Region
Entscheidungsphase für Thuner Naturpark
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«Mit dem Parklabel werden die Gemeinden und die regionale Identität gestärkt», sagt Verena Moser, Präsidentin des Trägervereins Thunersee-Hohgant und Gemeindepräsidentin von Beatenberg. Seit bald zehn Jahren sind Verena Moser und ihr Team mit der Planung des Regionalen Naturparks Thunersee-Hohgant beschäftigt. «Jetzt hat die Bevölkerung das Wort», so die Vereinspräsidentin weiter. Damit steht der geplante Regionale Naturpark Thunersee-Hohgant vor der entscheidenden Phase.
Bis zum 7. Dezember stimmen 16 der betroffenen Gemeinden über den Parkvertrag ab. Den Auftakt machen heute Abend die Gemeinden Buchholterberg, Homberg, Horrenbach-Buchen, Röthenbach, Schangnau und Wachseldorn. Die beiden Gemeinden Sigriswil und Habkern werden voraussichtlich im kommenden Frühjahr über das Vorhaben befinden. Mit dem Parkvertrag verpflichten sich die Gemeinden, bis 2021 im Naturpark mitzumachen und diesen auch finanziell zu unterstützen. Der Schlüssel für den jährlichen Beitrag richtet sich nach der Einwohnerzahl und der Gemeindefläche.
Ökonomische Entwicklung
Doch was bringt das Label «Regionaler Naturpark» der Bevölkerung? «Die Auszeichnung wird mithelfen, dieses Gebiet bekannt zu machen und kommenden Generationen als Heimat und Lebensraum zu erhalten», erklärt Verena Moser. Laut Verordnung müssen in einem solchen Park Landschafts- und Ortsbilder erhalten sowie Lebensräume von Pflanzen- und Tierwelt aufgewertet werden. «Eine ökonomische Entwicklung ist ebenso zwingend», betont Verena Moser. So profitiere die Landwirtschaft von neuen Absatzkanälen für Regionalprodukte, und dem Gewerbe stelle der Park eine Plattform für die Vermarktung und die Entwicklung neuer Produkte zur Verfügung. Zudem soll mit dem Parklabel der naturnahe Tourismus und die regionale Wertschöpfung gefördert werden. Verena Moser weist darauf hin, dass bei einem Ja zum Park jährlich rund 600'000 Franken Bundes- und Kantonsgelder für gemeinsame Projekte und Tourismusförderung in die Region fliessen werden. Weitere 300'000 Franken sollen durch die Beiträge der Gemeinden und der Region erbracht werden.
Zentrum muss mitmachen
Das Label «Regionaler Naturpark» gibt es vom Bund allerdings nur, wenn auch die Bevölkerung dahintersteht. «Der Park muss ein zusammenhängendes Gebiet sein», betont Flavia Rivola vom Bundesamt für Umwelt. Dennoch ist es möglich, dass das Gebiet zwischen Thun, Emmental und Interlaken das Parklabel erhält, auch wenn in den Gemeindeabstimmungen da und dort ein Nein resultiert. Der Parkvertrag tritt nämlich auch dann in Kraft, wenn höchstens vier Gemeinden am Rand des Parkgebiets das Vorhaben ablehnen und deren Anteil an der Parkfläche weniger als 75 Quadratkilometer umfasst. Es spielt daher eine Rolle, wie sich zentral liegende Gemeinden entscheiden. «Wenn sich Gemeinden wie Eriz, Habkern oder Sigriswil gegen das Vorhaben aussprechen, müsste das Gebiet neu definiert werden», sagt Co-Projektleiter Markus Steiner.
Markus Steiner wie auch Verena Moser geben sich indessen zuversichtlich: «Wir haben viele positive Signale festgestellt», sagt die Vereinspräsidentin.
Skeptische Bauern
Allerdings sind auch gewisse Ängste auszumachen: «Es herrscht eine gewisse Skepsis unter der bäuerlichen Bevölkerung», sagt Daniel Gfeller, Präsident der Bauernvereinigung im Amt Thun. «Die Bauern befürchten eine Verschärfung der Produktionsvorschriften», so der Landwirt aus Wachseldorn.
Verena Moser kann die Ängste der Bauern nachvollziehen. Der Begriff Naturpark habe für eine Verunsicherung gesorgt. «Ein Regionaler Naturpark ist allerdings kein Nationalpark, sondern ein Entwicklungsinstrument», stellt sie klar. So beinhalte ein Naturpark keine Kernzone, wo die Natur sich selbst überlassen werde, und auch keine Zutritts- oder Nutzungsbeschränkungen. «Der Park ist eine Chance, es wird keine neuen Vorschriften geben», versichert Verena Moser. (Thuner Tagblatt)
Erstellt: 27.11.2009, 09:13 Uhr
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