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Heisse Fahrten auf kaltem Schnee

Von Ueli Flück. Aktualisiert am 24.01.2011

Kuno Michel vom Skiclub Alpnach erzielte am 68. Inferno-Rennen Tagesbestzeit. Es war sein zweiter Erfolg nach 2005. Bei den Frauen fuhr Marianne Rubi (SC Gündlischwand) ihre Gegnerinnen in Grund und Boden und gewann bereits zum fünften Mal.

1/7 Gündlischwand rast nah am Fels der Seewlifura zu. Die 29-Jährige feierte ihren vierten Sieg in Folge.
Bild: Ueli Flück

   

Samstagmorgen früh in Mürren: Der noch fast volle Mond verabschiedet sich über der Bietenlücke, und über den Bergen erwacht ein wunderschöner Wintertag. Das Thermometer zeigt minus 15 Grad an. Einem spannenden Inferno-Rennen steht nichts im Wege. Bald wird die Sonne die höchsten Gipfel beleuchten. Die Pisten sind hervorragendem Zustand. Kalter Schnee wartet auf heisse Fahrten.

Ein infernalisches Rennen

«Das Ziel ist dort, wo der Fahrer zum Stehen kommt.» So sagt ein geflügeltes Wort. Das mag in den meisten Fällen stimmen, am «Inferno» nicht unbedingt und jedenfalls nicht für alle. Denn mancher Teilnehmer am infernalischen Rennen bleibt stehen, obwohl vom Ziel noch weit und breit nichts zu sehen ist. Es geht ihm ganz einfach im Aufstieg durch den Wirzelwald der Schnauf aus. Das Inferno-Rennen ist halt ein etwas anderes Abfahrtsrennen. Es geht nicht nur bergab, sondern auch «äbeswägs» und bergauf. Zum 1928 erstmals und jetzt zum 68. Mal ausgetragenen Teufelsrennen wird heute unterhalb des Kleinen Schilthorns gestartet. Das Ziel befindet sich 7,5 Kilometer und rund 1100 Höhenmeter weiter unten in Mürren.

«Der Fahrer mit der Startnummer 1 eröffnet das Rennen», könnte man erklären. Meistens ist es so, aber nicht am «Inferno». Da bringen sich zuerst rund 60 Sternlifahrer in Fahrt, bevor die Cracks, solche, die am «Inferno» schon reüssiert haben, in die Tiefe stechen. Die Nummer 1 aber, der Mario Teuscher aus Därstetten, der Tagessieger der drei vergangenen Jahre, fehlt. Die Grippe hat ihn ins Bett gelegt. Der Kampf um seine Nachfolge ist spannend. Kuno Michel aus Kerns, der schon 2005 gewonnen hat, ist 7 Minuten und 51,03 Sekunden unterwegs und entscheidet das Rennen mit 2,35 Sekunden Vorsprung für sich. Mathias Salzmann, der auch schon zweimal gewonnen hat, kommt mit der zweitbesten Zeit ins Ziel und gewinnt bei den Senioren I. Die Senioren II müssen den Bayern Klaus Zürn ein weiteres Mal als den Stärksten anerkennen. Und bei den Frauen ist Marianne Rubi vom SC Gündlischwand eine Klasse für sich. Die Zweite, die Grindelwalderin Nicole Almer, büsst 27,76 Sekunden ein.

Die Schnellsten feiern schon lange. Da startet, rund sechs Stunden nach den Ersten, ein Adliswiler mit der Nummer 1717. Und er wird mit der sechstbesten Zeit des Tages gestoppt! Eine Riesenüberraschung? Eigentlich nicht. Der 32-Jährige heisst Daniel Züger, gewann als Abfahrer ein Europacuprennen und klassierte sich im Weltcup zweimal unter den 15 Besten.

Auch ein Sir startet. Es ist der erfolgreichste britische Olympiateilnehmer aller Zeiten. An fünf aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen hat er sechs Medaillen gewonnen, davon fünf goldene. Sir Steven Geoffrey Redgrave gewann das Edelmetall allerdings nicht als Skifahrer, sondern als Ruderer. Das Inferno-Rennen beendet der 49-Jährige in 13 Minuten und einige Sekunden auf Platz 488 der Senioren I.

Franz Sonderegger, der Einheimische, ist zwar kein Sir. Der 78-Jährige ist aber der älteste Startende. Und er ist der Rekordteilnehmer. Er erreicht das Ziel zum 52. Mal! «Natürlich bin ich nächstes Jahr wieder dabei», verspricht der fitte Senior. Albert «Böbs» Feuz bestreitet sein 48. «Inferno». 1968 und 1969 hat er gewonnen. Sein Ziel: «50 Starts, dann reichts.»

«Das Ziel ist dort, wo der Fahrer zum Stehen kommt.» Einige kamen nicht soweit, weil sie, bevor sie standen, zum Liegen kamen. Zwei mussten ins Spital eingeliefert werden: Einer erlitt eine Hirnerschütterung, der andere brach sich ein Bein. Das sind weniger Unfälle als an einem ganz gewöhnlichen Skisonntag. «Die Piste war in hervorragendem Zustand», rühmte nicht nur Sieger Kuno Michel, sondern auch Fahrer, die weit nach ihm auf die Strecke gingen.

An der stimmungsvollen Preisverteilung in der Mehrzweckhalle des Sportzentrums Mürren, danken die Inferno-Renner OK-Präsident Ueli Stäger, Rennleiter Thomas Gertsch und ihren Helferinnen und Helfern mit einem tosenden Applaus. (Berner Oberländer)

Erstellt: 24.01.2011, 08:01 Uhr

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