Gewerbezone im Thuner Ostamt geplant

Von Stefan Kammermann. Aktualisiert am 16.03.2010

Die Gemeinde Oberlangenegg will im Thuner Ostamt eine Gewerbezone für die Region erschliessen. Ziel ist es, die Entwicklung des ländlichen Raums zu stärken und das Abwandern von Gewerbebetrieben abzuwenden.

Auf dem Areal der Eicher Holzwaren AG hat sich mangels Alternativen bereits Gewerbe angesiedelt. Jetzt will die Gemeinde Oberlangenegg dort eine regionale Gewerbezone schaffen.

Stefan Kammermann

Stichworte

Pilotprojekt für 30 Gemeinden

Der regionale Richtplan «Arbeitsschwerpunkte» wurde von der Planungsregion Thun-Innertport (TIP) ausgearbeitet, um sämtliche Gewerbestandorte in der Landregion Thun zu erheben. «Dabei wurden die Bedürfnisse von 30 Gemeinden erhoben und zusammengetragen», sagt TIP-Geschäftsführer Melchior Buchs. Dies mit dem Ziel, Entwicklungsmöglichkeiten für Gewerbebetriebe im ländlichen Raum zu schaffen. Der Richtplan gilt als kantonales Pilotprojekt. «Er bietet Möglichkeiten, das Gewerbe in den Landregionen zu halten, damit sie nicht in die Agglomerationen abwandern müssen», sagt Elisabeth Bernard, zuständige Sachbearbeiterin beim kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnung. Dabei wurde überprüft, wo neue Gewerbestandorte ausgeschieden oder erweitert werden können. Insgesamt sind im Richtplanperimeter, der neben dem Ostamt das Thuner Westamt sowie die Gemeinden Diemtigen und Erlenbach umfasst, 17 mögliche Standorte bezeichnet. Gefordert seien jetzt die Gemeinden, welche mit dem Richtplan im Rahmen der Ortsplanung entsprechende Gewerbezonen schaffen könnten. «In den nächsten 15 Jahren bietet der Richtplan genügend Platz für das regionale Gewerbe», ist sich Melchior Buchs sicher. sku

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«In praktisch jeder Gemeinde unserer Region gibt es Gewerbebetriebe, die sich nicht weiterentwickeln können», sagt Ueli Jaberg, Gemeindepräsident von Oberlangenegg. Angesprochen ist damit ein Problem, welches historisch gewachsen ist. Zahlreiche Betriebe im Thuner Ostamt befinden sich an dezentraler Lage in der Landwirtschaftszone. Ein Ausbau ist daher nur beschränkt oder gar nicht möglich. Nicht zuletzt auch deshalb, weil das Bundesgesetz über die Raumplanung kleine Gewerbebauzonen, sogenannte Inselzonen, nicht zulässt. Dies hat Folgen für die Region: «Es gibt Gewerbebetriebe, die angesichts fehlender Entwicklungsmöglichkeiten abgewandert sind», sagt Ueli Jaberg. Damit habe die Region nicht nur wertvolle Arbeitsplätze, sondern auch wichtige Steuergelder verloren.

Riesiges Interesse

Unter Mithilfe der Planungsregion Thun-Innertport (TIP) will die Gemeinde Oberlangenegg im Rahmen des regionalen Richtplans Arbeitsschwerpunkte nun Gegensteuer geben (vgl. Kasten). Mittels Überbauungsordnung soll dabei im Gebiet Schwand eine Gewerbezone für die Region realisiert werden. Vorgesehen sind zwei Parzellen mit einer Grösse von insgesamt 19'500 Quadratmetern, welche im Eigentum der dort ansässigen Eicher Holzwaren AG sind. «Die neue Gewerbezone ist ausschliesslich für Gewerbebetriebe mit Emissionen vorgesehen», sagt Ueli Jaberg. Sie wird im regionalen Richtplan deshalb als «Negativstandort» bezeichnet. Gemäss Überbauungsvorschriften ist dort eine Gebäudehöhe von maximal 10 Metern vorgesehen. Die Gebäudelänge ist auf maximal 60 Meter festgelegt.

«Das Interesse seitens der Gewerbetreibenden ist gross», betont Ueli Jaberg. Fünf Unternehmen aus der Region haben ihr Interesse signalisiert. Zum Teil auch Firmen, welche dort bereits ansässig sind und bislang mittels befristeter Spezialbewilligung ihrer Tätigkeit nachgehen konnten. Zudem möchte die Gemeinde Oberlangenegg in der neu geplanten Gewerbezone eine Abfallsammelstelle einrichten.

Strassenausbau nötig

Damit die geplante Gewerbezone überhaupt realisiert werden kann, ist weiter ein Ausbau der bestehenden Erschliessungsstrasse nötig. «Die kantonalen Vorgaben lassen keinen Interpretationsspielraum. Drei Ausweichstellen müssen erstellt sowie die Einfahrt in die Kantonsstrasse vergrössert werden», erklärt der Gemeindepräsident. Wie viel das Anpassen der Strasse kosten wird, ist derzeit offen. «Die Arbeiten werden wir mit der so oder so nötigen Strassensanierung verbinden», sagt Ueli Jaberg.

Mitwirkung läuft

Bis am 26.März kann die Bevölkerung im Rahmen einer öffentlichen Mitwirkung zur geplanten Überbauungsordnung Stellung nehmen. Die Unterlagen liegen auf der Gemeindeverwaltung Oberlangenegg zur Einsicht auf. Läuft alles rund, soll das Vorhaben nach der öffentlichen Auflage, die im August stattfinden soll, im kommenden Herbst der Gemeindeversammlung zur Abstimmung unterbreitet werden. «Die geplante Gewerbezone ist ein Meilenstein und für die Entwicklung der ganzen Region von Bedeutung», betont Ueli Jaberg. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 16.03.2010, 09:00 Uhr

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