Jubel für seine Majestät, König Kilian I.
Von Jürg Spielmann. Aktualisiert am 24.08.2010 33 Kommentare
(Video: TeleBärn)
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Gratulieren Sie dem König!
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Jeder ein König! Das Motto des Eidgenössischen ist mehr als eine leere Floskel – das Fest war von A (wie Anschwingen) bis Z (wie Zwilchhosen-Hochleistungssport) königlich. In der Thurgau-Arena zu Frauenfeld durfte sich gar noch blaublütiger fühlen, wer aus dem Bernbiet oder – besser noch – dem Oberland angereist war. So wie auch er es tat, um sensationell alle ihm Vorgesetzten wuchtig auf den Rücken zu legen.
Kilian Wenger, der 20-jährige Modellathlet aus der Diemtiger Bäuert Riedern/Horboden, ist seit Sonntag ein grosser und verdienter König. Er macht die Berner glücklich – 18 Jahre nach dem Triumph des Hettiswilers Silvio Rüfenacht. Er macht die Oberländer glücklich – 38 Jahre nach den Königsehren für den Oberwiler David Roschi. Letzterer weiss, was einen schwingenden Prinzen zum König macht. «Kilian ist in den letzten drei Jahren von Jahr zu Jahr extrem besser geworden. Mit seinen 20 Jahren hat er im Sägemehl eine unglaubliche Übersicht.» Es sei einfach grandios gewesen, sagt Roschi. «Der Rummel wird nun gross sein, er muss nun unterscheiden, was gut für ihn ist und was nicht. Das macht er aber schon gut.»
Jeder ein König! Der Frischgekrönte, König Kilian der Erste, wird, wie es sich für seine Majestät gebührt, per Bohag-Helikopter eingeflogen. Er hat die Nacht und den Tag nach seinem bärenstarken Auftritt noch in der Ostschweiz verbracht. Weit über tausend Gratulantinnen und Gratulanten stehen an der Diemtigtalstrasse in Oey bereit und Spalier, um König Kilian und Kranzer Beat Wampfler (Bächlen) zu ehren, zu beklatschen, zu bejubeln. «Es ist so schön, hat er es gepackt», frohlocken die Diemtiger Schulbuben Luca, Oliver, Thomas, Florian und Nando im Chor. Sie seien alle Fans, aber nicht alle Schwinger, sagen sie. Und sie wollen es auch nicht unbedingt werden.
Der Festumzug kann beginnen. Für diesen hat gar auch Siegermuni Arnold, ein prächtiges Tier, den Weg ins Diemtigtal gefunden. Unter grossem Applaus entsteigt Kilian Wenger dem Helikopter. Er packt den Stier nicht bei den Hörnern (die er schlicht nicht hat), sondern führt ihn am Seil. Der König wird von fast allen Berner Eidgenossen mit ihren prächtigen Eichenlaubkränzen empfangen. Sie – und Muni Arnold – begleiten Wenger auf dessen Triumphzug zum Schulzentrum. Dorthin, wo die Feierlichkeiten steigen – dorthin, wo die Musikgesellschaft Erlenbach-Diemtigtal dem Gekrönten erst mal tüchtig den Marsch bläst
Jeder ein König! Viele jener, die gekommen sind, um seine Schwinger-Majestät zu zelebrieren, hatten genau fünf Jahre zuvor keinen Grund zu feiern. Das verheerenden Unwetter brachte Geröllmassen, sorgte für Zerstörung und Leid. Am gestrigen Abend ist das weit weg. Das Dorf präsentiert sich auch an einem Montag im besten Sonntagskleid, ja, es ist schöner denn je. «Dieser Königstitel hat fünf Jahre nach dem Unwetter eine riesige Wirkung für das Diemtigtal», weiss Alt-Bundesrat Adolf Ogi. Freude und Leid seien nahe beieinander. «Freude heilt Wunden und lässt Narben verschwinden.» Er überreicht dem Schwingerkönig nach dem (obligaten) «Freude herrscht!» etwas, «das der Papst und Bill Clinton, nicht jedoch George W. Bush erhalten haben». Es ist einer seiner legendäre Hosentaschen-Kristalle.
Adolf Ogi ist «nur» einer aus einer riesigen Schar an Amts- und Würdenträgern, die dem neuen König persönlich gratuliert. Kulttrainer Hanspeter Latour, der die Berner Schwinger vor Frauenfeld an einem Motivationsvortrag verbal «gedopt» hat, weilt ebenso in Oey wie Regierungsrat Hans-Jürg Käser, der zweifache König Karl Meli, Melanie samt ihren Oesch’s den Dritten die Spitzen der Oberländer und Berner Schwingergemeinde oder auch der Frauenfelder OK-Präsident Urs Schneider. «Der Sieg von Kilian Wenger hat dem Fest die Krone aufgesetzt!», sagt er. 260'000 Besuchende feierten in Frauenfeld das Schweizer Sportfest des Jahres. Urs Schneider ist überzeugt, «dass du, Kilian, eine grosse Karriere haben wirst».
Jeder ein König! Der König sitzt mit seinen drei Schwingkollegen Beat Wampfler, Ruedi Roschi und Roland Knutti auf der Bühne – zwischen farbigen Blumen und feschen Ehrendamen. Und es scheint, als würde der Wenger-Kilian nicht ganz realisieren, wie ihm hier und heute geschieht. Er sei gross und natürlich stark, erfolgreich und trotzdem bescheiden – «so wie das Diemtigtal», sagt Gemeindepräsident Peter Knutti. Und was sagt der Böseste der Bösen? «Freude herrscht! Bleibt noch ein bisschen da am Fest.» Hier ist jeder ein König! (Berner Oberländer)
Erstellt: 24.08.2010, 13:09 Uhr













