Er hat Dorfgeschichte geschrieben

Von Verena Holzer. Aktualisiert am 13.03.2010

Der ehemalige Oberschul-lehrer von Fahrni, Ernst Siegenthaler, wurde gestern 100 Jahre alt. Regierungsstatthalter Marc Fritschi, Behördenmitglieder und ehemalige Schüler kamen zu Besuch. Heute feiert er mit der Familie.

Hoher Geburtstag mit vielen Gästen: Ernst Siegenthaler und seine Gratulanten.

Verena Holzer

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Gestern feierte der ehemalige Oberschullehrer Ernst Siegenthaler seinen 100.Geburtstag. Da er zeitlebens in Fahrni wohnhaft war, hat er ein Stück Dorfgeschichte mitgeschrieben und kann auch heute noch über die Ereignisse Auskunft geben. Viele hat er in einer Chronik festgehalten. Als er 1937 ein Auto kaufte, war es gerade der dritte zugelassene Wagen in Fahrni. Im Lehrerhaus war eine der beiden Telefonstationen des Dorfes, und Siegenthaler musste die Telefonate ausrichten. «Das war nicht immer eine leichte Aufgabe im weitläufigen Gemeindegebiet», erinnert er sich.

Lehrer und Organist

Mit 20 Jahren wurde der Jubilar als Lehrer nach Fahrni gewählt. Ohne Unterbruch, ausgenommen den Militärdienst, unterrichtete er bis zu seinem 65.Altersjahr an der Oberstufenschule. In dieser Zeit wurde er Gründungsmitglied der Raiffeisenbank Fahrni (heute RB Steffisburg) und war deren langjähriger Verwalter und Kassier. Die Schalterstelle mit später angebautem Wartezimmer hat er in seinem Haus errichten lassen. Siegenthaler war auch Mitinitiant für den Bau der Kirche Fahrni, die 1951 eingeweiht wurde. Viele Jahre bereicherte er als Organist die Gottesdienste und Kasualien.

Der ehemalige Lehrer erinnert sich an einen der kältesten Winter, vermutlich sei es 1956 gewesen, als es in der Schulstube zu kalt war zum Unterrichten: «Ich habe die Schüler wieder nach Hause geschickt.» Aber auch die trockenen Sommer 1947 und 1949 sind ihm im Gedächtnis geblieben: «Die Bauern hatten Mühe, Wasser fürs Vieh aufzutreiben, und weil es kein Gras mehr gab, wurden ihm Kartoffelstauden verfüttert.»

Gärtner als Traumberuf

Eigentlich hätte Ernst Siegenthaler gerne den Gärtnerberuf erlernt. «Aber als Sekundarschüler erwartete man von mir etwas mehr.» Den Traumberuf hat er dafür zum Hobby gemacht. Mit grosser Freude hat er sich bis zum 95.Altersjahr seinem Gemüse, den Beeren und den Blumen gewidmet. Noch heute wirft er gerne einen Blick in die Gartenbeete. «Den Aprikosenbaum und die Beerenstauden pflege ich immer noch selber», sagt er.

Musik hört der ehemals begeisterte Berggänger immer noch gerne, und er freut sich an guter Lektüre. Im Moment befasst er sich mit den Biografien von Theodor Fontane und Matthias Claudius. «Es ist ein Privileg, so alt zu werden. Die zweiten 100 Jahre werden wohl zäher als die ersten», erklärt Ernst Siegenthaler einem Gratulanten. Heute wird der hohe Geburtstag im Kreis der Familie gefeiert.

(Thuner Tagblatt)

Erstellt: 13.03.2010, 10:46 Uhr

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