Region

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Kälte vertreibt Bauarbeiter – Strasse frei

Von Dino Dal Farra, Markus Kestenholz. Aktualisiert am 03.02.2012

In der Region Thun geht auf etlichen Baustellen vorerst nichts mehr. Zu gross die Gefahr, dass durch die momentane Kälte grosse Schäden entstehen. Es gibt aber auch wichtige Bauarbeiten, die trotz Minusgraden weiterlaufen.

Die Frutigenstrasse auf der Höhe der Migros Dürrenast in Thun. Die Strasse ist seit gestern wieder beidseitig befahrbar.  Dies allerdings nur vorübergehend: 
Die Baustelle und somit auch die Sperrung stadteinwärts mussten kältebedingt unterbrochen werden.

Die Frutigenstrasse auf der Höhe der Migros Dürrenast in Thun. Die Strasse ist seit gestern wieder beidseitig befahrbar. Dies allerdings nur vorübergehend: Die Baustelle und somit auch die Sperrung stadteinwärts mussten kältebedingt unterbrochen werden.
Bild: Patric Spahni

Artikel zum Thema

Nur die Umleitungstafel bei der Kreuzung Buchholz-, Neufeld- und Schulstrasse deutet derzeit noch auf eine Baustelle hin. (Bild: Patric Spahni)

Gesundheit

Das Arbeiten bei Kälte birgt nicht nur technische Schwierigkeiten, sondern auch gesundheitliche Gefahren. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) warnt vor zu langen Aufenthalten an der Kälte. Eingeschränkte motorische Fähigkeiten begünstigen Unfälle. Zudem können Erfrierungen an den Extremitäten eintreten, bei ständigem Wind, der den Körper zusätzlich abkühlt, schlimmstenfalls sogar lebensbedrohliche Unterkühlungen. Das Seco empfiehlt daher Personen, die im Winter draussen arbeiten, bei Temperaturen von +15 bis –5 Grad sich während höchstens
2½ Stunden draussen aufzuhalten und in einem geheizten Raum eine Pause von mindestens 10 Minuten einzulegen, damit sich der Körper aufwärmen kann. Arbeitern, die sich in einem Aussenbereich mit Temperaturen von –5 bis –18 Grad betätigen, wird eine maximale Aufenthaltsdauer an der Kälte von 1½ Stunden am Stück empfohlen. Dazwischen sollten sie sich 15 Minuten aufwärmen.

Nun hat die sibirische Kälte auch die Thuner Bauwirtschaft im Griff. Die Stadt musste wegen der Minustemperaturen die meisten Arbeiten auf den Strassenbaustellen vorübergehend einstellen, wie sie gestern mitteilte. Vom Baustopp betroffen ist beispielsweise die Baustelle auf der Frutigenstrasse. Dort führen das städtische Tiefbauamt und die Energie Thun AG zusammen mit dem Kanton Werkleitungs- und Kanalisationsarbeiten durch. Die Arbeiten sollen im März 2012 abgeschlossen werden. Doch vorerst geht auf der Frutigenstrasse nichts mehr, weil es schlicht und einfach zu kalt ist.

«Vernünftig und sinnvoll»

Gestern waren in Thun Temperaturen zwischen circa –10 und –6 Grad zu messen. «Bei diesen Bedingungen können wir die Qualität und Sicherheit der Arbeit nicht mehr garantieren», sagte Daniel Burri vom Tiefbauamt der Stadt Thun. «Wenn der Boden gefriert, können später grosse Schäden in Form von Setzungen in der Strasse entstehen, die ebenso massive Kosten auslösen würden.» Speziell bei der Baustelle Frutigenstrasse sei ein vorübergehender Baustopp aufgrund der schlechten Bedingungen vernünftig und sinnvoll. Die Strasse ist sehr stark frequentiert. Das Risiko, dass Schäden entstünden, sei zu gross. «Wir möchten die Angelegenheit möglichst ohne zusätzliche Belastung für die Bürgerinnen und Bürger über die Bühne bringen», so Daniel Burri.

Die Baustelle Frutigenstrasse wurde im Verlauf des gestrigen Tages geräumt. Seit gestern Abend ist die Frutigenstrasse in beide Richtungen normal befahrbar. Wie lang das so bleibt, hängt vom Wetter ab. Wann die Arbeiten wiederaufgenommen werden, ist derzeit noch unklar. «Aufgrund der Temperaturprognosen rechnen wir damit, dass die Baustelle nächste und übernächste Woche geschlossen bleibt», sagte Daniel Burri.

Auch Allmendingen betroffen

Vom kältebedingten Baustopp betroffen sind nebst der Frutigenstrasse im Dürrenast auch die Arbeiten auf der Neufeldstrasse im Abschnitt Talackerstrasse bis Schulstrasse, die Arbeiten am Lindenweg beim Coop Strättligen sowie die Graben- und Werkleitungsarbeiten beim Schulhaus im Dorf von Allmendingen, wo die Zaugg Bau AG am Drücker ist. Auch hier wird die Witterung ausschlaggebend für das weitere Vorgehen sein.

Bestimmte Regeln, unter welchen Umständen gearbeitet wird und wann nicht, bestehen nicht. «Wir beurteilen die Situation von Tag zu Tag neu», sagte Peter Graf von der Zaugg Bau AG.

Kein Unterbruch ist bei der Sanierung der Thuner Scherzligschleuse nötig. Momentan wird die Flusssohle unterhalb der Schleuse repariert, und die Holzsockel werden verkleidet. «Diese Arbeiten können normal durchgeführt werden», sagte Bernhard Schudel, Leiter Gewässerregulierung des kantonalen Amts für Wasser und Abfall, gestern. Verzögerungen seien nicht zu befürchten. Das spektakuläre Projekt hat Mitte Januar begonnen und dauert voraussichtlich bis Mitte März.

Vorerst weiter geht es auch mit den Arbeiten an der entstehenden Unterflursammelstelle beim Thuner Restaurant Waisenhaus. «Wir werden die nächsten zwei bis drei Tage wahrscheinlich fortfahren können», sagte Daniel Rychener, Leiter Technische Betriebe des städtischen Tiefbauamts. Wenn es aber noch kälter wird und der Graben zu gefrieren droht, müssten auch diese Bauarbeiten unterbrochen werden.

Die Container konnten gestern wie vorgesehen in den Boden versenkt werden. «Die Eröffnung ist nach wie vor für Ende Februar geplant», sagte Daniel Rychener. In der neuen Sammelstelle können Anwohner und umliegende Gastrobetriebe neben Glas, Alu und Dosen auch gebührenpflichtigen Kehricht sowie Papier entsorgen.

Baustopp bei Krankenheim

«In der Baubranche muss man gerade Anfang Februar damit rechnen, dass an gewissen Baustellen Abstriche gemacht werden müssen», sagt Fritz Haldimann, Mitglied der Geschäftsleitung der Frutiger AG. «Wenn die Temperatur an solchen Tagen gegen Mittag nicht mehr gegen 0 Grad klettert, muss man sich überlegen, die Arbeiten auf Eis zu legen.» In diesem Sinn habe die Frutiger AG auch im Fall des Krankenheims Spiez, wo die Bauunternehmung derzeit tätig ist, entschieden. Das Baupersonal erhält eine gesetzlich geregelte Schlechtwetterentschädigung von der Arbeitslosenkasse, wenn ihre tägliche Arbeit unmöglich wird. «Diese wird natürlich auch bei frostbedingtem Ausfall der Bauarbeiten beantragt und ausbezahlt», sagte Fritz Haldimann.

Heizung geht wieder

Vom Baupersonal der Stadt Thun musste laut Rolf Maurer wegen Unterbruchs der Arbeiten niemand zu Hause bleiben. «Die Mitarbeiter werden für andere Pendenzen eingesetzt, zum Beispiel für Revisionsarbeiten an Maschinen, fürs Schneeräumen oder für den sonstigen Winterdienst», sagte der Stadtingenieur. Übrigens: Die Thuner Politiker können wieder ohne Schüttelfröste arbeiten. Die Heizung im Rathaus funktioniert seit Mittwochmorgen wieder. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 03.02.2012, 08:30 Uhr

0

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.
Noch keine Kommentare

Populär auf Facebook Privatsphäre