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Dubiose Firma versucht Thuner abzuzocken

Von Dino Dal Farra. Aktualisiert am 05.10.2011 1 Kommentar

Ein Wohnhaus im Tessin im Wert von 650'000 Franken und Bargeld en masse: Diese Preise verspricht eine Zürcher Firma 1000 angeblichen Thuner Kunden in einem Gewinnspiel. Brisant dabei: Das Unternehmen existiert höchstwahrscheinlich gar nicht.

So sieht das Schreiben aus, das  in die Thuner Briefkästen flatterte.

So sieht das Schreiben aus, das in die Thuner Briefkästen flatterte.
Bild: zvg

Polizei kennt das Vorgehen

Das Vorgehen von Firmen, die mit attraktiven Gewinnspielen locken, um dann ihren Opfern überteuerte Produkte zu verkaufen, sei immer ähnlich organisiert und der Polizei bekannt. «Schon über Jahre werden uns praktisch monatlich solche Fälle gemeldet», sagte Peter Winkler von der Kripoabteilung der Kantonspolizei Bern auf Anfrage.

Besonders ältere Leute würden oft auf den Trick der Abzocker reinfallen. «Wir empfehlen, dubiose Einladungen zu solchen Gewinnspielen ins Altpapier zu schmeissen», sagt Winkler. Das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb enthält Bestimmungen, welche es der Polizei erlauben, gegen solche Firmen vorzugehen. Allerdings bedingt dies einen Strafantrag der betroffenen Personen. Das Problem sei, dass es dafür meistens schon zu spät ist. Man müsse schnell handeln. «Denn oft sind die Veranstalter wieder längst über alle Berge», sagt Winkler.

Wem der Brief bekannt vorkommt, den wir in unseren Abbildungen zeigen, der sei gewarnt: In jüngster Zeit sind wieder Abzockerfirmen aktiv, die ihren angeblichen Kunden mit einem persönlichen Schreiben lukrative Preise und Gewinne in Aussicht stellen. Folgen die ahnungslosen «Gewinner» der Einladung zur Veranstaltung, die irgendwo in einem Gasthof stattfindet, kommt die Ernüchterung: Die Preise werden nicht ausgehändigt, stattdessen folgt im Rahmen einer Verkaufsveranstaltung eine mehrstündige verbale Bearbeitung jener, die eigentlich nur den versprochenen Gewinn abholen wollten.

Dem «Thuner Tagblatt» ist ein solcher potenzieller Fall in der Region Thun gemeldet worden. Eine pensionierte Frau fand eine Einladung zu einem Energie-Gewinnspiel in ihrem Briefkasten. Darin heisst es, sie könne das Feld freirubbeln und ihren Gewinn – 1300 Franken in Bar – am 12.Oktober um 14.30 Uhr im Hotel Restaurant Krone in Thun abholen. Doch die Frau stutzt.

«Seltsam amtlich»

«Der Brief war so seltsam amtlich abgefasst, dass ich zuerst dachte, er komme von der Stadt», berichtet die Thunerin, die nicht mit Namen genannt werden möchte. Sie habe den Brief dann noch ein zweites und ein drittes Mal durchgelesen. «Ich wurde immer misstrauischer. Ich sagte mir: Das kann doch nicht sein. Ich wollte wissen, was dahintersteckt.»

Im Schreiben gibt sich eine sogenannte Plus Tec GmbH als Energiefirma aus. Sie bedankt sich im Brief bei 1000 zufällig ausgewählten, angeblichen Kunden aus der Region Thun «für die Treue, die sie uns Jahr für Jahr entgegengebracht haben». Dazu gehört die Thuner Pensionärin. Als Dankeschön winken tolle Belohnungen: eine Minergiewohnung im Tessin für 650'000 Franken als Hauptgewinn, die Übernahme der gesamten Energiekosten für die nächsten fünf Jahre als 2. bis 9.Preise und schliesslich ein Energiezuschuss in bar im Wert von über 1000 Franken als 10. bis 500.Preise. Nach Stübis Rechenbüchlein: Jeder Zweite, der mitmacht, gewinnt. Ein guter Grund, mitzumachen.

Energie Thun AG staunte

Die Thunerin tat es nicht. Sie wurde misstrauisch und begann zu recherchieren – zunächst ohne Erfolg. Doch dann gelangte sie mit einem Anruf an die Energie Thun AG. Der Energieversorger beliefert in Thun die allergrösste Mehrheit – etwa 99 Prozent – der Stromverbraucher. Die Energie Thun AG staunte nicht schlecht, als sie das Schreiben von der Frau erhielt: Da kündigt ein Zürcher Unternehmen, das lediglich über eine Postfachadresse verfügt, grossspurig eine Gewinnverteilung an Energiekunden an. «Diese Firma ist uns gänzlich unbekannt, auch den Namen Plus Tec haben wir noch nie gehört», sagt Silvia Haller, Leiterin Kommunikation Energie Thun AG.

Warnungen im Internet

«Uns war es wichtig, die Kunden wissen zu lassen, dass wir nichts mit der Sache zu tun haben», sagt Kommunikationsleiterin Silvia Haller. Man habe sich zuerst gefragt, ob ignorieren oder reagieren besser sei. «Als uns Kunden darauf angesprochen haben, war für uns klar, dass wir Stellung nehmen.»

Recherchen dieser Zeitung haben ergeben, dass die dubiose Firma bereits für Aufsehen gesorgt hat. Das Konsumentenmagazin K-Tipp führt sie auf einer Warnliste – einem Verzeichnis für fragwürdige Unternehmen. Auch in mindestens drei internationalen Konsumentenschutzforen heisst es, dass die Plus Tec GmbH als Abzocker-Firma bekannt sei. Sogar eine deutsche Verbraucherschutz-Plattform warnt vor den Absichten von Plus Tec: «Es handelt sich um eine nicht existierende Firma, es wird kein Geld ausbezahlt», ist auf www.gti-verbraucherschutzforum.de zu lesen. Auf der Website von K-Tipp steht zudem ein typisches Einladungsdokument zur Ansicht. Die Art der Gewinne, der Ton des Briefs und die Aufmachung ähneln dem aktuellen Schreiben stark.

Nicht im Handelsregister

Einen Beweis dafür, dass die Plus Tec GmbH existiert, gibt es nicht. Im Handelsregister ist sie nicht eingetragen. Dort ist eine andere Firma aus Zürich auf den ähnlichen Namen Plustec GmbH registriert. Sie widmet sich aber dem Kaminbau und hat somit nichts mit der womöglich inexistenten Plus Tec GmbH zu tun. Gerne hätte die Redaktion die Verantwortlichen mit den Vorwürfen konfrontiert, doch war eine Kontaktaufnahme nicht möglich.

Die Verteilung der Preise soll am 12.Oktober im Hotel Krone in Thun über die Bühne gehen. Die Verantwortlichen des Gastrobetriebs wollten gestern keine Stellung nehmen. Somit bleibt offen, ob die Firma in der Krone tatsächlich einen Anlass gebucht hat und ob das Restaurant diesen absagt. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 05.10.2011, 08:04 Uhr

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1 Kommentar

barbara beyeler

05.10.2011, 11:16 Uhr
Melden 2 Empfehlung

es ist schon sehr erstaunlich, dass sich innerhalb der politik keine mehrheit finden lässt die entsprechenden gesetzte so anzupassen, dass solchen betrüger/innen das handwerk gelegt werden kann.
es sind nicht nur ahnungslose und dumme, die auf solche betrügereien hereinfallen, es sind vor allem menschen, die das geschriebene wort ernst nehmen und in gutem glauben sind.
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