Filmen bei minus 10 Grad

Kleine ScheideggVon halb erfrorenen Schauspielern über dramatische Buddelszenen bis zum finalen Füsseföhnen: ein Besuch bei den Dreharbeiten zum Film «Flucht aus Tibet» auf der Kleinen Scheidegg.

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So, und jetzt legt euch ins Schneeloch – ich habs euch schön vorgewärmt.» Andi Lang, der erste Regieassistent, will vorwärtsmachen. Auf dem Filmset tanzt alles nach seiner Pfeife. Die Schauspielerinnen Yangzom Brauen und Hannah Herzsprung kuscheln sich brav in den Schnee. Es ist minus 10 Grad. Ein grosser schwarzer Mantel wird über die beiden geworfen. Ihre Köpfe verschwinden. «So, und jetzt den Schnee drauf», animiert der stets gut gelaunte Lang. Die Crew schaufelt und schaufelt. «Stooop!», ruft es auf einmal unter der Schneedecke hervor. Die Crew hält inne. Brauen darf mit dem Finger ein Atemloch in den Schnee bohren. Dann brüllt Lang gnadenlos: «Action!»

«Der Schnee wurde immer schwerer und dann war es plötzlich stockdunkel. Da haben wir Angst bekommen», wird die Bernerin Yangzom Brauen später sagen. Es ist eine der letzten Szenen der deutsch-schweizerischen Koproduktion «Escape from Tibet – Flucht aus Tibet», die im Herbst 2011 in die Kinos kommt. Der Cast ist international, in den Hauptrollen sind jedoch viele Schweizer zu sehen, darunter Yangzom Brauen, Mona Petri und Carlos Leal. Regisseurin Maria Blumencron erzählt die dramatische Geschichte tibetischer Flüchtlinge, die sich über den Himalaja in die Freiheit retten wollen.

Seit zwei Wochen nun friert eine fünfzigköpfige Crew auf der Kleinen Scheidegg, die den Himalaja spielen darf. Nach intensivem Vergleich sei man zum Schluss gekommen, dass das Schweizer Hochgebirge als Kulisse identisch mit dem «grossen Bruder» sei, versichert der Schweizer Koproduzent Markus Fischer.

Am Set heisst es jetzt: buddeln. Die Kamera filmt, wie das tibetische Flüchtlingskind Tempa, gespielt vom Tessiner Sangay Jäger, die eingeschneiten Frauen erspäht. Der schöne, grosse Himalaja-Führer (David Mc Innes) eilt herbei und buddelt die mittlerweile halb erfrorenen Schauspielerinnen aus. «Cut!», brüllt der erste Regieassistent – obwohl alle noch mitten im Spiel sind. Pech gehabt: Der Film in der Kamera ist zu Ende – und muss ausgewechselt werden.

Yangzom Brauen, die eine tibetische Flüchtlingsmutter spielt, wärmt sich so lange Hände und Füsse an einem mobilen Ofen auf. Ohne doppelte Thermowäsche unter den Kostümen und Wärmekissen in den Schuhen läuft hier gar nichts. Eine Maskenbildnerin nutzt die Gelegenheit, die Erfrierungen in Brauens Gesicht nachzuschminken. Mit ein paar Schneeklumpen im Haar peppt sie das Outfit der Marke Vom-Schnee-verweht routiniert auf. Der Himalaja-Guide wälzt sich derweil ausgiebig im Schnee. Perfekt. Die Buddelszene kann nochmals gedreht werden. «Ruhe!», brüllt der erste Regieassistent.

Doch irgendwie ist der Wurm drin. Einer der Darsteller ruft den 7-jährigen Sangay statt mit seinem Filmnamen mit dem richtigen Vornamen – und die Szene muss ein drittes Mal gedreht werden.

Dann – endlich – dürfen die schlotternden Schauspieler zurück zum Basislager, ins Restaurant Grindelwaldblick. Hier wärmt sich auf, wer nicht am Set bleiben muss. Zwei Föhne teilen sich im Basislager die Hauptrolle: Ob Haare, Kleider oder Füsse, alles wird erst einmal trocken geföhnt. Es gibt Essen, Spiele, Wärmekissennachschub, und die Schauspieler werden hier von Profis in neue Kostüme gesteckt. In einer Ecke brüten die international zusammengewürfelten Kinderdarsteller über den Hausaufgaben – gemeinsam mit Schauspielerin Mona Petri. Sie hat ihre Drehtage bereits in Indien absolviert, nun übernimmt sie freiwillig die Kinderbetreuung. Keine leichte Aufgabe, wollen die Kinder doch vom Basislager zum Filmset Huckepack getragen werden – gefühlte hundert Meter bergauf.

Oben angekommen, tobt man sich erst einmal im Schnee aus. Manche Kinder haben die weisse Pracht erst vor kurzem zum ersten Mal gesehen. Doch bald verlangt die Regisseurin Aufmerksamkeit. Sie sollen proben, wie sie nacheinander die Köpfe aus dem Schnee strecken. «Freunde, aufgepasst!», brüllt der erste Regieassistent. Bevor es wieder «Action» heisst, essen die Kinder zum Zeitvertreib noch etwas Schnee. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 27.11.2010, 12:19 Uhr)

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