern, dass «Raucherrestaurants» erstellt werden.

Bei Gastro Bern sind die Bestimmungen heftig umstritten: «Zu grossen Teilen unsinnig und in der Umsetzung schlicht nicht praktikabel», teilte der Verband mit. Er hat beim Bundesgericht Beschwerde gegen die Verordnung geführt. Der Entscheid steht aus.

Wer ein Raucherstübli bauen will, muss eine Bewilligung einholen. Bei Stephan Zingg, Vizeregierungsstatthalter im Amt Thun, sind bislang rund 30 Gesuche eingegangen. Die Hälfte davon ist bewilligt. Zu den Thuner Betrieben, die eine Bewilligung haben (oder sogar schon ein Fumoir), gehören nebst dem «Orients» auch das «Morris», die Café Zentral Bar und der «Red Ox». Noch im Bewilligungsverfahren befinden sich nebst der Shisha Bar zum Beispiel das «Saint Trop», der «N8Stern» und das «Funkhouse» (vgl. auch Haupttext). Nicht nur Thuner Restaurateure wollen ein Fumoir: «Von Heimberg über Horrenbach-Buchen bis Sigriswil sind Gesuche eingegangen», sagt Zingg.

Für ihn bedeutet das mehr Arbeit: «Ich bin nun dauernd für Kontrollen und Gespräche unterwegs.» Auf Herbst, wenn es kälter wird, erwartet Zingg eine neue Welle von Gesuchen. chk

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Ab Mittwoch gilts auch in Thun Ernst: in Bars und Restaurants darf nicht mehr oder nur noch in Fumoirs gepafft werden. Klar, dass sich die Freude der Wirte über das Gesetz zum Schutz vor Passivrauchen in Grenzen hält. 25 Wirte aus der Region gingen auf die Barrikaden und schrieben dem bernischen Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher Ende April einen Brief: sie baten ihn, das Gesetz aufzuweichen. Jedoch ohne Erfolg (wir berichteten). Andere Wirte haben sich mittlerweile mit dem Rauchverbot angefreundet und betrachten es sogar als Chance. Zu dieser Sorte gehören Mathias Bühler und David De Souza. Sie führen die Shisha Bar an der Marktgasse.

Ein Drittel mehr Platz

Die beiden umtriebigen Restaurateure, die schon mehrmals für positive Schlagzeilen sorgten, bereiten momentan den Bau ihres Fumoirs vor. Sie warten auf die Baubewilligung für die auf 1. September geplante Raucher-Lounge, so wie auch andere Wirte im Amt Thun (vgl. Kasten). «Wir erweitern unsere Bar um einen Drittel. In der neuen Smoker’s Lounge werden 25 Gäste sitzen können», sagt David De Souza. Wo heute im ersten Stock eine weisse Wand mit Tür steht, kommt die Glas-Trennwand zum Fumoir hin. Es ersetzt die bisherigen Büro- und Personalräumlichkeiten. «Wir hatten Glück, dass noch ein Raum vorhanden war.» Weil sie nach dem Umbau mehr Sitzgelegenheiten haben, stellen die beiden auf 1. September eine zusätzliche Arbeitskraft an. Bis dahin gilt im Lokal Rauchverbot.

Die Planung des Fumoirs habe bereits im letzten Oktober begonnen. «Doch richtig anfangen konnten wir erst im April, nachdem die Verordnung veröffentlicht worden war und wir wussten, was erlaubt ist», sagt De Souza. Allein für das Lüftungssystem seien unzählige Stunden für Abklärungen investiert worden. Der studierte Betriebswirtschafter schätzt die Kosten auf über 100'000 Franken.

Beschwerde ohne Erfolg

«Ich mag nicht darüber philosophieren, ob das Rauchverbot gut ist oder nicht», sagt De Souza. Er reichte vor einigen Wochen Beschwerde beim Bundesgericht gegen das Gesetz ein. Er will erreichen, dass er weiterhin Wasserpfeifen anbieten kann, ohne ein Fumoir bauen zu müssen. «Mit einem Entscheid ist nicht vor Oktober zu rechnen.» Eine aufschiebende Wirkung hat er nicht erhalten. Er macht deshalb das Beste daraus: «Wir wollen unseren Gästen etwas Exklusives bieten. So haben wir auch einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz.» Zudem seien die letzten Monate aus unternehmerischer Sicht extrem spannend gewesen.

Fumoir bereits installiert

Ein Vorsprung gegenüber allen, auch die Betreiber der Shisha Bar, hat Cetin Gül. Ihm gehört die Orients Bar Lounge an der Frutigenstrasse. Gül hat sein Fumoir seit Wochen fixfertig eingerichtet. «Ich habe geahnt, dass das Gesetz – wenn es kommt – schnell umgesetzt werden muss, und deshalb reagiert», sagt Gül. Ebenso wie die Betreiber der Shisha Bar hatte er Glück: er konnte einen benachbarten Raum mieten und ihn zum Fumoir umfunktionieren. Er bietet 28 Sitzgelegenheiten. Für Gül war ein Fumoir ein Muss: «Ich schätze, dass 80 Prozent meiner Kunden rauchen.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 30.06.2009, 09:51 Uhr

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