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Hat der Beizenkönig Rechnungen getürkt?

Von Roger Probst. Aktualisiert am 30.08.2010 1 Kommentar

Ein bekannter Beizenkönig soll im Nachgang zum Hochwasser 1999 versucht haben, seine Versicherung um mehrere Hunderttausend Franken zu prellen. Am Dienstag, mehr als zehn Jahre danach, steht er nun in Thun vor Gericht.

Ob der Beizenkönig J. tatsächlich Rechnungen getürkt hat, wird sich ab Dienstag zeigen.

Ob der Beizenkönig J. tatsächlich Rechnungen getürkt hat, wird sich ab Dienstag zeigen.
Bild: Keystone

Das Hotel-Restaurant Stella del Lago in Oberhofen wird am 2.November in Thun öffentlich versteigert. Und zwar im Rahmen eines betreibungsrechtlichen Verwertungsverfahrens. Der amtliche Wert des Areals beläuft sich laut Ausschreibung auf über 1,9 Millionen Franken, die betreibungsamtliche Verkehrswertschätzung sogar auf 2,6 Millionen Franken.

Das Stella del Lago bleibt aber trotz des laufenden Verfahrens weiterhin geöffnet. Besitzer des Stella del Lago ist Beizenkönig J., der offensichtlich in Geldnöten steckt. So musste beispielsweise das Hotel Bahnhof in Ins, ebenfalls ein Betrieb von J., vor wenigen Wochen zwangsversteigert werden.

Der Angeklagte J.* ist in der Berner Gastroszene kein Unbekannter. In den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts hat sich der gewiefte Geschäftsmann im ganzen Kanton ein Beizenimperium aufgebaut. In der Region Thun gehörten ihm in seiner geschäftlichen Blütezeit unter anderem das ehemalige Sinnebrüggli (heute Al Ponte) und das Marioni (heute Rialto) in Thun, das Ristorante da Vito in Steffisburg oder das Restaurant Stella del Lago in Oberhofen.

Gerüchte und Vorwürfe

Den geschäftlichen Erfolg musste J., der in Kosovo aufgewachsen und 1984 in die Schweiz eingewandert ist, teuer bezahlen. So hielten sich hartnäckig Gerüchte, wonach er seine Betriebe mit Schwarzgeld finanziere. Als das Stella del Lago Anfang März 2002 ein Raub der Flammen wurde, war von einem «heissen Abbruch» die Rede. Kurz zuvor war J. ein Schliessungsbefehl ins Haus geflattert. Brandexperten ermittelten schliesslich eine technisch bedingte Störung in den Elektroinstallationen des Bades als Ursache des Feuers.

Gelegentlich lag J. auch mit den Behörden im Clinch: So zum Beispiel wegen AHV-, BVG- und Steuerschulden in Millionenhöhe, Schwarzarbeitern auf der Baustelle, wo das Stella del Lago wiederaufgebaut wurde oder wegen Bauen ohne Baubewilligung beim Restaurant Marioni in Thun. Zu einer Verurteilung kam es indes nie.

Nur noch im Hintergrund

Nach dem finanziellen Debakel beim «Swiss Casino» in Pristina (Kosovo), das ihn beinahe in den Ruin getrieben hat (wir berichteten), agiert J. nur noch im Hintergrund. Viele seiner langjährigen Betriebe führen nun seine Frau und seine Brüder. «Im Herzen bin ich ein Gastgeber, und das werde ich auch immer bleiben», sagt J. Auch wenn er sich vermehrt aus dem operativen Bereich zurückgezogen habe.

Ab morgen hat sich nun J. vor Gericht zu verantworten. Ihm werden Betrug und Urkundenfälschung vorgeworfen, beides mehrfach begangen im Zusammenhang mit den Reparaturarbeiten nach dem Hochwasser 1999 am Restaurant Stella del Lago in Oberhofen. Konkret soll J. Belege über Lieferungen und Arbeiten gefälscht haben, um die Versicherung um mehrere Hunderttausend Franken zu prellen. Mit J. vor Gericht steht sein mutmasslicher Komplize, der damals bei einer Steffisburger Firma arbeitete, welche bei den Reparaturarbeiten beteiligt war.

In einem weiteren Fall, welcher das Kreisgericht unter dem Vorsitz von Jürg Santschi morgen Dienstag und übermorgen Mittwoch zu beurteilen hat, soll J. einen Einbruch vorgetäuscht haben, um dann 47000 Franken bei der Versicherung einzufordern. Er machte geltend, dass dieser Betrag gestohlen worden war.

Wieso erst jetzt vor Gericht?

Das Hochwasser 1999 liegt bereits mehr als zehn Jahre zurück. Dass der Fall erst jetzt vor Gericht kommt, wirft Fragen auf. Haben die Ermittlungsbehörden geschlampt? «Zu laufenden Verfahren äussern wir uns grundsätzlich nicht», sagt Olivier Michel von AXA Winterthur, der mutmasslich geprellten Versicherung. Allgemein lasse sich aber sagen, dass äusserst selten Streitfälle zwischen Versicherungsgesellschaften und Kunden vor Gericht enden würden. In den meisten Auseinandersetzungen wegen Verdacht auf Versicherungsmissbrauch werde eine aussergerichtliche Einigung angestrebt. «Wir haben ein Interesse daran, dass wir einen Fall innert nützlicher Frist abschliessen können», so Michel. Ein Gerichtsverfahren sei mit zusätzlichen Kosten und Aufwand verbunden, was schliesslich auch zulasten der anderen Versicherten gehe. «Das wollen wir – wenn möglich – verhindern.»

Übrigens: Mitte Oktober 2009 war die Hauptverhandlung ein erstes Mal vor dem Kreisgericht Thun angesetzt. Sie musste aber tags zuvor kurzfristig verschoben werden, weil es dem Angeklagten aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich war, den Gerichtstermin wahrzunehmen.

*Name der Redaktion bekannt (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 30.08.2010, 08:49 Uhr

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1 Kommentar

Patrick Zwahlen

30.08.2010, 11:22 Uhr
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Warum dauerte das bis jetzt, bis dieser Herr endlich antraben muss ? Hatten die Behörden Angst, oder wurde er gar von oben geschützt ? Wusste man doch schon lange im Raume Thun, dass da etwas nicht sauber ist..... Antworten



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