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Kari ist bereit zum Durchstarten

«Dällebach Kari» nimmt Form an: Die Seespiele präsentierten erstmals Bühnenbild, Kostüme und weitere News wie etwa das neue Familienticket. Und: Das Verhältnis zu den Anwohnern scheint sich zu beruhigen.

«Das ist ein Bundesratsvelo – eins mit Rücktritt!» Dällebach Kari (Hanspeter Müller-Drossaart) 
in der Halle 6. Im Hintergrund: Hauptdarstellerin Carin Lavey (Annemarie) und Komponist Moritz Schneider.

Markus Grunder

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Die Thuner Seespiele scheinen im Hoch zu sein: «Im Ranking des Fachmagazins ‹Da Capo› wurden wir auf Rang drei der schönsten Bühnen Europas gewählt», verkündete Produzent Andreas Stucki am Mittwochabend an einem Partneranlass in der Halle 6 stolz. Bregenz folge in diesem Ranking «erst» an 17.Stelle.

Damit Thun weiterhin mit der tollen Naturkulisse punkten kann und das Musical «Dällebach Kari» nächsten Sommer 70'000 Leute an den See lockt, betreiben die Seespiele einen unvergleichlichen Promotionsaufwand: 4 Millionen Kaffeerahmportionen, 600'000 Coop-Tragtaschen und 400'000 Tischsets werden mit dem Konterfei der Hauptfigur Dällebach Kari (Hanspeter Müller-Drossaart) bedruckt und verteilt. Dazu kommen Kari-Statuen und das Schweizer Fernsehen als Medienpartner.

In kleiner Besetzung wurde das Stück in den vergangenen zwei Wochen erarbeitet und komplett aufgeführt. «Das gab allen Beteiligten einen grossen Schub: Jetzt haben wir die Gewissheit, dass das Stück funktioniert und die Balance zwischen lustigen und traurigen Szenen stimmt», sagte Intendant Ueli Schmocker. «Wir sind froh, dass wir diesen Workshop machen konnten, wie es auch bei Uraufführungen in New York oder London üblich ist», meinte Stückentwickler Christian Struppeck. «Nur so erreichen wir das internationale Niveau, das wir anstreben.»

Das Stück soll weiterreisen

Dieses Niveau ist auch nötig. Der Heimatland Verlag, der das Stück entwickelt, ist zum Erfolg verdammt. Nur mit dem Musicalsommer lassen sich die Produktionskosten nicht decken – auch, weil die Anzahl Abendvorstellungen auf 29 beschränkt ist. «‹Kari› endet nicht mit der Derniere in Thun, das sage ich schon jetzt», sagte Produzent Andreas Stucki und tönte damit an, dass das Stück schon vor der Uraufführung weiterverkauft sein könnte. Dabei kann er auch auf die Unterstützung der Anwohner zählen: Im letzten Jahr gab es keine einzige Reklamation wegen Lärms.

Mit Morell und Vaglio

Zwei weitere wichtige Rollen sind besetzt: David Morell, seit Beginn immer wieder bei Seespiele-Produktionen dabei, spielt den Aeberli, Dällebachs Schulfreund, der Nationalrat wird. Und Sergio-Maurice Vaglio, der bei «Elisabeth», «Miss Saigon» und «Les Misérables» die Thuner Herzen erobert hatte, spielt den «Professor», eine Allegorie auf den Alkohol. Er wollte seine Musicalkarriere eigentlich an den Nagel hängen, liess sich dann aber überzeugen und nennt sich jetzt Maurice Merlo.

Bühne und Kostüme

Ebenfalls zum ersten Mal zu sehen bekamen die Gäste eine Animation des Bühnenbildes: Es besteht aus einer flach liegenden Altstadtfassade, deren Fenster die Aufgänge für die Darsteller bilden. Ins Auge stechen der aufragende «Zytglogge»-Turm und die Brücken, welche die Bühne links und rechts einrahmen. Dazu kommen Tische und Stühle als Wirtschaft Grüneck und ein mobiler, drehbarer Coiffeursalon auf Rädern. Die präsentierten Kostümentwürfe orientieren sich stilistisch an der Jahrhundertwende und den Dreissigerjahren. «Sie sind historisch, aber nicht museal-detailgetreu gedacht», erklärte Kostümbildnerin Uta Loher. Dass das Stück immer greifbarer wird, dafür sorgte auch die Musik, die definitiv Gänsehaut-Potenzial hat und die Emotionen mit der grossen Kelle anrichtet. «Die Musik erfüllt internationale Massstäbe», zeigt sich Arrangeur Michael Reed aus London (u.a. «Das Phantom der Oper») überzeugt.

Gourmet-Gastronomie

Bei den teuersten Tickets gibts neue Angebote: In der «sky lounge», dem neuen zweiten Stockwerk des Musical-Restaurants, verarbeitet Spitzenkoch Urs Messerli («mille sens», 15 Gault-Millau-Punkte) Gerichte und Produkte von damals zu neuzeitlichen Kreationen. Zuoberst auf der Tribüne gibts eine gedeckte Loge, die letztes Jahr erfolgreich getestet wurde. Aber auch für die weniger Betuchten gibts Neuerungen: An den generell schwächer besetzten Wochentagsvorstellungen bezahlen Eltern, die mit ihren Kindern kommen, nur den Kindertarif, und für Jugendliche in Ausbildung gibt es an diesen Tagen ein «Young-Ticket» für 45 Franken. Dass der Stadtberner Coiffeurmeister heute noch bewege, sei auch im Billettverkauf zu spüren: 10'000 Karten sind gemäss Intendant Ueli Schmocker schon weg. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 12.02.2010, 16:41 Uhr

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