Amsoldingen

Eine alte Eiche für eine uralte Kirche

AmsoldingenFür die Restaurierung des über 400-jährigen Glockenstuhls in der Kirche Amsoldingen wurde im Frohnholzwald der Burgergemeinde Thun eine alte Eiche gefällt.

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Es begann ganz unspektakulär. Weil der Glockenstuhl der Kirche Amsoldingen morsch und verwittert ist und der Kirchgemeinderat Eichenholz für die Sanierung und Teilerneuerung des Tragwerks benötigt, veröffentlichte er einen Spendenaufruf: «Wir haben eine Kirche – haben Sie eine Eiche?»

Schon bald meldeten sich einige Waldbesitzer, darunter Burgergemeinden der Region, bei Andreas Habegger, in Amsoldingen Kirchgemeinderat mit dem Ressort Infrastruktur. Doch über eine Eiche, die den Anforderungen genügt, verfügte einzig die Burgergemeinde Thun.

Burgerratspräsident Beat Engemann weist auf den «Ehrenkredit» im Burgerrat hin, der die Unterstützung solcher Vorhaben öffentlich-rechtlicher Organisationen bezwecke. Ideell steht dabei das «nachhaltige Schaffen» und das «Mehrgenerationendenken» im Vordergrund. Laut Engemann hätte die Burgergemeinde eine Eiche aus dem Längenbühlwäldchen bevorzugt, aber diese wies nicht die erforderlichen Masse auf und war auch keineswegs splintholzfrei (junges, physiologisch aktives Holz).

Die Eiche aus dem Frohnholzwald (zwischen Uetendorf und Seftigen) entspricht nun den Anforderungen und wurde durch Förster Jakob Schneiter und zwei Helfer gefällt, dann zum Sager Peter Berger gebracht, der sie sorgfältig durchs Mark sägen muss.

Besonders bei Arbeiten an historischen Bauwerken ist das Lufttrocknen des Holzes wichtig. Es bedarf also fachkundiger Lagerung und vor allem Geduld vonseiten der Bauherrschaft sowie des Bewusstseins, dass ein solches Vorhaben Weile haben muss. Konkret: Das Holz wird erst nach rund acht Jahren oder mehr bearbeitungsfähig sein.

Kein Wunder, dass der Kubikpreis 2600 Franken beträgt. Für die Instandsetzung des alten Glockenstuhls braucht es etwas über einen Kubikmeter Eichenholz. Doch bis die ganze Sanierung abgeschlossen sein wird, kostet das ganze Projekt über 100'000 Franken.

Jedes Jahr ein Event

Im November 2014 wurde der historische Glockenstuhl letztmals stabilisiert, mit sogenannten Andreaskreuzen versteift und mit Metall verschraubt. Laut dem Zimmermann sollte dies zehn Jahre halten, bis die nun geplante Sanierung abgeschlossen sein wird.

Der ehemalige Kirchgemeinderatspräsident Beat Gottier übergab dieses grosse Geschäft seinem Nachfolger Kurt Sommer. Andreas Habegger übernimmt in diesem Zusammenhang die Aufgabe, begleitend eine Dokumentation anzufertigen und in einem Fotoband zu veröffentlichen. In diesem Sinne will die Kirchgemeinde jährlich, bei jeder neuen Etappe, einen öffentlichen Event veranstalten.

Nach ersten Schätzungen des Försters ist die Eiche 180- bis 200-jährig. Ihr Wachstum endet nun in einem über 400-jährigen Glockenstuhl in einer über 1000-jährigen Kirche. Fabian Schwarz von der kantonalen Denkmalpflege stellt den Erhalt der Substanz in den Vordergrund und lobt dabei die Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Amsoldinger Bauingenieur Daniel Indermühle.

Nur Schadhaftes ersetzen

Die vier Schwellen des 1931 erweiterten Glockenstuhls, in welchen zwei zusätzliche Glocken eingebaut wurden, werden restauriert. Im 16. Jahrhundert verwüstete ein Brand Glocken und Glockenstuhl gänzlich. Deshalb geht die Sanierung, bei der nur schadhafte Teile ersetzt werden, auf eine Substanz von etwas über vier Jahrhunderte zurück.

Da die Löcher hinter der Turmuhr Witterungsschäden zulassen, wird man diese künftig zu vermeiden versuchen. Ganz zumachen darf man allerdings nicht, weil sonst der Glockenton verloren ginge.

Die Akustik ist wiederum eine Wissenschaft für sich, da dabei gewaltige Kräfte im Spiel sind: Läuten die Glocken, so bewegt sich der ganze Glockenstuhl, und bei der Handbedienung (bei Beerdigungen oder andern unvorhergesehenen Anlässen) muss aufgepasst werden, dass nicht die mechanische Stundeneinstellung tangiert wird. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 21.03.2017, 06:11 Uhr

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