Kandersteg wird 100-jährig
Guisan besucht den Ort
Ein Thema taucht in der Festschrift immer wieder auf: Die Armee. Insbesondere der Zweite Weltkrieg ist bei den Verfassern noch in der Erinnerung vorhanden. General Guisan zum Beispiel besuchte 1941 den Reduitort Kandersteg. Ein Bild mit Bataillonskommandant Major Jakob Reichen, Hotelier des Kurhauses Bühlbad, bestätigt dies. Verschiedene Hotels und Lebensmittelgeschäfte hätten die schwere Zeit nur dank militärischen Einquartierungen überlebt, wird berichtet. Auch die Essensausgabe der Militärküchen an Zivilpersonen wurden dankbar angenommen.
Viele zivile Flüchtlinge, die durch die Kriegswirren nach Kandersteg zogen, gehörten später zu den treuesten Gästen. Die während des Krieges aufgestellten Baracken des Armeesanitätsmagazins – heute Armeeapotheke – zeugen noch von der Armee.
Sie werden jedoch in der nächsten Zeit abgebaut, womit auch wichtige Arbeitsplätze verschwinden. Noch aktuell ist die Kaserne «Bären» (früher ein Hotel). srt
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Die Kandersteger bekommen in diesen Tagen eine schmucke Jubiläumsschrift ins Haus geliefert. Darin sind vor allem Themen behandelt, über die auch im Kandersteger Buch kaum etwas publiziert worden ist. Erinnerungen der einheimischen Autoren und Erzählungen von Zeitzeugen bilden die Grundlage der Schrift. Die Kandersteger Verfasser sind Walter Holzer, Vreni Agostini, Marianne Carizzoni, Ulrich Junger, Heinz Minnig, Heinz Stoller und Paul Breitschild. Die Festschrift wurde gestern Nachmittag druckfrisch der Gemeinde übergeben.
Erste Trennung
Die Trennungsgründe und der recht turbulente Verlauf der Abspaltung der Gemeinde Kandersteg von Kandergrund bilden den Schwerpunkt der Festschrift. Es fing bereits 1850 an. Der Grosse Rat kam einem Gesuch nach – mit diesem Beschluss wurden die Gebiete von Kandergrund, Mitholz, Kandersteg und Gastern von Frutigen abgetrennt – und schuf die Einwohnergemeinde Kandergrund. Man versprach sich durch die Trennung, die Armen vor Ort besser zu betreuen. Im Gegensatz dazu sind die Sozialdienste in der heutigen Zeit wieder regionalisiert, Zusammenarbeit unter den Gemeinden wird wieder gross geschrieben.
Neue Gemeinde entsteht
Die etwa 500 Einwohner Kanderstegs fühlten sich vor 100 Jahren jedoch durch die zurückhaltende Kandergrunder Politik in ihrer Entwicklung behindert. Kandergrund wehrte sich entschieden gegen die Abtrennungsgelüste Kanderstegs und wollte seine Vormachtstellung behalten. Unterschiedliche Entwicklungen der Orte führten 1909 schliesslich zu einer weiteren Abspaltung, Kandersteg wurde gemäss Grossratsbeschluss eine eigenständige Gemeinde. Mehrere Abstimmungen und emotionale Diskussionen hatten vorher die Zerrissenheit innerhalb der Gemeinde zu diesem Thema gezeigt. Während die Kandergrunder vorwiegend von der Landwirtschaft lebten, entwickelte sich der einst armselige Weiler Kandersteg zu enem aufstrebenden Fremdenort.
Lötschberg ist Zukunft
Für Kanderstegs Zukunft sehr wichtig war in den ersten Jahren der Bau der Lötschbergbahn (1906–1913). Sie wird «die schönste Touristenbahn der Welt sein und Kandersteg eine grosse Entwicklung bringen», hiess es damals. Die vielen auswärtigen Arbeiter und der Anschluss an das Schienennetz brachten viel Neues zuhinterst ins Kandertal. Die Bahn ist auch heute noch ein Thema, jetzt eher wegen Abstrichen bei den Verbindungen.
Kandersteg, die flächenmässig viertgrösste Gemeinde im Kanton Bern, weist heute rund 1200 Einwohner auf und ist ein beliebter Ferienort. Als Teil des Unesco-Weltnaturerbes Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn hat es seinen Platz im Tourismusmarkt gestärkt. Gemeindepräsident René Maeder wirft in der Jubiläumsschrift einen Blick in die Zukunft: «Kandersteg ist weit davon entfernt, ein 100-jähriger Greis zu sein. Kandersteg ist vital und auf dem richtigen Weg mit einer sanften, nachhaltigen Weiterentwicklung.» Und das wird am 3.Mai auch gebührend gefeiert.
Die Festschrift wird den Kandersteger Haushaltungen in den nächsten Tagen zugestellt, auswärtige Interessenten können diese bei der Gemeindeverwaltung Kandersteg beziehen. Die Kosten belaufen sich auf 10 Franken. (Berner Oberländer)
Erstellt: 17.03.2009, 09:52 Uhr


