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Ehemaliger Grossrat wirtet auf dem Sparenmoos

Von Sarah McGrath-Fogal. Aktualisiert am 09.02.2012

Seit Ende Dezember wirtet im Berghotel Sparenmoos der ehemaliger Grossrat Matthias Kurt. Seit Beginn seines Einsatzes hatte der Zweisimmer gerade mal zwei Tage frei – und geniesst das Leben als Wirt trotzdem sehr.

Heisse Kost an kalten Tagen:  In der ehemaligen Skibar des Berghotels Sparenmoos hat Matthias Kurt eine Buvette eingerichtet. Die Suppe, die er selber gekocht hat, serviert er auch eigenhändig.

Heisse Kost an kalten Tagen: In der ehemaligen Skibar des Berghotels Sparenmoos hat Matthias Kurt eine Buvette eingerichtet. Die Suppe, die er selber gekocht hat, serviert er auch eigenhändig.
Bild: Sarah McGrath-Fogal

Seit über acht Jahren führt Hans Reichenbach im Winter Gäste vom Bahnhof Zweisimmen ins Sparenmoos und wieder zurück. Eis, Schnee und Kälte kennt er so gut wie die Strasse ins Kleinod ob Zweisimmen. Dass er auch in diesem Jahr eine Arbeit als Chauffeur hat, ist auch dem gemeinsamen Einsatz zahlreicher Einheimischer zu verdanken. Zur Erinnerung: Seit zwei Jahren steht das Berghotel Sparenmoos zum Verkauf.

Im letzten wie auch in diesem Jahr haben die Gemeinde, der lokale Tourismus und eine Handvoll Einheimische ein «Notprogramm» zusammengestellt, damit Schlittler, Winterwanderer, Langläufer und Sonnenanbeter das Sparenmoos trotzdem besuchen können. Nachdem kurz vor Weihnachten das provisorisch aufgestellte Beizli nieder brannte (wir berichteten), gab die Familie Aegerter das Wirten auf dem Sparenmoos auf. Die Brandursache ist noch nicht bekannt und alle Verantwortlichen mussten nach dem Unglück nach einer alternativen Lösung suchen, um einen reduzierten Betrieb aufrecht erhalten zu können.

Chinesisch für Holzski

Kurzfristig musste auch für den Wirt Ersatz gefunden werden, Matthias Kurt sprang in die Presche, aus «Liebe zum Sparenmoos und der Region», wie er betont. Zu Hilfe kam auch der aktuelle Sparenmoos-Besitzer, der Zweisimmen Tourismus bis Ende Wintersaison die ehemalige Skibar für die provisorische Unterbringung einer Buvette zur Verfügung stelle. Kurt nennt sie Mu-Ma, nach dem chinesischen Wort für Holzski. Noch mindestens bis Ostern möchte er hier wirten. Unter der Woche ist er alleine für das kleine Restaurant zuständig, und «wenn ich nach der Schicht dann noch die Toiletten putze, so bin ich insgesamt gut und gerne gegen 16 Stunden am Tag hier.» Kommt er nach Hause und kocht noch eine frische Suppe – gestern wars eine Blumenkohlsuppe mit Oliven – so kommt der Wirt nicht vor 2 Uhr früh ins Bett

Matthias Kurt betont mehrmals, dass der Betrieb ohne die Familie Dänzer nicht möglich wäre. So hilft Regula Dänzer Kurt am Wochenende in der Buvette, Marcel Dänzer ist Pisten- und Strassenchef und Vater Walter Dänzer ist für die Schlittenvermietung zuständig.

«Sparenmoos ist eine Perle»

Wie Chauffeur Hans Reichenbach kennt Kurt, der sechs Jahre für die SVP im Grossrat sass, das Sparenmoos wie seine Westentasche. Das rührt auch daher, dass er bereits 1988 an den Schweizer Meisterschaften im Langlauf als Streckenchef im Einsatz war und 1992 mithalf ein Drachenfest zu organisieren, dass schliesslich rund 4500 Leute anzog.

«Das Sparenmoos ist eine Perle, ein Gebiet mit viel Potenzial. Die unberührte Landschaft ist ihr grösstes Kapital», sagt Kurt. Am kommenden Wochenende ist das Sparenmoos wieder Ort eines grösseren Anlasses: Die Helvetia Nordic Trophy von Swiss Ski, die U14- und U16-Schweizer-Meisterschaften im Langlauf, werden durchgeführt (siehe auch Ausgabe vom letzten Dienstag).

Güezi von Gerbers

Als ehemaliger Präsident der Oberländer Genuss-Woche legt Kurt viel Wert auf einheimische Kost. Das Fondue stammt von einem Käser am Rinderberg, die Bratwurst von der Metzgerei aus Boltigen und für den Simmentaler Punsch braucht er Sirup der Swiss Alpine Herbs aus Därstetten. Die Güezi, die er zum Kaffee serviert, stammen aus der Gerber-Fabrik Zweisimmen oder sind hausgemacht von seiner Mutter.

Ein unermüdlicher Werber für seine Region, das war Kurt schon immer. Und ein Mensch mit viel Liebe zum Essen auch. «Nach einem Tag im Grossrat konnte ich bei nichts besser entspannen als beim Lesen von Rezepten», erinnert sich Matthias Kurt. Die strenge Arbeit habe seine Vorteile: Er habe einige Kilos abgenommen. (Berner Oberländer)

Erstellt: 09.02.2012, 08:38 Uhr

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